Wau-Holland-Stiftung sammelt 1,3 Mio. Euro für Wikileaks

27. April 2011, 12:10
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Enormer Anstieg nach Veröffentlichung von US-Geheimdepeschen im November 2010

In ihrem Transparenzbericht 2010 (PDF) veröffentlicht die Wau-Holland-Stiftung Einnahmen und Ausgaben für die Enthüllungsplattform Wikileaks. Demnach flossen alleine im vergangenen Jahr 1,3 Millionen Euro Spenden an die Stiftung, schreibt Heise. Rund 400.000 Euro wurden an Wikileaks ausgezahlt.

Der Großteil der Spenden via Paypal floss mit 34 Prozent aus den USA, 14 Prozent aus Deutschland und 12 Prozent aus Großbritannien. 

Stiftung für "freidenkerische Ansätze" des "Datenphilosophen" Wau Holland

Benannt ist die Wau-Holland-Stiftung nach dem im Jahr 2001 verstorbenen deutschen Journalist und Computeraktivist Herwart "Wau" Holland-Moritz. Er hat Anfang der Achtziger Jahre den Chaos Computer Club (CCC) mitbegründet. Das Ziel der gemeinnützigen Stiftung ist, die "freidenkerischen Ansätze des Datenphilosophen Wau Holland zu bewahren und weiterzuführen".

100.000 Euro in vier Tagen 

In den ersten vier Dezembertagen wurden 100.000 Euro über Paypal gespendet. Am 4. Dezember kündigte der Bezahldienstleister das Konto und kassierte 30.000 Euro an Gebühren. Argumentiert wurde mit einem angeblichen Verstoß von Wikileaks gegen die AGBs und mit einer Beteiligung an illegalen Aktivitäten. 

US-Depeschen und "Collateral Murder"

Wie aus dem Transparenzbericht hervorgeht, sind die Spenden nach den aufsehenerregenden Veröffentlichungen der US-Geheimdepeschen im November 2010 drastisch angestiegen. Allein im Dezember 2010 nahm Wikileaks eine halbe Million Euro ein.

Aufteilung

Den größten Teil machten mit 143.000 Euro "Kampagnen/Aktionen" wie die Video-Produktion "Collateral Murder" aus. Das Video zeigt, wie unbewaffnete Zivilisten erschossen werden. Weitere 100.000 Euro gingen als Aufwandsvergütungen an die Wikileaks-Mitarbeiter. Die Ausgaben für Spesen und Reisekosten betrugen 62.000 Euro. Unter dem Posten Rechtsbeistand seien im Jahr 2010 Kosten in der Höhe von 33.000 Euro entstanden, darin nicht enthalten seien die Kosten für "personenbezogene juristische Beratung oder Vertretung durch einen Anwalt vor Gericht". 

Auslieferung nach Schweden

Es liegen keine Angaben darüber vor, ob und wie viel der Summen an Julian Assange floss. Im Februar wurde entschieden, der Wikileaks-Chef solle nach Schweden ausgeliefert werden. Dort wartet auf ihn die Vernehmung zu den Vergewaltigungsvorwürfen zweier Frauen. Bis Juli, da entscheidet ein britisches Gericht über seine Berufung gegen das Urteil, ist Assange auf Kaution frei. (ez)

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    Wikileaks-Chef Julian Assange.

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