Prozess um Schwindel-Behauptung bei Matura von Ex-Justizminister

27. April 2011, 14:03
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"Kurier" hatte Kurzzeit-Minister unterstellt, er habe sich Reifeprüfungszeugnis "erschwindelt" - Tageszeitung wurde Gegendarstellung aufgetragen

Wien - Im Wiener Straflandesgericht hat am Mittwoch ein Prozess um das Maturazeugnis von Ex-Justizminister Michael Krüger stattgefunden. Der "Kurier" hatte im vergangenen Februar berichtet, der Kurzzeit-Minister, der im Februar 2000 für 25 Tage im Amt war, habe freizügig über "seine erschwindelte Matura" gesprochen. "Das ist ein völliger Holler", empörte sich der mittlerweile aus der FPÖ ausgetretene Ex-Politiker und Rechtsanwalt im Grauen Haus.

Richter Gerald Wagner leistete der Klage Krügers Folge und trug der Tageszeitung eine Gegendarstellung gemäß §14 Mediengesetz auf. Zudem muss der "Kurier" dem Juristen die Prozesskosten ersetzen. Die Entscheidung ist nicht rechtskräftig.

Bestehen der Mathe-Matura war "Überraschung"

"Mich hat die Schule nie interessiert. Ich hab' mir trotzdem die Matura recht hart erkämpft. Ich bin extra in einen Maturavorbereitungskurs für Latein gegangen", erinnerte sich Krüger in seiner Zeugeneinvernahme. Er räumte ein, durchaus "überrascht" gewesen zu sein, in Mathematik bestanden zu haben, doch sei dabei alles mit rechten Dingen zugegangen.

"Geschenkt" oder "Irrtümlich zuerkannt"

Sein Jugendfreund, der Journalist und Kabarettist Dieter Chmelar, behauptete im Anschluss, Krüger habe in der Vergangenheit damit "geprahlt", bei der Reifeprüfung "Hilfsmittel" verwendet zu haben: "Ich kann beschwören, dass wir uns gerne in der Öffentlichkeit damit gerühmt haben." Er sei allerdings nicht persönlich dabei gewesen, als Krüger für reif erklärt wurde, und könne daher nicht beurteilen, ob dieser die Matura "geschenkt" oder "irrtümlich zuerkannt" bekommen habe.

Das Nachrichtenmagazin "profil" hatte Ende Februar 2000 ein Gespräch mit Krüger und Chmelar veröffentlicht, in Folge dessen der Minister seinen Hut nahm bzw. nehmen musste. Offiziell wurde Krügers Ablöse mit gesundheitlichen Problemen begründet. "Gemeinsam hatten sie die Schule geschwänzt, heruntergekommene Substandardzimmer geteilt und schließlich die Abendmatura beim Dr. Roland in der Westbahnstraße erschwindelt, wozu beide stehen", schrieb "profil" seinerzeit.

Krüger will sich "haltlose Unterstellungen" nicht gefallen lassen

Dass er vor elf Jahren nicht gerichtlich gegen das Magazin vorgegangen war, erklärte Krüger nun damit, es sei ihm damals "sehr, sehr schlecht gegangen". Jetzt wolle er sich derart haltlose Unterstellungen nicht mehr gefallen lassen.

"Es ist nicht gelungen, den Beweis des Schwindels zu erbringen. Es ist nicht dasselbe, ob man sich die Matura erschwindelt oder ob man sie mit Glück bestanden hat", stellte der Richter am Ende der heutigen Verhandlung fest. Die Rechtsvertreterin des "Kurier" erbat sich Bedenkzeit, um allenfalls gegen das Urteil zu berufen. (APA)

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