Stellenabbau bei Nokia

Aus für europäischen Traum

Helmut Spudich , 27. April 2011, 18:45

Die Ära, in der Nokia den guten Handyton angab, ist vorbei

Zuerst die Kapitulation, dann die Kündigung des Fußvolks. Im Februar erklärte Nokia, von seinem Thronanspruch als führender Handyhersteller zurückzutreten und künftig Microsoft-Handys zusammenzubauen - so wie viele Konkurrenten auch. Gestern dann die Ankündigung, 7000 Mitarbeiter abzubauen.

Nun bleibt Nokia ein stattlicher Konzern, mit 40 Milliarden Euro Umsatz und dann noch 124.000 Mitarbeitern. Aber die Ära, in der Nokia den guten Handyton angab, ist vorbei. So wie Microsofts einflussreichste Tage vorbei sind - auch wenn der Konzern noch immer der profitabelste der IT-Branche ist. Solche "kreative Destruktion" , wie der österreichische Nationalökonom Joseph Schumpeter denZyklus von Aufstieg und Niedergang beschrieb, gehört zur Tagesordnung der Wirtschaft.

Aber wo in den USA andere Player übernehmen, wie Apple und Google bei Handys, verliert Europa mit dem Downgrading von Nokia seinen letzten globalen digitalen Konzern von Bedeutung. Softwarekonzern SAPwird immer deutlicher von Oracle distanziert, Siemens gab PCs, Handys und Netzwerke längst auf, die Liste ist lang. Europa ist oft erfindungsstark - das Web ist eine europäische Entwicklung, wie auch Skype -, aber umsetzungsschwach. Eine Start-up-Kultur und das nötige Risikokapital dazu sind dringend erforderlich, um nicht auf den Technologien des 19. und 20. Jahrhunderts sitzenzubleiben. (Helmut Spudich, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28.4.2011)

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oas
00
29.4.2011, 04:22
Nach

"tendenzieller Fall der Profitrate" googeln...
Dann werden auch die Privatisierungswellen, wo zuvor an öffentliche Dienste zugeschobene Bereiche, weil dazumals zu wenig profitträchtig, nun plötzlich wieder interessant werden, erklärlich.

Und sich nicht davon täuschen lassen, dass die Aufholindustrialsier-Systeme sich auch auf diesen Autor beriefen!

lessismore
00
29.4.2011, 00:31

Vielleicht liegt es ja auch daran, daß die Amerikaner einen besseren diplomatischen Dienst haben -- diese 15.000-Mann-Botschaften sind schon zu etwas gut ...

Berli Jucker
00
28.4.2011, 21:52
Der EUMIG Konkurs ist auch schon 31 Jahre her

Hermine Berg
 
00
28.4.2011, 21:49
naja

um mit den asiaten mithalten zu koennen, muessten nunsere regierungen halt milliardenspritzen geben wie dort. elektronik ist derzeit extrem hoch subventioniert und es gibt einen verdraengugnskampf wie bei den airlines vor 10-20 jahren.

stickermania
 
01
28.4.2011, 20:13

Ein Spudlich-Machwerk in trauriger Tradition.

1116er
01
28.4.2011, 16:29
man kann es auch positiv sehen:

der hype um unterhaltungs- und informationstechnologie hat seinen höhepunkt schon längst überschritten und wird in den nächsten beiden jahrzehnten nicht wie in den vergangen beiden DIE schlüsseltechnologie sein.

anderes wird in den vordergrund drängen und viel wichtiger als os-update oder ein neu gestyltes hendi sein.
wenn europa in diesen bereichen die nase vorn hat, dann ist es auf dem richtigen weg.

edurkheim
00
28.4.2011, 14:20
Bei uns wird auch 50 % des Geldes vom Staat verwaltet

Und Politiker investieren nicht in neue startups sondern in alte Netzwerke.

Durch die Überreglulierung Regulierung, Gewerkschaften und Lobbying werden bestehen Konzerne in alten Technologiestraße auch eher unterstützt als deren Konkurrenz

(Man braucht sich nur zB die Alternativenergie gegen die Stromkonzerne ansehen - selbst bei größtem öffentliche Druck setzen sich die großn alten fast immer durch. Viel schlimmer ist dann natürlich noch in Branchen die keine öffentlich politische Beachtung genießen)

aunty
52
28.4.2011, 11:21

mich stört der abbau von 7.000 stellen etwas mehr, als der prestigeverlust......

Ggg14
02
28.4.2011, 18:29

Genau dieses schwachsinnige Denken ist es, das Europa aufs Abstellgleis zwingt.

Jedem Arbeitsplatz nachheulen, der unrentabel, ineffizient und von Vorgestern ist. Und damit alle Energie und Kapital in bereits toten Wirtschaftszweigen binden.

Wir sind sind so was von am A.... und merkens nicht einmal.

aunty
00
29.4.2011, 10:19

vielen dank für ihre analyse!

wissen sie, ich sitze vielleicht auf einem so unrentablen arbeitsplatz, der bald eingespart wird. dann sind 30 jahre arbeit für die fische. und meine flexibilität und lernfähigkeit haben auch ein alter erreicht, wo man sich nicht mehr soo leicht tut mit umschulungen.
auch hochgebildete wirtschaftlich ausgebildete rechenmaschinen sollten darüber nachdenken, ob profit das wirklich einzige ist, das zählt.

Ggg14
00
29.4.2011, 13:27

Ich versteh natürlich, dass das für Sie persönlich unangenehm ist. Aber wenn Sie ehrlich sind, dann sitzen Sie ebenfalls mit ziemlicher Garantie auf einem Arbeitsplatz, der irgendwann einen anderen verdrängt hat (zb Hufeisenschmied oder was weiß ich).
Veränderungen können unangenehm sein, müssen es aber nicht unbedingt. Warum muss ein neues Aufgabenfeld unbedingt böse sein, warum muss es eine Zumutung sein, etwas Neues zu lernen?
Oder umgekehrt: wer sollte in der Lage sein eine Garantie abzugeben, dass man das, was man in der Jugend gelernt hat, bis zur Pensi weitermachen kann? Und ganz nebenbei wäre das zb für mich eher ein Albtraum, wenn ich 30-40 Jahre immer das Gleiche machen müsste.

edurkheim
00
28.4.2011, 14:49

Um die 7000 Programmierer brauchen sie sich keine sorgen machen:

a) wird Symbian ausgegliedert, deshalb werden die meisten wohl übernommen werden

b) werden derzeit Programmierer überall auf der Welt gesucht wie Gold. (Das sind nämlich keine beamteten Postler deren einziges könnten ein SPÖ-Parteibuch ist)

m+m
02
28.4.2011, 11:49

Kurzsichtiges Denken.
Es ist nicht der Prestigeverlust, sondern der Verlust der Technologie bzw diese herstellen zu können, weiterentwickeln, neue Entwicklungen umsetzen zu können etc.
Da geht es ein vielfaches dieser 7000 Arbeitsplätze

van.der.stiege
00
28.4.2011, 14:08
wieso?

das know-how und die entwicklung sitzt ja nachwievor in europa.... die umsetzung wird halt mehr und mehr ausgelagert.

apple gilt ja auch als "amerikanisches / californisches produkt" nur weil der firmensitz dort ist und die ideenschmiede.... produzieren und zusammensetzen tut mans wo anders - um es jedoch dann wieder als teures fertigprodukt zu re-importieren und als amerikanisches qualitätsprodukt zu verkaufen.

aunty
00
28.4.2011, 12:30

sie werden recht haben.
es wäre halt die aufgaben der staatengemeinschaft, bildung, entwicklung, forschung usw zu fördern.

aber die fördern lieber die konzerne, die dann - wie etwa nokia - arbeitsplätze abbauen.

Ggg14
01
28.4.2011, 18:32

Warum ist das wohl so???

Weil das arme, unverstandene und ausgebeutete Volk eben die wählt, die die falschen Konzepte vertreten. Wenn ein HC oder ein Faymann dafür gewählt werden, dass sie unrentable Arbeitsplätze subventionieren, dann darf man sich nicht wundern. Und ganz nebenbei auch diese idiotische Konzerndrescherei ist kurzsichtig und dumm. Oder was glauben Sie, wer wohl das Geld hat, um neue Erfindungen zu finanzieren? Der Staat definitiv nicht, der macht schon Schulden, um die Pensionen zahlen zu können. Keine Konzerne, keine Innovation. Oder anders gesagt wenn Europa keine Konzerne hat, dann können wir die Sachen zwar erfinden, verdienen werden damit aber die Amerikaner oder bald die Chinesen.

MV7
02
28.4.2011, 13:56

Der Abbau von Arbeitsplaetzen in einem absteigenden Segment waere ja nicht so schlimm, wenn in einem anderen innovativeren Bereich neue Arbeitsplaetze geschaffen werden. Aber genau diese Chance verbaut sich Nokia offensichtlich gerade.

Warum die als Marktfuehrer ihr eigenes Betriebssystem in den Gulli werfen, bleibt wohl ein gut behuetetes Geheimnis.

SpaceDudeAlien
00
28.4.2011, 15:12
Nicht wirklich ein Geheimnis

ist im Rückblick wirklich nicht so schwer nachzuvollziehen - immerhin hat man sich einen Microsoft Manager geholt.

Interessant ist bei diesen Konzernen immer, wie schnell ein "Farbwechsel" vollzogen wird. Im Fall Nokia nach einem Jahr, das entspricht auch meiner Erfahrung: ca. 1 Jahr nach einem Führungswechsel ist die Fahrtrichtung geändert, nicht immer zum Besseren. Leider.

mfg.

terminus
01
28.4.2011, 22:03

Ich kann mich noch erinnern als Apple vor eingen Jahren (zumindest meiner Meinung nach) ziemlich am Boden war - da gab es natürlich eine eingefleischte Gemeinde, aber das war es... dann kam man bei Apple auf die Idee nen MP3 - Player auf den Markt zu bringen... ich will damit eigentlich nur aufzeigen wie schnell es gehen kann.

...und ob das nun eine richtige oder falsche Entscheidung hält wird man noch sehen.

Ender Wiggin
02
28.4.2011, 09:58
andere príoritäten

insbesondere in Deutschland geniesst Ingeneurskunst, allen voran Kfz-Technik, bei begabten Jugendlichen noch immer einen viel höheren Stellenwert als Programmieren. Aber ich erinnnere mich, dass vor zwei Jahren, als die großen drei Autobauer in den USA vor dem Aus standen, alle über die amerikanische Unfähigkeit beim Autobauen gelacht haben. Es können halt nicht alle Alles können.

FrostY Iceberg
11
28.4.2011, 09:01

In der sozialen Hängematte ist es doch gemütlich, und schuld sind eh immer die anderen.

her wig
11
28.4.2011, 08:19
Das Pensionssystem

macht einen Unterschied. Unser Umlagesystem ist zwar einfacher und auch stabiler - aber eins das über Aktien u.ä. die Wirtschaft mit ein bezieht, hat in dieser Hinsicht eine grössere Wirkung.

Reich sein muss sich lohnen!
11
28.4.2011, 10:41
Darum fahren in den USA 90ig-Jährige Taxi

der Pensionsfond war halt plötzlich nur noch 1/10 Wert.
Das hat für den Pensionisten dann tatsächlich eine grössere Wirkung...

Ggg14
00
28.4.2011, 18:34

Dafür nehmen wir jedes Jahr Milliarden an Schulden auf um unser tolles Umlagesystem finanzieren zu können. Und irgendwann wirds trotzdem Bumm machen.

grisu00
 
00
28.4.2011, 20:29
Und weil die USA dauernd BUMM-BUMM machen

Werden auch die USA bald krachen. Die Schuldenaufnahme bei gut 10% des BIP, kaum Sozialleistungen und dennoch erhebliche Lücke für die versprochenen Zahlungen. Rechnet man die Pensionsansprüche und die erwarteten Medicare und Medicaid Zahlungen für die Babyboomer hinzu, belaufen sich die Verbindlichkeiten der USA auf über 60 Billionen USD.

Die USA haben jedoch zwei Vorteile: (1) eine relativ niedrige Steuerquote (wenn ich nicht irre ca. 25%), wodurch prinzipiell Spielraum bestünde Steuern zu erhöhen und (2) die USA druckt die Welthandelswährung (über die importierte Inflation haben wir den Amerikanern schon den Vietnamkrieg mitfinanziert...)

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