Vom Schlagen und Streichen

27. April 2011, 17:32
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Konzerthaus: Das Klangforum mit "Transgressionen"

 

Wien - Es ist und bleibt unzulässig, von der äußeren Erscheinung von Künstlern auf ihre Kunst zu schließen. Aber: Von so auffälliger Unterschiedlichkeit wie jene drei Komponisten, die da am Dienstag jeweils nach ihrer Musik das Podium des Mozart-Saals erklommen, ist auch ihre Musik.

Transgressionen nannte das Klangforum Wien sein von Johannes Kalitzke wie stets makellos dirigiertes Abo-Konzert. Die von Beat Furrer, Jorge E. López und Peter Ruzicka vorgenommenen "Überschreitungen" zeigten jedenfalls eines: dass das Gebiet der zeitgenössischen Musik nach vielen Richtungen offen ist, Entgrenzungen in unbegrenzter Weise nach wie vor möglich erscheinen.

Da war einmal der feinnervige Umgang mit dem Klang in Furrers Xenos III mit seinem ins Fell der Pauke gesprochenen Text von Händl Klaus. Die Streicher geben auf doppelte Weise Resonanz: indem sie für einen flirrenden Hintergrund sorgen und indem sie die Stimme des Solisten (Lukas Schiske) schimmernd umhüllen.

Wäre hier das sorgsame Streichen über die Instrumente, das haptische Erkunden ihrer Oberfläche und das behutsame Eindringen in die Klänge der grundlegende Gestus, dann wäre der fundamentale Impuls bei López' Stück Das Auge des Schweigens das Schlagen: bisweilen so brutal, dass sich selbst die MusikerInnen die Ohren zuhalten, zuweilen auch grotesk und komisch.

Die Gegenwelt dazu bildet bei López ein dunkler, mäandernder Klangstrom, der unaufhaltsam der Leere weicht. Weder solche Extreme noch Furrers Fragilität brachte Ruzickas Trans: Diese Reise durch bekannte Klangbezirke Neuer Musik ist voller Allusionen an die Tradition - auch das eine Form der Entgrenzung. (Daniel Ender/ DER STANDARD, Printausgabe, 28.4.2011)

Ö1-Übertragung: 30. 5., 23.03

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