Verdächtiger traf Komplizen im Urlaub

27. April 2011, 14:43
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Vier Täter in Wien-Favoriten – 26-Jähriger mit Verletzungen und Schock in Krankenhaus aufgetaucht – Vermutlich kein Zusammenhang mit anderen Sprengungen in Wien

Wien - Eher zäh dürften die Einvernahmen jenes 26-jährigen Wieners verlaufen, der am Dienstag nach einer Bankomatsprengung in Wien-Favoriten als Verdächtiger festgenommen worden ist. Er hat seine Beteiligung an dem Fall zwar gestanden, hält sich bezüglich der Identität seiner Komplizen eher bedeckt. Nur so viel sagte er den Ermittlern: Es handle sich um drei Männer, die er im Urlaub über eine Freundin kennengelernt habe. Die Namen wisse er nicht, so Polizeisprecher Roman Hahslinger am Mittwoch über die ersten Einvernahmen.

Der 26-Jährige war am Dienstag wenige Stunden nach der Tat in der Bank Austria-Filiale am Tesarekplatz 1 mit Verletzungen in einem Spital aufgetaucht. Die Täter waren gegen 2.30 Uhr in das Foyer des Geldinstituts gekommen. Nach jüngsten Erkenntnissen dürften es vier Beteiligte gewesen sein, aber nur der Festgenommene mit einer Gummimaske, die an die Filmfigur Fantomas erinnert, und einer seiner Komplizen, mit einer Wollhaube maskiert, betraten die Bank. Sie dürften Gas in den Automaten geleitet und zur Zündung gebracht haben. Die beiden anderen Mittäter standen unterdessen Schmiere.

Weil die Detonation zu früh erfolgte, dürfte sich der 26-Jährige verletzt haben. Die Ermittler fanden am Tatort Blutspuren. Ob diese nur von dem Verdächtigen stammen oder einer seiner Komplizen ebenfalls Blessuren davon getragen hat, war am Mittwoch noch Gegenstand der Untersuchungen. Der Wiener war nach der Bankomat-Explosion mit Verletzungen am Kopf, an Armen und Beinen im Spital auf. Er dürfte in dem Krankenhaus ziemlich randaliert haben, die Polizei bekam einen Tipp.

"... er konnte sich an nichts erinnern, meinte er"

Der Coup dürfte übrigens nur teilweise geglückt sein. Die Sprengung vermochte die Geldkassetten offenbar nicht ganz zu öffnen. "Die Täter konnten vermutlich nur hineingreifen und einen Teil der Beute an sich bringen", so der Polizeisprecher.

Wie der Tatverdächtige ins Krankenhaus gekommen war, vermochte er bisher nicht zu sagen. "Er hat einen Schock erlitten und könne sich von der Sprengung bis zu seinem Auftauchen im Spital an nichts erinnern, meinte er", schilderte Hahslinger. Die Ermittler dürften diesem Teil seiner Verantwortung auch Glauben schenken. Weiter unklar blieb damit, welches Fluchtauto die Täter benutzten.

Mit ziemlicher Sicherheit können die Kriminalisten dem Verdächtigen auch den versuchten Diebstahl eines Bankomaten am 4. April in einem anderen Geldinstitut in Favoriten zuordnen. Zwei versuchte Bankomatdiebstähle in der Filiale am Tesarekplatz am 12. und 13. April dürften eher nicht auf das Konto des 26-Jährigen und seiner Freunde gehen. "Dazu sehen wir derzeit keinen Zusammenhang", meinte Hahslinger. Auch für zwei Wiener Bankomatsprengungen am 21. Februar in Favoriten und am 18. April in Landstraße kommt die Gruppe nach derzeitigem Stand nicht infrage. (APA)

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    Aufnahmen der Überwachungskamera

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