Hündinnen schauen anders

27. April 2011, 18:08
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Experimente zeigen einen erstaunlichen Unterschied zwischen den Geschlechtern

Wien - Ob und warum Frauen und Männer die Welt verschieden wahrnehmen, treibt die Wissenschaft seit Jahrzehnten um. Sollte es die Unterschiede - etwa beim räumlichen Orientierungsvermögen - tatsächlich geben, fragt sich immer noch, woher sie kommen: Liegen sie im Gehirn begründet und sind damit biologisch? Sind sie Relikte der steinzeitlichen Arbeitsteilung? Oder liegt es doch an der Umwelt?

Eine damit in Verbindung stehende Frage untersuchten Verhaltensbiologen um Corsin Müller vom Department für Kognitionsbiologie und vom Clever Dog Labor der Uni Wien. Sie studierten nämlich am Beispiel Hund, ob sich bei Säugetieren geschlechtsbedingte Wahrnehmungsunterschiede gibt. Und siehe da: Die Forscher wurden fündig, wie sie in den "Biology Letters" der Royal Society vom Mittwoch berichten.

Müller und seine Kollegen ließen insgesamt 50 Hunde (25 weibliche und 25 männliche) zwischen den Beinen ihres Herrchens Platz nehmen bzw. machen. Während Herrl oder Frauerl mit verbundenen Augen dasitzen musste, konnten die Tiere beobachten, wie ein blauer Ball vor ihren Augen dahinrollte, kurz hinter einem Sichtschirm verschwand und jedes zweite Mal gegen einen doppelt so großen ausgetauscht wurde.

Männliche Hunde schauten etwa 17 Sekunden dem wiederaufgetauchten Ball nach, ganz egal, ob er nun seine Größe änderte oder nicht. Hündinnen hingegen reagierten ganz anders: Blieb die Ballgröße gleich, schenkten sie ihm nur etwa 11 Sekunden Aufmerksamkeit, war er doppelt so groß, schauten sie ihm 35 Sekunden lang eher irritiert nach.

Die Forscher erklären den Unterschied mit dem unterschiedlichen Hormonspiegel, der sich auf die Entwicklung des Gehirns auswirken würde. (tasch/DER STANDARD, Printausgabe, 28. 4. 2011)

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    Männliche Hunde reagieren auf Ungewöhnliches cooler.

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