Zwischen Döner, Bratwurst und Veggie-Burger

27. April 2011, 14:27
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Während manche Jugendliche auf gesunde Ernährung schwören, boomt die Junkfood-Industrie

Wien - Montagnachmittag am Schwedenplatz. Eine Vielzahl an Fastfood-Buden reiht sich aneinander und lockt mit bunten Reklamen. Eingehüllt in eine würzige Geruchsmischung aus fettiger Bratwurst, Döner Kebab und Pizza, genießen Hungrige aller Altersklassen - sowohl Einheimische als auch Touristen - ihren Snack auf den zwischen den Ständen verstreuten Bänken.

Andere schlendern bereits mit tropfenden Eistüten über den belebten Platz, der aufgrund seiner zentralen Lage besonders für Jugendliche einen beliebten Treffpunkt darstellt. Junkfood nimmt im Alltag der Jugendlichen eine immer größere Rolle ein - der Schwedenplatz scheint diese Esskultur widerzuspiegeln. Gleichzeitig erlebt der Vegetarismus einen "Hype". Doch welchen Stellenwert hat bewusste Ernährung im Leben der jungen Leute?

Die Schülerinnen Denise und Denise, beide 15, haben sich für Happy Noodles entschieden. Worauf sie bei ihrer Entscheidung geachtet haben? "Dass es nicht zu teuer ist", geben die Mädchen zu. Deshalb bevorzugen sie unterwegs auch McDonald's oder eine Semmel vom Billa - gesunde Ernährung sowie die Herkunft ihrer Produkte spielen dabei kaum eine Rolle. Grundsätzlich essen sie jedoch meistens zu Hause, vor allem das Sonntagsfrühstück ist ein fester Bestandteil in der Familie.

Junkfood - what else?

"Ich achte schon darauf, dass es Bio ist", überlegt Virginia, 16, und streicht ihre Dreadlocks zurecht. Sie legt auch Wert auf Fairtrade, Regionalität und artgerechte Tierhaltung. Zu Hause isst sie üblicherweise im Kreis der Familie. Bei McDonald's kehrt Virginia nur selten ein, und auch für Tiefkühlkost lässt sie sich nicht begeistern. Vegetarismus findet sie cool: "Ich glaube aber, dass viele nur aus modischen Gründen auf Fleisch verzichten und dann aus mangelnder Überzeugung bald wieder davon ablassen. Aber ich find's cool, dass sie sich's überlegen und darüber nachdenken." Sie selbst hat den Versuch, kein Fleisch zu konsumieren, nach einem Monat wieder abgebrochen.

Hinzu stößt ihre Freundin Hannah. Für die 15-Jährige sind geregelte Mahlzeiten wichtig. Auch sie bemüht sich, ihre Ernährung ausgewogen und gesund zu gestalten. In den Schulpausen greift sie aber doch manchmal zu Asia, Pizza & Co, "weil es sonst nichts gibt, das schnell geht". Bei der Wahl ihrer Produkte hat sie ein Auge auf die Qualität: "Zum Beispiel den Orangensaft, den gibt's ja Bio und Fairtrade", bekräftigt sie und lacht. Auch Freilandhaltung ist ein wichtiges Kriterium für sie.

Dass es besonders für Teenager wichtig sei, auf ausgewogene Ernährung zu achten, weiß Ibrahim Elmadfa, Ernährungswissenschafter an der Uni Wien. Der aktuellste Österreichische Ernährungsbericht aus dem Jahr 2008 verzeichnet 19 Prozent übergewichtige Kinder und Jugendliche zwischen sechs und 15 Jahren - Tendenz steigend. "Das, was wir präferieren und essen, lernen Kinder von ihren Eltern. Später kommt der Einfluss der Clique dazu. Jugendliche essen vermehrt unterwegs, meist sehr hastig, und sie suchen primär die Kommunikation - das Essen ist nur sekundär. Fastfood-Restaurants sind ein Teil dieser neuen, modernen Esskultur und gewinnen an sozialem Stellenwert", erklärt Elmadfa, wenngleich er einräumt, dass Fastfood nicht so ungesund sei, wie immer behauptet werde. "Es kommt auf die Portion an und das, was man über den Tag verteilt isst. Die Folgen einer Fehlernährung spürt man leider oft erst, wenn es zu spät ist." Gerade in dieser Phase sei es wichtig, dass die Erziehung weitergehe und Jugendliche auf Vorbilder zurückgreifen könnten, meint Elmadfa.

Während der blonde 18-jährige Christian lässig mit seiner Sonnenbrille neben dem Eissalon auf seine Freunde wartet, erzählt er, dass für ihn gesunde Ernährung nicht so wichtig ist. Wenn es schnell gehen muss, greift er regelmäßig zur Tiefkühlpizza, und auch nach dem "Fortgehen" schaut er gerne bei McDonald's oder Happy Noodles vorbei. Wenn er einkaufen geht, achtet er weniger auf die Herkunft der Produkte, kauft dafür aber gerne Fairtrade-Kaffee. "An den Wochenenden genieße ich aber die Zeit beim Essen mit meinen Eltern."

Seine Schulkollegin Sabine, die sich gerade ein Eis geholt hat, meint, dass für sie gesunde Ernährung einen wichtigeren Stellenwert hat, "da ein bisschen Obst schon am Tagesplan steht". Von der eigenen Landwirtschaft der Familie ist sie es gewohnt, hauseigene Produkte wie Fleisch oder Eier zu essen. Deshalb achtet Sabine auch darauf, regionale Güter zu kaufen. Auf die Frage, was sie von dem Trend, vegetarisch zu leben, hält, antwortet die Hotelfachschülerin: "Fleisch gehört dazu, es ist wichtig und auch gesund."

Elmadfa stimmt dem zu: "Erwachsenen bereitet fleischlose Ernährung keine Probleme. Bei Kindern und Jugendlichen muss man sich aber fragen, ob ein triftiger Grund für eine vegetarische Ernährung vorliegt. Denn es kommt fast immer zu starkem Eisenmangel, den man ausgleichen muss."
Der innere Schweinehund

Etwas entfernt hat es sich eine Gruppe slowenischer Studenten gemütlich gemacht. "Ich habe heute zwei Sandwiches, einen Apfel und jetzt diese Pizza gegessen", erzählt Micha und verdrückt sein letztes Stück. Normalerweise versucht der 22-Jährige Fastfood zu vermeiden und achtet darauf, viel Obst und Gemüse zu essen. Auf Fleisch zu verzichten könnte er sich nicht vorstellen: "Ich würde es zwar gern probieren, aber ich weiß, dass mir dazu die Selbstdisziplin fehlt." Er lacht und fügt hinzu: "If I wasn't so 'meathungry'". (Lisa Aigner, Mara Amadori, Sarah Brait, Desiree Egger, Sophia Lehne, SCHÜLERSTANDARD, Print-Ausgabe, 27.4.2011)

  • Für Hannah und Virginia  geht die Qualität vor. Bewusste Ernährung ist für sie ein wichtiges Thema, und Fastfood kommt bei ihnen nur selten auf den Tisch.
    foto: standard/lehner/aigner

    Für Hannah und Virginia  geht die Qualität vor. Bewusste Ernährung ist für sie ein wichtiges Thema, und Fastfood kommt bei ihnen nur selten auf den Tisch.

  • Christian und Sabine gehen die Ernährungsfrage lockerer an: 
Gegen eine Tiefkühlpizza hin und wieder haben sie nichts einzuwenden.
    foto: standard/lehner/aigner

    Christian und Sabine gehen die Ernährungsfrage lockerer an: Gegen eine Tiefkühlpizza hin und wieder haben sie nichts einzuwenden.

  • Die Schülerinnen Denise und Denise, beide 15, haben sich für Happy Noodles entschieden.
    foto: standard/lehner/aigner

    Die Schülerinnen Denise und Denise, beide 15, haben sich für Happy Noodles entschieden.

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