Mehr Benzinbetrieb oder mehr Stromverbrauch

27. April 2011, 17:04

Antwort gefragt: Range Extender versus Plug-in-Hybrid

Wie einfach wäre es doch, wenn man bloß ein Benzin- oder Dieselaggregat hernehmen müsste, um damit Strom zu erzeugen und dann elektrisch zu fahren. Diese naheliegende und anscheinend simple Methode wird deshalb auch schon lange angewendet, beispielsweise bei dieselelektrischen Lokomotiven oder bei Spezial-Muldenkippern im Tagbau.

Dort hat das ganz spezifische Gründe: Die extrem hohen Antriebsleistungen und damit Drehmomente (z. B. Liebherr Großmuldenkipper T282: 237 Tonnen Leergewicht, 463 Tonnen Zuladung, 3650 PS) sind getriebetechnisch nicht mehr vernünftig re-alisierbar. Der Umweg über den schlechten Wirkungsgrad der Stromerzeugung macht trotzdem oder gerade deshalb Sinn: Durch die extrem hohe Nutzlast des Gesamtsystems ist der Verbrauch pro beförderter Tonne doch recht günstig. Das Gleiche gilt im Wesentlichen für Lokomotiven.

Im Falle des Pkws erscheint es nun nicht sehr sinnvoll, mit einem Verbrennungsmotor mit bekannt schlechtem Wirkungsgrad auch noch verlustreich Strom zu erzeugen und dann elektrisch zu fahren. Doch genau das macht ein sogenannter Range Extender.

Erste simple Schlussfolgerung daraus: Im rein elektrischen Betrieb, solange die Batterien noch Saft haben, fährt so ein Fahrzeug sehr sparsam. Tritt dann, etwa nach 60 km, der Range-Extender in Aktion, ergibt sich schlagartig ein Spritverbrauch, der höher sein muss als alles bisher Gewohnte. Damit wirkt dieses System einem Plug-in-Hybridfahrzeug, das auch rein elektrisch fahren kann (das aber auch einen direkten Antrieb vom Benzinmotor zu den Rädern besitzt), deutlich unterlegen.

Doch bei genauerem Hinsehen wird die Sache spannend: Der Opel Ampera fährt gar nicht in allen Betriebszuständen rein elektrisch. Er besitzt durchaus eine Möglichkeit, den Benzinmotor direkt mit den Rädern zu verbinden. Ein Planetengetriebe sorgt dafür, dass der Benzinmotor bei höheren Geschwindigkeiten nicht nur zum Laden der Batterie herangezogen wird, sondern auch direkt zum Antrieb der Räder. Der wesentliche Unterschied: Während der Prius Plug-in auch ohne Mitwirken des Elektromotors fahren kann, hilft beim Ampera immer mindestens ein Elektromotor mit.

Und noch einmal ist die Sache nicht ganz so einfach: Opel/Chevrolet wollen offenbar nicht direkt den Prius konkurrieren, betonen deshalb die Kerneigenschaften ihres Produkts als Elektrofahrzeug mit erweiterter Reichweite, während Toyota darauf Wert legt, dass es sich um ein Benzinfahrzeug handelt - mit der Möglichkeit, auch rein elektrisch zu fahren.

Wer fährt weiter elektrisch?

Der eigentliche Unterschied liegt darin, dass der Toyota Prius Plug-in die ersten 20 km rein elektrisch fährt, während Opels Ampera mit dem Strom aus der Batterie mehr als doppelt so weit kommt. Opel geht davon aus, dass der überwiegende Teil der Autofahrer mit einer Reichweite von 60 km täglich rein elektrisch durchkommt und der Benzinmotor nur einen Sicherheitsfaktor darstellt, also selten in Betrieb geht.

Sollte dieser doch intensiver genutzt werden als vorgesehen, ist durch den phasenweisen direkten Durchtrieb gewährleistet, dass der Benzinverbrauch auch in dem Fall nicht in unverantwortliche Höhen auszuckt. Die Grundphilosophie aber bleibt: Der Ampera ist dafür gedacht, überwiegend elektrisch zu fahren, während der Prius Plug-in immer noch den Benzinbetrieb im Vordergrund hält.

Der Toyota ist von seinem mechanischen Aufbau her aufwändiger, während beim Opel die rein elektrischen Komponenten, vor allem seine wesentlich größeren Batterien, nicht nur kostenmäßig das Schwergewicht darstellen. Der Toyota hat den Vorteil, dass er wie gewohnt ohne geringste Einschränkung als ganz normales Auto verwendet werden kann. Durch die deutlich kleineren Batterien lässt sich beim Prius auch leichter ein attraktiver Preis darstellen. Wer aber überwiegend rein elektrisch fahren will, ist mit dem Opel besser dran. (Rudolf Skarics/DER STANDARD/Automobil/24.04.2011)

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Eine korrekte Lösung gibts wohl nur wenn man 2 Autos hat. Für 99% der strecken die der durchschnittsösterreicher fährt würd ein elektroauto mit eine Reichweite von ~150km ausreichen (fahrt zu Arbeit, einkaufen usw..). Für längere fahren muss dann ein Benzin/Dieselfahrzeug herhalten.

...2 Autos ZUR VERFÜGUNG hat!

Die müssen einem nicht einmal gehören!!

Carsharing: Kosten nur bei Nutzen

Leider haben wir alle gelernt uns über "unser" Auto zu definieren (wo stehst du?),

drum wird die Entwicklung a bissl dauern.

Aber sie wird kommen MÜSSEN

Nun, ich bin nunmal pendler. Habe mir zwar eine Wohnung direkt neben der Arbeit genommen. Fahre aber jedes Wochenende heim. Bzgl Definition über auto. Ich Arbeite bei BMW und Fahre einen Toyota (5l/100km diesel) :) .. das sollte genug über mich aussagen oder?

dafür musst du dich nicht entschuldigen ;-)

Worauf ich hinaus wollte: Das "eigene auto" ist ja sowas wie eine angelernte Kultur für uns:
vom Führerschein pünktlich zum 18. Geb.
über den täglichen Sprachgebrauch
bis zum Marken-Image das Käufer auf sich übertragen...

Das Image von Carsharing ist allerdings noch nicht "sexy" genug" um rasch die nötige Verbreitung zu finden. Hier gilt es die Vorteile, den persönlichen und den Nutzen für die Allgemeinheit attraktiv zu verpacken.

Wir beide, die wir ein Auto nur rational als "Nutzenstifter" betrachten, gehören zu einer Minderheit die das ja schon verstanden hat ;-)

Ja, is schon richtig. Das problem welches ich bei Carsharing sehe ist einfach die spontantität sowie die Personalisierung. So spontan mal wo hin fahren geht nicht so schnell/einfach. man kann auch keine sachen im Auto bunkern (dazu neige ich leider sehr stark *g*). Meiner meinung nach sollte jedem 2ten WIENER das auto entzogen werden :) ... Die haben oft autos obwohl sie gerade in Wien garkeines benötigen. Bei Landeiern wie mir - is das schlecht möglich.

Die meisten Deiner Einwände

sind durch Umgewöhnung rasch lösbar.
@spontan: wenn Carsharing weiter verbreitet ist, löst sich das von selbst, vorerst hast recht.

Dem stehen aber jede Menge Vorteile entgegen:
Keine Sorgen mit Service, Pickerl, Reparaturen, Winterreifen...

Meine ideal-Kombination ist Öffi+Fahrrad+Carsharing.
Und nein, ich arbeite nicht beim Denzel ;-)

@jedem 2. Wiener das Auto entziehen:
1.) warum nur Wiener?
2.) warum NUR jedem 2. ?
;-)

:) Um gleich noch ein thema aufzugreifen. Liebe leute. Autos die ~100.000km auf der Uhr haben sind nicht SCHROTTREIF.. Sie müssen deshalb auch nicht gegen neue getauscht werden. Das ist zwar schön für die Autobauer, aber für die eigene geldbörse is das gift. bestes beispiel: Mein toyota :P ... 270.000km und sorgenfrei! Mercedes meines Vaters, 460.000km und mehr oder weniger sorgenfrei. Mercedes meiner mutter 320.000km und recht problemlos (bis auf Rost). ... EX Wagen meiner Mutter -> Mercedes 190D bj 1983... gewaltige 890.000km!!! Original Getriebe, Original Motor, Original Kopfdichtung.. Blieb kein einziges mal stehen :) .. Hat leider einen Kuss von einem Audi A6 bekommen und ist daran gestorben *g*

Und wer kauft einen Opel Ampera...

.... um 40.000 Euro ?mit dem findet man in div Gegenden genauso keinen Parkplatz bzw man blecht genauso für Parkschein bzw Parkgarage. Also wer so ein Klump kauft muß ein Freak sein und zuviel Geld haben

Jedes Auto ist ein Geldvernichter

Und die Zahl der Modelle über 40000€ ist recht beachtlich. Es gibt auch viele Käufer dafür.

Nur, weil dir ein Auto nicht gefällt, heißt das nicht, dass es dafür keine Käuferschicht gibt. Kein Grund das Gefährt (das du wahrscheinlich noch nie gefahren hat) Klump zu nennen.

Gruß
Martin

jeder soll das kaufen ...

.... was er will. nur die Pseudo-Ökoschiene für paar 100 potentielle Gefährte in der Art ist nicht zielführend

Zielführend?

Zielführend ist auch die Anti-Ökoschiene (Supersportwagen,...) nicht.

In beiden Fällen gilt das Argument, dass technische Neuerungen ausprobiert werden können.

Also ich würde dem Ampera nicht 'Klump' nennen, aber ...

... mit 40.000 EUR ist das Auto aber sehr teuer, und um 40k (oder weniger) gibts andere gute Autos ebenso.

Die Rechnung müsste lauten - ich kaufe mir ein konventionelles Auto um 25.000, ab wievielen km kommt mir ein Ampera günstiger, wenn ich steigende Benzin/Diesel-Preise, aber auch Strompreise(!) in betracht ziehe?

Bei 15Tkm pro Jahr Fahrleistung und einem Verbrauch von 6l/100km kommt man selbst bei einem Spritpreis von 2€/Liter auf eine Amortisation von leider nur mehr als 8 Jahren ...

Das ist leider für mich unerschwinglich.

GB

ja leider 40k ist ziemlich viel, um 30k tät ich ernsthaft überlegen, brauch eh an alltagsschlitten.

ein vergleichbares Auto

gibts um 19.000 (Golf 1.2 TSI) , somit um 7000 Euro billiger als ein Prius. Ob sich der Ampera jemals amortisiert, entscheiden nicht nur die Spritpreise sondern auch Kosten für Versicherung,Service usw.... ein Auto in der Preisklasse ohne zumindestens Teilkasko ist so eine Sache. der Prius amortisiert sich im Vergleich zu dem Golf ohnehin nie....

Der Golf ist mit dem Prius so nicht vergleichbar

Wenn ein Golf vergleich werden soll, also:
-ca. 136 PS
-4 Türen
-Automatik (DSG)
-und sonst noch ein paar Kleinigkeiten, die der Prius serienmäßig drin hat,

dann spuckt der Konfigurator auch ca 27000€ aus.
Jedes dieser Fahrzeuge hat dann immer noch seine Vor- und Nachteile.
Der Ampera ist wohl wegen der größeren Batterie teurer.
Viele Investitionen amortisieren sich nie, werden trotzdem getätigt, sei es fürs Image, für den Spaß,...

der Basispreis des Prius...

... liegt aber nun mal bei 26.000 , der des Golf unter 19.000. Ich brauch keine Automatik und keine 136 PS der 86 PS-Golf reicht mir- ich brauch nicht mal ein Navi.
wenn man den ganzen Krims-Krams braucht, soll er fast so teuer wie ein Prius sein. Und einen schwächeren prius mit weniger Ausstattung gibts nun mal nicht.

Zum Vergleichen

braucht man vergleichbare Ausstattungen.

Ein Dacia ist ab 6990€ zu haben, da amortisiert sich der Golf niemals. Aber der Basispreis des Golf ist schweineteuer dagegen.

Ja und ...?

wenn ich ein Auto zu einem vernünftigen Preis haben möchte, geht das mit einem Prius nicht , mit einem Golf schon. Ja der Dacia ist eine Alternative, wenn man es ganz einfach haben will - 75 PS ohne Klima, ohne Servo. Und für die zahlreichen nicht so liquiden Personen ist halt nur ein Dacia oder ein einfacher Golf erreichbar, aber nie ein Prius oder Ampera

Genau das habe ich gemeint...

um 10:02 schrieb Andreas N: "ein vergleichbares Auto..."

Der Golf um 19000 ist nicht mit dem Prius vergleichbar, so wie der Dacia um 7000 nicht mit dem Golf vergleichbar ist. Es gibt keinen neuen Golf um 7000€. Vergleichen kann man gleiche (ähnliche) Produkte.
Und wo das Limit der Vernunft ist, hängt vom Käufer ab - und wie viel dieser zahlen will und kann.

Dass man den RangeExtender ständig herum führen muss ist ein Nachteil...
Das Ding ist immer noch zu kompliziert und zu teuer.
Der Prius ist ein Alptraum und dabei auch noch zu teuer.
Umweltfreundlicher ist es alte Dieselautos (Golf III z.B.) noch einfach 5-10 Jahre zu reparieren und weiter zu fahren.

@Heavyweather

Prius ein Alptraum?
Ja, ich muss zugeben er fährt sich hervorragend in den Alpen! *g*

Ich habe in der Schule auch noch Alptraum geschrieben...
Steht auch noch so im Wörterbuch ;)

Und was säuft er?
Ist er deiner Einschätzung nach Umweltfreundlicher als ein 5l Diesel?

Ich fahre zufällig einen 7 Jahre alten Prius 2 mit ca. 170000 Km auf dem Tacho.

Der säuft so seine 4,5L auf 100 Km bei sparsamer (nicht mehr als 100 Km/h) Fahrweise. Wenn ich in D mit 180 auf der Autobahn fahre, brauche ich etwa 7L.

Reparaturen in 7 Jahren bisher: "2 Rücklichtbirnchen zu je 1,50€ und ein Statz neuer Bremsen."

Das Auto fährt perfekt, wie am ersten Tag.

Mit einem Golf TDI kann man den Wagen absolut nicht vergleichen.

Ich bin da irgendwie noch unentschlossen.
Das Auto kostet sehr viel auch gebraucht. Der Durchschnittsverbrauch liegt bei ca. 5,24l (laut spritmonitor)
http://www.spritmonitor.de/de/die_sp... autos.html

Als Kombi gibt es ihn auch nicht :(
Einen Diesel Kombi kann ich auch bei 5l fahren.

Abgesehen davon dass ich ihn mir nicht leisten möchte klingt das noch nicht wie das nonplusultra.
Nicht einmal der PluginHybrid Prius fährt rein elektrisch, oder?

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