Textilhersteller gegen "Made in ..."

27. April 2011, 13:53
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Enormer administrativer Aufwand - - Branche kämpft mit steigenden Rohstoffkosten und höherem Lohnniveau in China

Wien - Steirerhut "Made in Himalaya", "Made in Austria" oder doch "Made in Spanien"? Zwar wird der bekannte Kopfschmuck in der Steiermark um sein Markenzeichen, den Gamsbart, veredelt, produziert wird der Hut aber großteils im Himalaya, das grüne Band kommt meist aus Spanien. "Ein Produkt besteht aus vielen Einzelkomponenten, die aus verschiedenen Ländern kommen. Die Made in ...-Kennzeichnung ist keine sinnvolle Konsumenteninformation", findet Reinhard Backhausen, Obmann des Fachverbandes der Textil-, Bekleidungs-, Schuh- und Lederindustrie (TBSL) in der Wirtschaftskammer. Die Textil- und Bekleidungshersteller sind gegen die verpflichtende Einführung einer "Made in ..."-Etikettierung, vor allem aufgrund des enormen administrativen Aufwandes.

Anders als bei Lebensmitteln, wo die Herkunftsbezeichnung immer wichtiger wird, sei es den Konsumenten bei Bekleidung und Textilien egal, woher sie kommen, glaubt der Vorsitzende der Berufsgruppe Bekleidungsindustrie, Wolfgang Sima. "Manche Produkte kommen aus sieben oder acht Ländern, wer soll da noch den Überblick behalten und das alles kontrollieren?"

Kritik an Ausschreibepraxis

Kritik übten die Branchenvertreter auch an der europäischen Ausschreibepraxis, die asiatische Billiganbieter bevorzugen würden und zu wenig auf europäische Produkte schauen. "Wir können es uns nicht leisten, dass alle Produkte aus Asien kommen, sonst verhungert unsere Industrie", sagte Backhausen. Zwar ist China nach wie vor eines der Hauptproduktionsländer für die Textil-, Bekleidungs- und Schuhindustrie, seit das Lohnniveau dort aber zunehmend steigt, führen viele Produzenten die Produktion wieder zurück nach Europa, insbesondere nach Osteuropa.

Obwohl die Bekleidungs- und Textilindustrie die Krise fast überwunden hat und für 2010 steigende Umsätze und Beschäftigtenzahlen vorweisen kann, weht der Branche ein rauer Wind entgegen. Die allgemeine Verteuerung der Rohstoffe macht den Herstellern zu schaffen. "Die Steigerung hat mittlerweile solche Dimensionen angenommen, dass jetzt der Punkt erreicht ist, wo man nur noch erhöhen kann", so Backhausen. Der Rohbaumwollpreis habe sich verdreifacht und auch bei anderen Materialien wie Wolle, Polyester oder Seide seien die Preise stark gestiegen. Konsumenten müssen sich im Textilbereich auf Preiserhöhungen im zweistelligen Bereich einstellen, bei Bekleidung heißt es zwischen 3,5 Prozent bis zweistellig mehr berappen. "Wir sind gerade am Durchtauchen durch die Krise und können uns nicht ein neues Problem aufhalsen", meinte Sima.

Die in Summe 550 Unternehmen der Textil-, Bekleidungs-, Schuh- und Lederindustrie haben im vergangenen Jahr mit über 24.100 Beschäftigten 4 Mrd. Euro umgesetzt. Der Exportanteil lag, je nach Branche, zwischen 75 und 90 Prozent. Die Textilindustrie, bestehend aus Bekleidungs-, Heim- sowie technischen Textilien, erwirtschaftete 2,28 Mrd. Euro, das war ein Plus von 11 Prozent gegenüber 2009. "Besorgter Optimismus" herrscht dagegen bei den industriellen Wäschereien. "Die Krise ist noch nicht überwunden", sagte Vorsitzender Josef Dutter. Kostensteigerungen und eine bevorstehende Lohnrunde erschweren der Branche den Aufschwung. Langfristige Verträge mit Hotels und Gastronomiebetrieben würden es fast unmöglich machen, die explodierenden Kosten weiterzugeben. Dutter rechnet mit einer weiteren Konsolidierung, einige Betriebe würden dabei wohl auf der Strecke bleiben. (APA)

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