Obdachlose Migranten

Neue "zweite Gruft": Mehr Platz und ganzjährig geöffnet

Martina Stemmer, 27. April 2011, 18:06
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    foto: standard/corn

    Ohne Geld und ohne Jobangebot haben Zuwanderer kaum Chancen, legal in Wien zu leben. Vielen bleibt nur noch die "zweite Gruft"

Weil Zuwanderer nicht ins Obdachlosenheim dürfen, betreibt die Caritas die "zweite Gruft" ab jetzt im 7. Bezirk

Wien - Gut 20 Männer warten kurz vor 18 Uhr bereits vor dem Haus. Als die Tür aufgeht, tragen sie sich in eine Liste ein, dann geht es weiter in den ersten Stock. Dort sucht jeder erst einmal nach einem großen schwarzen Müllsack mit seinem Namen drauf.

Naval, rosa Hemd, auf Hochglanz polierte braune Halbschuhe, findet seinen im Vorzimmer. Er hievt die in Plastik verpackten Habseligkeiten sogleich auf den Rücken und begibt sich in einen der schmalen, unmöblierten Schlafräume. „Ich habe von Freunden von diesem Ort gehört", sagt er, holt eine Isomatte aus dem Sack und rollt sie auf dem beigen Kunststoffboden aus. „Ich hoffe, ich finde bald eine Wohnung und einen Job." Der 32-Jährige stammt aus Bukarest.

Kein Job

Vor zwei Wochen kam er nach Wien, er will hier als Bäcker arbeiten. Vorerst ist er allerdings in der „zweiten Gruft" gelandet, jener Einrichtung der Wiener Caritas, in der wohnungslose Nichtösterreicher unterkommen. In der „ersten Gruft" unter der Mariahilfer Kirche haben Ausländer - so wie in allen anderen Obdachloseneinrichtungen der Stadt - laut Sozialhilfegesetz kein Recht auf einen Schlafplatz. In der Hoffnung auf ein besseres Leben kommen dennoch ständig Menschen aus Osteuropa nach Wien.

In der Hauptstadt leben laut Schätzungen rund 300 Nichtösterreicher auf der Straße. Im Winter 2009 richteten Caritas und Fonds Soziales Wien erstmals eine Unterkunft für diese Menschen ein: Der Aufenthaltsraum des Obdachlosenwohnheims St. Josef in Währing wurde zu einem provisorischen Schlafsaal für Zuwanderer umfunktioniert.

Essen und duschen

Jetzt ist die „zweite Gruft" in den Siebten umgezogen, in den ersten Stock des ehemaligen Heims für Asylwerber in der Bernardgasse. Die Notunterkunft soll zumindest bis Mai 2012 dort bleiben - und im Gegensatz zum Haus St. Josef auch im Sommer offen haben. „Der Bedarf an Schlafplätzen ist auch in der warmen Jahreszeit groß", sagt Michael Zikeli, Leiter des Bereichs Asyl und Integration bei der Caritas. 50 Schlafmöglichkeiten für Männer stellt die Caritas zur Verfügung, demnächst sollen zwölf Plätze für Frauen hinzukommen.

Es gibt Essen und Duschmöglichkeiten, um 8 Uhr früh müssen sämtliche Bewohner das Haus verlassen. Die Caritas finanziert das Projekt über Spenden, die Stadt schießt Geld für die Rückkehrberatung zu. Denn einem Gutteil der Klienten wird die baldige Heimreise nahegelegt. „Wir müssen vielen Leuten die Träume rauben", sagt Zikeli. Schlecht ausgebildet und ohne Geld haben sie kaum eine Chance, sich in Österreich eine Existenz aufzubauen. Die meisten kommen aus Rumänien und Bulgarien. Nach drei Monaten endet ihr legaler Aufenthalt, dann müssen sie zumindest kurz ausreisen. In Österreich arbeiten könnten sie nur, wenn sie sogenannte Schlüsselarbeitskräfte wären.

Stefan aus Tschechien könnte theoretisch ab 1. Mai legal in Österreich arbeiten. Denn dann endet die Übergangsfrist für die 2004 beigetretenen EU-Länder. Der 60-Jährige macht sich trotzdem keine allzu große Hoffnungen auf einen neuen Job. „Ich bin doch schon viel zu alt", sagt der gelernte Schlosser, der 1990 nach Wien kam, „mich nimmt doch keiner mehr." Sozialhilfe kann er auch keine beziehen, denn er war in den letzten vier Jahren nicht durchgehend in Wien gemeldet. Und so verbringt er seit Wochen jede Nacht in der „zweiten Gruft".
 (DER STANDARD Printausgabe, 28.4.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 60
1 2
Optimistin1951
011
28.4.2011, 16:08
zu wenig Informationen

Dieser Artikel weist- wie so oft bei Themen über Ausländer mit Problemen- viel zu wenig brauchbare Hintergrundinformationen auf.
Wie kann jemand seit mehr als 10 Jahren in Österreich leben, wenn er keine Beschäftigung hat?

Vgl: EWR-Bürgerinnen/EWR-Bürger sowie Schweizerinnen/Schweizer sind zum Aufenthalt für mehr als drei Monate berechtigt, wenn sie

•In Österreich Arbeitnehmerin/Arbeitnehmer bzw. Selbstständige/Selbstständiger sind oder
•Für sich und ihre Familienangehörigen über ausreichende Existenzmittel und einen umfassenden Krankenversicherungsschutz verfügen, sodass sie während ihres Aufenthalts keine Sozialhilfeleistungen in Anspruch nehmen müssen, oder
•Als Hauptzweck ihres Aufenthalts eine Ausbildung einschließlich einer Berufsaus

frusciante
02
28.4.2011, 13:58
das liegt am wiener sozialhilfegesetz...

der text ist etwas älter, trägt aber sicherlich zum besseren verständnis bei:

http://lisasyndikat.wordpress.com/2009/12/1... chenrecht/

Mr XY
11
28.4.2011, 12:09

Nachbarn auf Wiens Strassen in Not.
Wärend 3 Mrd 30 Euro pro Monat haben.

Nennt mich Loretta
39
28.4.2011, 11:07
MWn dürfen auch EU-Bürger, die sich nicht selbst erhalten können in ihre Heimat abgeschoben werden.

Welche Perspektive sollen diese Menschen hier haben?

beauregarde
00
28.4.2011, 08:05

wieso muss man das Gruft nennen?

Julia Caesar
05
28.4.2011, 09:35
Gruft

Die "erste" Gruft hat ihren Namen daher, dass sie genau das ist - und zwar unter der Barnabitenkirche. Aus der Beschreibung der Lokation wurde ein Name für die Einrichtung, und daher jetzt auch für die zweite Einrichtung, auch wenn diese nicht mehr unterirdisch ist.

didi111
00
28.4.2011, 09:54
Danke für die Erklärung...

das wusste ich nicht...man lernt nie aus.. und das ist auch gut so...

Walter Kaiser.
33
28.4.2011, 06:52
Ich bin aus der Kirche wegen Groer und Co. ausgetreten ...

Aber die Caritas bekommt immer wieder Spenden von mir. DAS sind Christen, wie ich sie mir vorstelle!

Kendall Von Tharn
220
28.4.2011, 07:42

bei der caritas arbeiten übrigens nur wenige christen, das personal wird finanziell ausgebeutet und ein teil der spenden versickert in der verwaltung.

gogosch der Grosse
13
Die Spenden der Caritas versickern in Schwarzafrika!

Hans Müller1
 
00
28.4.2011, 15:57
Was jetzt? Sollen die Spenden ankommen oder

sollen die Angestellten fett bezahlt werden? Hauptsache kritisieren

niewieder nett
 
03
28.4.2011, 16:18

naja...ich habe selbst jahrelang für die caritas gearbeitet. und von fetter bezahlung kann da schon mal gar keine rede sein. es wäre toll wenn sie in gewissen bereichen (v.a. familienhilfe) die leute zumindest so anständig bezahlen, dass die nicht selbst um zuschüsse ansuchen müssen.

man kann die caritas hinsichtlich ihrer entlohnung in gewissen bereichen sehr wohl kritisieren.

Hans Müller1
 
10
28.4.2011, 16:30
Sicher, und wenn sie zuviel zahlen dann

wird kritisiert dass zuwenig Geld bei den Bedürftigen ankommt. Mir ist schon klar dass die Caritas wenig zahlt, aber da niemand zwangsweise bei der Caritas arbeitet ist das wohl die einzige Vorgehensweise die die Caritas wählen kann - Immerhin ist ihre Aufgabe nicht die dass ein paar Leute die was ordentliches gelernt haben und sich selbst helfen können ein bisserl mehr verdienen sondern ihre Aufgabe ist es sich effizient und effektiv um Sozialfälle etc. zu kümmern

hackler
04
29.4.2011, 16:56

es gibt leut die wollen von ihrer arbeit leben, egal welche branche. oder würdest du den arabeiterInnen von opel sagen, hauptsache tolle autos dürft´s machen?

Hans Müller1
 
01
29.4.2011, 20:23
Opel zahlt seine Mitarbeiter, die Caritas zahlt ihre Mitarbeiter,

niemand wird gezwungen dort zu arbeiten, und alle können von dem Geld das sie bekommen leben. Sollte das bei Einzelfällen nicht zutreffen, dann kann man diesen Individueen ruhig etwas Eigenverantwortung zumuten, in dem Sinne dass sie selbst für den Job verantwortlich sind den sie sich ausgesucht haben. Wenn sie mehr bezahlt bekommen wollen, dann müssen sie besser verhandeln, sich fortbilden oder den Job wechseln.
Sie zahlen ja auch nicht im Geschäft mehr weil der Verkäufer "von was leben muss"

Feles
02
28.4.2011, 12:01
natürlich

geht ein teil der spenden für die verwaltung drauf. auch gute taten müssen schließlich organisiert werden organisieren tun menschen und diese bekommen ein gehalt und brauchen für ihre tätigkeit eine entsprechende infrastruktur.

Walter Kaiser.
21
28.4.2011, 07:56
Dass dort nur wenig Christen arbeiten, kann ich mir vorstellen.

Auch beim Schwarzen Wiener Hilfswerk sind die meisten Mitarbeiter (also die, die wirklich die Sozialarbeit machen) SP-Wähler.

Aber die Geisteshaltung der Caritas-Oberen ist Anständig.

Das Personal wird sicher ausgebeutet, aber auch das ist in vielen Sozialberufen gleich.

Und in die Verwaltung läuft bei der Caritas weit weniger als bei vielen anderen ähnlich gelagerten Betrieben - ganz einfach, weil die Kirche einen Teil der Personalkosten übernimmt während anderswo ein Teil der Spenden dafür verwendet wird.

romero69
01
28.4.2011, 12:36
wenns eh für alles eine "ja, aber ..."-Erklärung gibt, dann ist auch alles wurscht?!

also MIR NICHT!!! Caritas ist entweder in sich insgesamt "anständig", nicht nur was man offiziell nach aussen hin auf der homepage und in presseausschreibungen ach so fromm von sich gibt, oder sie kriegen von mir nichts.

Dinyar Rabady
00
29.4.2011, 20:01

darf ich ihrer meldung entnehmen, dass sie dann den leuten, die auf der straße und in cafes betteln direkt geld geben? da is dann weniger geld, das in die verwaltung fließt..

Walter Kaiser.
01
28.4.2011, 12:57
Sie haben "ich will nichts spenden" ziemlich kompliziert formuliert.

ICH will was Spenden, mir gehts gut und ich will, dass es den Ärmsten auch besser geht. Also bekommen Diejenigen das Geld, die es am Besten (für mich uns somit für die Empfänger) verwalten.

Ich tue der Caritas mit meinem Geld nichts Gutes, ich tus für die Armen - also ist Ihr eigenartiges Posting nur zum Krenreiben: Sie gehen davon aus, dass die (böse) Caritas was davon hat.

Kendall Von Tharn
01
28.4.2011, 09:50

der großteil des personals wird NICHT von der kirche finanziert.

zum nachlesen: http://www.caritas-salzburg.at/ueber-uns... anzierung/

Walter Kaiser.
00
28.4.2011, 12:23
Das kann ich von dieser Webseite nicht erkennen, sorry.

Bitte um Hilfe ...

Aber mir gehts ja nicht um Leistungsempfänger, deren Zuwendung staatlich geregelt ist, mir gehts um Verwaltung von Spenden. Dort ist die Caritas meines Wissens die NGO, die von den eingegangenen Spenden prozentuell am meisten weitergeben kann, nämlich 90 - 93 Prozent. Licht ins Dunkel schafft das nicht ganz, nur das Rote Kreuz ist ähnlich gut.

Und dann gibts auch noch solche Gfraster wie die Ex-Chefin von World Vision, die Martina Taurer Krones, die sich einen luxuriösen Lebenswandel auf Kosten der allerärmsten geleistet hat, da ging fast alles aufs Konto dieser Betrügerin.

Da hab ich zum Küberl wesentlich mehr Vertrauen.

alidi
00
28.4.2011, 14:31

Also ich bringe Sachspenden (welche immer freudig angenommen werden) immer direkt zur Grft, da bin ich mir in jeder Weise sicher, dass die Sachen zum richtigen Empfänger kommen. Nämlich zu den Ärmsten unserer Gesellschaft.

Walter Kaiser.
00
28.4.2011, 15:19
Das ist fein - und auch in Ordnung.

Aber mir gehts ja nicht nur um die Gruft, ich denk auch z.B. an die Tsunami Opfer etc. Das schaff ich zeitlich absolut nicht.

Kendall Von Tharn
00
28.4.2011, 13:05

Unter der Überschrift: Öffentliche Kostenbeiträge - Leistungsfinanzierung ist eine genauere Darlegung.
hier eine übersicht mit bilanzen:
http://www.caritas-wien.at/fileadmin... W_2009.pdf

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