Fukushima

Regierung spielte Strahlung herunter

Martin Kölling aus Tokio, 27. April 2011, 17:45
  • Artikelbild
    foto: reuters/toru yamanaka

    Kaiser Akihito (links) und Kaiserin Michiko (Zweite von links) beten auf dem einstigen Spielplatz einer Grundschule für die Opfer des Tsunamis und des Erdbebens.

Japans Regierung redete das Ausmaß der Katastrophe von Fukushima mehrere Wochen lang klein. Offiziell, weil es an genauen Daten mangelte - tatsächlich sollte so Panik vermieden werden.

Japans Regierung hat wider bessere Einschätzung vier Wochen lang das Ausmaß der Atomkatastrophe von Fukushima heruntergespielt. Dies verriet Goshi Hosono, als Sonderberater von Ministerpräsident Naoto Kan der oberste Krisenmanager beim Atomunfall, am Mittwoch in Tokio. Die Regierung sei von Anfang an davon ausgegangen, dass aus den Meilern genügend Radioaktivität entwichen sei, um eine Einstufung auf der höchsten Stufe 7 der internationalen Skala für Atomunfälle zu rechtfertigen, und nicht wie im Falle der ersten Einstufungen auf Niveau 4 und 5.

Gleichzeitig sei sie sich sicher gewesen, die Reaktoren unter Kontrolle zu haben: "Es ist eine kontrollierte Stufe 7." Eine dramatische Verschlechterung der Situation erwartet der Berater nicht mehr. Es gebe zwar noch Unwägbarkeiten, "aber wir werden in der Lage sein, auf alle Risiken zu antworten", sagte Hosono, "wir werden die Evakuierungszone nicht weiter ausdehnen müssen."

Es ist das erste Mal, dass ein Mitglied der japanischen Führung die Verschleierung des wahren Ausmaßes der Atomkatastrophe eingesteht. Ein Grund dafür dürfte der Versuch gewesen zu sein, Panik zu vermeiden: "Wir haben natürlich immer sichergestellt, eine Lage herzustellen, die es den Menschen erlaubt, ruhig zu reagieren".

Staus und Benzinengpässe als offizielle Begründung

Darüber hinaus führte er auch die offizielle Begründung an, der zufolge die Regierung in der ersten Woche keine Messdaten über die Radioaktivität zur Verfügung gehabt habe: Alle bis auf eine Messstation seien durch Beben und Tsunami zerstört oder beschädigt worden. Die Entsendung mobiler Messstationen sei an Staus und Benzinengpässen gescheitert. Erstaunlich: Journalisten schafften es sehr wohl, ins Katastrophengebiet zu gelangen.

Die Regierung, so Hosono weiter, konnte also die ausgetretene Radioaktivität anhand der Zerstörung und späterer Messungen bloß errechnen. Erst als dieses Ergebnis Anfang April vorlag, habe die Atomaufsicht genügend Daten zur Hand gehabt, die Bewertung anzuheben.

Am Mittwoch besuchte Japans Kaiserpaar erstmals die durch den Tsunami zerstörte Nordostküste des Landes. Kaiser Akihito verbeugte sich dabei auf einem Luftwaffenstützpunkt auf der Hauptinsel Honshu vor Rettungs- und Hilfskräften des Militärs.

Anschließend reiste er mit Kaiserin Michiko in die stark zerstörte Küstenstadt Minamisanriku. Danach stand ein Besuch des Kaiserpaares in einer der Massen- und Notunterkünfte in der Stadt Sendai am Programm. (Martin Kölling aus Tokio, DER STANDARD; Printausgabe, 28.4.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 90
1 2 3
Tarantulla
00
Das glaubt aber niemand mehr

Seit es Online-Geigerzähler gibt, ist die Welt informiert - wenn man's weiß.
http://www.doppelklicker.de/Webcams_u... 788.0.html

Waish 242
01
28.4.2011, 17:32
SURPRISE ;)

Der elegante Herr von nebenan
 
30
28.4.2011, 15:56
Also mal ehrlich

Wenn ich mir die Strahlenmesswerte von Greenpeace (!) ansehe, kann ich keine Verstrahlung erkennen die eine Panikreaktion rechtfertigen müsste.

Marlon62
00
Dann sollten Sie dort Ihren Sommerurlaub verbringen

Herrlicher Strand, absolut nicht überlaufen und jede Menge Gemüse auf den Feldern zur freien Entnahme. Auch Tiere laufen dort jede Menge herum, die nur darauf warten, von Ihnen geschlachtet und auf den Grill gelegt zu werden.

yokozuna
00
28.4.2011, 15:43
Es wäre schön, wenn ihr an einer Unterschriftaktionen teilnehmen könnten

Es gibt aber Unterschriftsform nur auf Japanisch.

Es wäre schön, wenn ihr an einer Unterschriftaktionen teilnehmen könnten
Näheres dazu im folgenden Artikel von Spiegel Online:
Japan legt hohe Strahlengrenzwerte für Kinder fest
http://www.spiegel.de/wissensch... 10,00.html

Wenn jemand zufällig Japanisch versteht, bitte unterschreiben!
https://spreadsheets.google.com/viewform?... c6MQ#gid=0

mothership connection
00
28.4.2011, 14:34
Oh, wer hätte das gedacht!

Aber jetzt werden wir ja vollumfänglich und korrekt informiert, also ist ja alles gut. Da bin ich mir ganz sicher!

no_milk_today
00
28.4.2011, 13:43

http://www3.nhk.or.jp/daily/eng... 27_16.html
The firm says robots on Tuesday detected radiation levels of up to 1,120 millisieverts per hour inside the No.1 reactor building.

Ritzi
 
03
28.4.2011, 13:41
Ich wär echt dafür einen neuen Award zu vergeben:

Die Dümmsten Politikerausreden des Jahres (Pressesprecher und Berater würde ich da auch noch mit reinnehmen)! Die könnte man dann an einem Abend im Fernsehen zeigen, wär sicher eine tolle Unterhaltungsschow!

Wenn wir heuer damit anfangen wären da einige Vertreter von Japan sicher ganz vorne dabei! Meinen Persönlichen Favoriten habe ich schon gefunden: "Die Entsendung mobiler Messstationen sei an Staus und Benzinengpässen gescheitert. " - über Wochen ;-)

Was sind eure heurigen Favoriten? Mach ma a kurzes Brainstorming?

Wappen hea
00
28.4.2011, 17:37

"Geht's der Wirtschaft gut, get's uns allen gut." Kommt von der Wirtschaftskammer.

oder die "Angriffe auf Italien", die Berlusconi jedesmal vorschiebt, wenn wieder eine Kinderverzahrergeschichte über/gegen ihn auftaucht.

Oder "Gemeinsame Bemühungen um Fortschritt im Land", womit sich Grinsekatze und der blade Bepi immer selbst beiweihräuchtert haben. Strukturreform? Bitte warten!

Oder "die absolute Offenlegung aller Einkünfte der Mandatare in der FPÖ, ohne Wenn und Aber", die der Grökatz zu oft beschworen hat - freilich bevor jemand von Vermögen im Ausland wußte.

... all dies und der Rest sind zu viele und es ist zu traurig, um drüber zu lachen.

Getier
08
28.4.2011, 13:51

google ceo:
wenn jemand nicht will das sein haus mit street-view fotografiert wird dann soll er doch wo anders hinziehen.

Ritzi
 
00
28.4.2011, 14:00

Der ist super! Grün! Grün! Grün!

David W1
00
28.4.2011, 13:35
EU

es wird in europa nicht anders sein ,...

Kang & Kodos
01
28.4.2011, 13:06
So eine Überraschung!

Wer hätte das gedacht...

Lilith Boessse
 
08
28.4.2011, 12:13
"Es ist eine kontrollierte Stufe 7"

ist das nicht irgendwie ein widerspruch?

Roter Baron
00
28.4.2011, 13:01

ist hier etwa weibsvolk anwesend ?
nein neiiin neiun neun....
(zitat monty pythons)

cash cow1
08
28.4.2011, 11:28
Kommunikationspolitik wie Anno 1986 zu SU Zeiten,

Roter Baron
14
28.4.2011, 13:00

stimmt
somit steht fest
im kapitalismus gibts genauso wenig menschen mit verantwortung. der einzige unterschied ist, im kapitalismus darf man dafür noch extra bezahlen.

roter baron

Gerhard Grabner
04
28.4.2011, 11:25
Hauptsache alle bleiben ruhig...

...und lassen sich in Ruhe verstrahlen!

kerihuelo
09
28.4.2011, 10:30

interessant in diesem zusammenhang finde ich, dass bei allen bisherigen atom unfällen das ganze ausmaß erst jahre später bekannt wurde - egal ob osten oder westen ...

Der junge Jim Kirk
10
28.4.2011, 12:06

Das haben atomunfälle halt so an sich.

nbergmann
08
28.4.2011, 09:49
die japaner ignorieren die gefahren

deshalb setzten sie auch voll auf atomkraft, deshalb missachteten sie die sicherheitsvorschriften, deshalb verlängerten sie die laufzeiten...eine hörige bevölkerung, muss dann auch die konsequenzen tragen... wir sollten überdies die japaner noch für verunreinigung des meeres und der luft klagen!

sir osis of liver
 
01
28.4.2011, 11:06

das hat die regierung unter merkel in deutschland vor fukushima aber auch gemacht.

parapente
03
28.4.2011, 09:48
Regierung spielte Strahlung herunter

Frei nach "Mundl": Eh klar!

Roter Baron
05
28.4.2011, 09:19
>eine kontrollierte Stufe 7<

herrlich naiv

roter baron

HTK
31
28.4.2011, 11:27

Gute Selbsteinschätzung.

Arthur Roy Brown

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 90
1 2 3

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.