Harte Hand, leise Töne: Der Neue im Pentagon

27. April 2011, 18:41
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Leon Panetta, derzeit CIA-Chef, soll ins Pentagon wechseln

Es ist beinahe schon so etwas wie ein politisches Muster: Wie der noch bis zum Sommer amtierende US-Verteidigungsminister Robert Gates wird auch dessen Nachfolger Leon Panetta keine schillernde Militärkarriere absolviert haben, sondern von außen ins Pentagon kommen. Genauso wie Gates wird Panetta dann auch CIA- Direktor gewesen sein. Und genauso wie Gates wird der 72-Jährige von Demokraten wie Republikanern in Washington gleichermaßen geschätzt werden.

Diese Kombination ist eine gute Grundlage, um - ganz im Sinne von Präsident Barack Obama - Erfolg als US-Verteidigungsminister zu haben. Der neue Mann darf nicht zu alten Seilschaften im Pentagon gehören, und er soll sich auch nicht von den Generälen ins Bockshorn jagen lassen. Management mit harter Hand und leisen Tönen ist gefragt, um dieses Monsterministerium zu führen.

Dass er genau das kann, hat Leon Panetta mehrfach bewiesen. Zuletzt als Obamas überraschende Wahl für den Chefposten im US-Auslandsgeheimdienst CIA, wo er nach dem gelinde formuliert laxen Umgang mit Menschenrechten in den Bush-Jahren für Ordnung sorgte. Und davor, von 1994 bis 1997, als Stabschef Bill Clintons im Weißen Haus, wo er nach einem katastrophalen ersten Jahr Clintons dessen erster Amtszeit eine Richtung und dem Präsidenten die Chance auf Wiederwahl gab.

Spätestens seither gilt Panetta, der Mann mit kalabrischen Vorfahren, als stets freundlicher, zurückhaltender, aber auch überaus effektiver Fädenzieher in Washington. Als einer, der immer dann gerufen wird, wenn effektives Management benötigt wird.

Seine politische Karriere hat der Jurist aus Monterrey, Kalifornien, bei den Republikanern begonnen. Als Direktor des Büros für Bürgerrechte trat er Anfang der 1970er-Jahre zurück, weil Präsident Nixon Druck auf ihn ausübte, diese doch weniger scharf umzusetzen. Danach wechselte er zu den Demokraten, vertrat diese 16 Jahre lang im US-Kongress und erwarb sich dort den Ruf eines ausgefuchsten Finanzfachmannes. Für Clinton absolvierte er auch ein Jahr als Budgetdirektor, was ihm wohl nun bei Einsparungen im Pentagon von Nutzen sein wird. Manöverkritik übte er auch in der "Iraq Study Group", einer Expertenrunde, die die Fehler der USA im Irak bewertete.

Panetta ist mit Sylvia verheiratet. Das Paar hat drei erwachsene Söhne und lebt auf einer Farm im kalifornischen Carmel.  (Christoph Prantner/DER STANDARD, Printausgabe, 28.4.2011)

 

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