"Das Labyrinth der Wörter": Leseratten und Tanzmäuse

27. April 2011, 18:16
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Gérard Depardieu und Gisèle Casadesus in "Das Labyrinth der Wörter" - und die weiteren Filmstarts der Woche

Auf stets derselben Parkbank treffen sie sich wie zwei Verliebte: Germain (Gérard Depardieu), herzensguter Gelegenheitsarbeiter, der sich mit Lesen und Schreiben schwer tut, und Margueritte (Gisèle Casadesus), zierliches Fräulein in hohem Alter, das in der Literatur eine Heimstatt gefunden hat. Dies will sie teilen - ihre neue Bekanntschaft verführt sie mit dem Vorlesen von Albert Camus' Die Pest.

Das Labyrinth der Wörter/ La tête en friche, der neue Film des 72-jährigen Franzosen Jean Becker, wirkt wie aus einer anderen Zeit (und bedient damit ein im Durchschnitt immer älter werdendes Arthouse-Publikum): Mit Zuneigung für die kauzigen Charaktere der Provinz erzählt er von einer platonischen Liebe, die sich erfreulicherweise selbst genügt.

Aus der Liebe zur Literatur wird kein bildungsbürgerlicher Auftrag, und der ein wenig tumbe Germain, der nicht von ungefähr an Depardieus Obelix erinnert, darf auch so bleiben. Die Attraktion des im letzten Drittel dramatisch allzu forcierten Films ist die 95-jährige Casadesus, eine Actrice der Comédie-Française, die mit dieser Rolle in Frankreich zum Star avancierte.

Weiters starten der österreichische Krimi Brand mit Josef Bierbichler, das Fantasy-Spektakel Thor, Wasser für die Elefanten mit Christoph Waltz  sowie Frederick Wisemans Dokumentarfilm La Danse, das Mutter-Sohn-Drama Miss Kicki, Fast & Furious Five und die Regenwald-Doku Yasuni. (kam/ DER STANDARD, Printausgabe, 28.4.2011)

  • Gisèle Casadesus führt Gérard Depardieu durch "Das Labyrinth der Wörter"
    foto: filmladen

    Gisèle Casadesus führt Gérard Depardieu durch "Das Labyrinth der Wörter"

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