Noch ein Mal liegt Neapel an der Salzach

27. April 2011, 17:42
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"Das große Finale" - Riccardo Mutis fünftes und letztes Programm für die Salzburger Pfingstfestspiele

 

Salzburg - Drei Jahre waren zunächst geplant, schließlich wurden es jedoch fünf - jene Ausgaben der Salzburger Pfingstfestspiele, die sich unter der Ägide von Dirigent Riccardo Muti der großen musikalischen Tradition Neapels widmeten.

Von Beginn an verschwieg das Motto "Neapel - Metropole der Erinnerung" keineswegs, dass es dabei um eine retrospektive Perspektive gehen würde - konkret um die Neapolitanische Schule des 18. Jahrhunderts, die zwar in allen Lehrbüchern zur Musikgeschichte einige Seiten füllt, aber ansonsten hierzulande allenfalls nur punktuell bekannt ist.

Aber was heißt denn eigentlich hierzulande! Denn selbst in der Heimatstadt des Maestros schlummert noch manches aus der eigenen Geschichte im Verborgenen. Am hiesigen Konservatorium studierte Riccardo Muti einst Klavier und Komposition, hier machte er seine ersten Dirigierversuche.

Hier atmete er, wovon auch seine neue Autobiografie Prima la musica, poi le parole erzählt, nichts weniger als einen "neapolitanischen Geist", der ihn für seine gesamte Karriere prägen sollte. Und hier lagern in den Räumen der Ausbildungsstätte noch immer Berge von Noten aus dem 18. Jahrhundert und darüber hinaus. Teils sind sie noch immer ungesichtet.

"Material für 100 Spielzeiten" ortet Riccardo Muti denn auch in diesen Musikbeständen. Immerhin: Die reichen Schätze aus den Bereichen Opern und geistlicher Musik, welche er in den letzten Jahren präsentierte, waren weit mehr als musikgeschichtliche Fußnoten. Publikum (und weite Teile der Kritik) wussten ihm Werkauswahl und Programmzusammenstellung zu danken.

Muti beruft sich auf die Überlieferung einer seit Jahrhunderten lebendigen neapolitanischen Spieltradition, um sie einem "philologischen" Musizieren - gemeint ist natürlich die historische Aufführungspraxis - gegenüberzustellen. Es ist das von ihm gegründete Jugendorchester Luigi Cherubini, an welches Riccardo Muti diese Tradition zuvorderst weitergeben möchte.

Auch andere Ansätze

Auch in diesem letzten Neapel gewidmeten Jahr in Salzburg bilden wieder eine Opernproduktion und auch ein geistliches Werk die großen, von Riccardo Muti dirigierten Eckpfeiler der Pfingstfestspiele. (Dort, wo andere Dirigenten und Ensembles engagiert sind, wird bei Riccardo Mutis Festival übrigens durchaus auch anderen interpretatorischen Ansätzen gehuldigt).

Beide Produktionen werden vom Cherubini Orchester gespielt, sowohl jene Saverio-Mercadante-Oper, die mit Mozarts Figaros Hochzeit die Personage teilt, als auch jenes Requiem, das von Ludwig van Beethoven oder Robert Schumann wie kein anderes ihrer Zeit geschätzt wurde: Luigi Cherubinis c-Moll-Werk bildet auch das Eröffnungskonzert der neuen Felsenreitschule.

Auch wenn es verklungen sein wird: Die "Metropole der Erinnerung" wird sicher noch Jahre in Erinnerung bleiben. (Daniel Ender/ DER STANDARD, Printausgabe, 28.4.2011)

Saverio Mercadante, "I due Figaro", 10. und 12. 6., 19.30, Haus für Mozart; Luigi Cherubini, Requiem c-Moll, 13. 6., 11.00, Felsenreitschule

  • Daniel Biancos Bühnenentwurf zu Mercadantes "I due Figaro".
    foto: festspiele

    Daniel Biancos Bühnenentwurf zu Mercadantes "I due Figaro".

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