Israel bangt um Gas aus Ägypten

27. April 2011, 17:51
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Zum zweiten Mal in diesem Jahr sind Lieferungen durch einen Sabotageakt unterbrochen

Zum zweiten Mal in diesem Jahr sind die Lieferungen von ägyptischem Erdgas an Israel durch einen Sabotageakt unterbrochen. Bei steigendem Strombedarf im Sommer denkt man in Israel über andere Quellen nach.

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Schmutzigere Luft und höhere Strompreise - das könnten für Israel die ersten konkreten Folgen des Umsturzes in Ägypten sein. Nach einem abermaligen Anschlag auf eine Pipeline im nördlichen Sinaigebiet musste in der Nacht auf Mittwoch die Erdgaszufuhr nach Israel wieder abgeschaltet werden. In israelischen Medien wurde besorgt gefragt, ob man bald im Dunkeln sitzen werde, zumal der Strombedarf in der Sommerhitze noch steigen wird.

Wegen der Unzuverlässigkeit der ägyptischen Lieferung empfahlen Experten, beschleunigt andere Bezugsquellen zu entwickeln. Im Februar hatte ein ähnlicher Anschlag den Erdgasfluss für rund einen Monat lahmgelegt. Bei einem weiteren Sabotageversuch am 27. März war die Sprengstoffladung nicht detoniert.

Israel erzeugt rund 40 Prozent seines Stroms aus Erdgas, von dem wiederum 40 Prozent aus Ägypten kommen. Kurzfristig kann der Ausfall durch erhöhte Entnahmen aus einem kleinen israelischen Off-Shore-Erdgasfeld überbrückt werden, wo die Reserven aber rasant zur Neige gehen. Laut Infrastrukturminister Usi Landau könnte die Elektrizitätsgesellschaft daher gezwungen sein, in ihren Kraftwerken vermehrt "Kohle, Erdöl und Dieselöl" zu verbrennen, was teurer kommt und mehr Schadstoffe produziert. Gedacht sei auch an den Import von Flüssiggas auf dem Seeweg. Vor Israels Küste wurden zwar zwei weitere große Erdgasvorkommen entdeckt, deren Erschließung wird aber noch Jahre dauern.

Zugleich sah man in Israel aber keine unmittelbare Gefahr für den Frieden mit dem größten Nachbarland. "Es ist sehr wichtig, das Friedensabkommen mit Ägypten zu bewahren" , sagte Landau, "und der Vertrag über die Gaslieferung ist der wichtigste Wirtschaftsvertrag zwischen uns und den Ägyptern, wodurch der Frieden auch auf Wirtschaftsinteressen basiert."

Es hieß, der Anschlag, der auch den Erdgasfluss nach Jordanien unterbrach, habe sich vielleicht gar nicht gegen Israel gerichtet, sondern gegen die Autorität der Behörden in Kairo, die im Sinai einen Dauerkrieg gegen kriminelle Beduinenbanden führen.

Der 2005 unterschriebene Erdgasvertrag mit den unbeliebten Israelis war in Ägypten immer wieder kritisiert worden. Zuletzt hat der Staatsanwalt Ex-Präsident Hosni Mubarak wegen Vorwürfen befragt, wonach Israel Bestechungsgelder bezahlt und dafür einen günstigen Lieferpreis bekommen habe. Die Israelis versichern, dass sie den marktüblichen Preis bezahlen. (Ben Segenreich aus Tel Aviv/DER STANDARD, Printausgabe, 28.4.2011)

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    (Ben Segenreich aus Tel Aviv/DER STANDARD, Printausgabe, 28.4.2011)

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