Obama drängt Ölförder­län­der zu höherer Produktion

27. April 2011, 17:24
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Erstmals seit der Benzinkrise in den USA, die in den vergangenen Wochen mit einem starken Anstieg der Spritpreise einhergegangen ist, hat US-Präsident Barack Obama Gespräche mit Ölförderländern zugegeben

Washington - Angesichts steigender Treibstoffpreise hat US-Präsident Barack Obama die Ölexportländer zu einer höheren Rohölproduktion aufgefordert. "Wir sprechen viel mit den großen Förderländern wie Saudi-Arabien" , sagte Obama Dienstagabend im US-Fernsehen. Diese müssten die Ölproduktion hochschrauben, um den Preisanstieg zu bremsen. Schließlich sei es auch im Interesse dieser Länder, dass die Weltwirtschaft nicht durch zu hohe Ölpreise ausgebremst werde.

Zugleich wolle die US-Regierung die Ölförderung innerhalb des Landes stimulieren, um den Preisgalopp zu stoppen, sagte Obama.

Der US-Präsident suchte mit seinem Vorstoß aber auch dem Ärger in der eigenen Bevölkerung über die hohen Spritkosten zu begegnen. Er räumte ein, dass der Öl- und Benzinpreisanstieg zum Teil vom Einsatz in Libyen stimuliert wurde. Die Situation in diesem Land könne sich aber nicht radikal auf den Zustand des Marktes auswirken, meinte er, weil auf Libyen "nur rund zwei Prozent des Öls auf dem Weltmarkt" entfallen.

Im Laufe des seit dem Beginn des Libyen-Einsatzes verstrichenen Monats stieg der durchschnittliche Preis für eine Gallone (rund 3,8 Liter) Benzin in den USA von 3,8 auf 4,3 Dollar (78 Eurocent je Liter). Ende der Vorwoche kündigte Obama die Bildung einer speziellen Kommission beim Justizministerium an, die die Ursachen des Preisanstiegs untersuchen und nach Anzeichen für eventuelle Spekulationsaffären auf dem Binnenmarkt suchen soll.

Ölpreise steigen weiter

Indes wirkt sich die "Benzinkrise" auf die Beliebtheitswerte von Präsident Obama aus, der Anfang April seine Wiederwahlkampagne gestartet hat. Laut einer CNN-Umfrage sehen die Amerikaner einen Zusammenhang zwischen der Situation in Libyen und den Benzinpreisen. Obama habe sich nach ihrer Ansicht weder als ein Präsident gezeigt, der die "Benzinkrise" meistern kann, noch als ein weiser Spitzenpolitiker, der eine Teilnahme der USA an einem neuen Krieg zu verhindern vermocht hat. Ende vergangener Woche bekundeten 45 Prozent der Befragten ihr Vertrauen gegenüber Obama - Mitte Jänner sind es noch 52 Prozent gewesen. 48 Prozent misstrauen dem Präsidenten. Rund 70 Prozent sind der Ansicht, das Land bewege sich in eine falsche Richtung.

Mittwochnachmittag befanden sich die internationalen Rohölpreise nach einer kurzen Schwächephase wieder im Aufwind. Trotz höherer Lagerbestände in den USA kostete ein Fass (159 Liter) der Ölsorte West Texas Intermediate (WTI) zur Auslieferung im Juni 112,64 Dollar und damit 0,38 Prozent mehr als am Dienstag. Der Future auf ein Fass der Nordseesorte Brent wurde mit 124,52 Dollar gehandelt. (Reuters, stro, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28.4.2011)

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    An vielen Zapfsäulen in den USA hat der Spritpreis die magische Vier-Dollar-Marke je Gallone (rund 3,8 Liter) übersprungen.

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