Nur ein Drittel erreicht höheren Bildungsstand als Eltern

27. April 2011, 11:48
361 Postings

Daten belegen: Bildung wird vererbt - Zwei Drittel schließen gleichwertige oder sogar niedrigere Ausbildung ab

Wien - Welchen Bildungsabschluss man erreicht oder eben nicht erreicht, hängt noch immer davon ab, welche Bildung die Eltern genossen haben: Das bestätigt eine nun erfolgte vertiefende Erhebung aus der Analyse zum "Eintritt junger Menschen in den Arbeitsmarkt" (2009) der Statistik Austria. Demnach schafft es nur ein Drittel der 15- bis 34-Jährigen, einen höheren formalen Bildungsabschluss als seine Eltern zu erreichen, während 70 Prozent eine gleichwertige oder sogar niedrigere Ausbildung abschließen.

Laut der Erhebung besteht im Zehnjahresvergleich trotz allem Grund zur Hoffnung. So hat sich der Anteil an jungen Erwachsenen, denen ein Bildungsaufstieg gegenüber ihren Eltern gelang, erhöht. Vor allem die jungen Frauen haben aufgeholt und sind deutlich höher qualifiziert als ihre Mütter. Erreichten rund 40 Prozent der Mütter der heute 15- bis 34-Jährigen nur einen Pflichtabschluss, liegt dieser Prozentsatz bei jungen Frauen heute nur noch bei 15 Prozent. Bei den Vätern hat nur knapp jeder vierte (24 Prozent) höchstens einen Pflichtschulabschluss, unter den Söhnen kommt nur rund jeder zehnte (elf Prozent) nicht über diesen hinaus.

Frauen haben höheren Bildungsabschluss

Umgekehrt zeigt sich das Geschlechterverhältnis an den Hochschulen: Generell schließen heute mehr junge Österreicher eine höhere Schule (z.B. AHS) oder Universitätsausbildung ab. Waren es früher noch mehr Männer (16 Prozent) als Frauen (14 Prozent), die eine höhere Schule oder Universitätsausbildung abgeschlossen haben, haben mittlerweile die Töchter (34 Prozent) die Söhne (27 Prozent) überflügelt. Die höchste Wahrscheinlichkeit, eine Uni zu absolvieren, haben aber mit deutlichem Abstand generell Kinder aus akademischen Elternhäusern: 41 Prozent von ihnen schlossen ebenfalls ein Unistudium ab, während es bei Kindern von Eltern mit maximal Pflichtschulabschluss lediglich fünf Prozent waren.

Knapp ein Drittel der Kinder aus ebenjenen "Pflichtschul-Elternhäusern" schließen selbst ebenfalls keine weiterführende Schul- oder Ausbildung ab, der Großteil (44 Prozent) geht in die Lehre. In Elternhäusern mit Lehrabschluss tun es mehr als die Hälfte der Kinder (55 Prozent) den Eltern gleich und schließen höchstens eine Lehre ab.

Unabhängig vom Elternhaus haben vor allem junge Erwachsene mit Migrationshintergrund deutlich schlechtere Bildungschancen: Während nur acht Prozent der 15- bis 34-Jährigen ohne Migrationshintergrund nur die Pflichtschule abgeschlossen haben, kommt knapp ein Drittel der ersten und zweiten Migrantengeneration nicht über die Pflichtschule hinaus. 

Gewerkschaft gibt früher Selektion Schuld 

Die Bildungswegentscheidung darf erst mit 14 oder 15 Jahren und nicht wie derzeit im Alter von zehn Jahren getroffen werden, Schüler müssen im Rahmen ganztägiger Schulformen gefördert und die Bildungs- und Berufsberatung ausgebaut werden - diese Maßnahmen würden aus Sicht des Gewerkschaftsbunds künftig verhindern, dass Bildung stark von den Eltern vererbt wird. "Bildung darf kein Erbgut sein", betonte ÖGB-Vizepräsidentin Sabine Oberhauser am Mittwoch in einer Aussendung als Reaktion auf eine aktuelle Erhebung der Statistik Austria.

Um die soziale Durchmischung an den Hochschulen zu fördern, brauche es unterdessen mehr Angebote für Berufstätige wie geblockte Lehrveranstaltungen am Abend und an Wochenenden sowie Institute und Bibliotheken, die auch an diesen Randzeiten geöffnet sind.

Auch SP-Bildungssprecher Elmar Mayer betonte, dass Bildungschance in Österreich weder von der Herkunft noch "dem Geldbeutel der Eltern" abhängen dürfe. Daher sei es wichtig, das Bildungssystem "grundlegend zu reformieren", sagte er und verwies auf Projekte der Regierung wie Bildungsstandards, neue Matura, Ausbau des Angebots an Ganztagsschulen und den Ausbau der Neuen Mittelschule (NMS) als Gegenmodell zu frühen Selektion. (APA)

  • Knapp ein Drittel der Kinder aus "Pflichtschul-Elternhäusern" 
schließen selbst ebenfalls keine weiterführende Schul- oder Ausbildung 
ab.
    foto: aüa/fohringer

    Knapp ein Drittel der Kinder aus "Pflichtschul-Elternhäusern" schließen selbst ebenfalls keine weiterführende Schul- oder Ausbildung ab.

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.