Learning by Doing

Schluss mit grauer Theorie

Güler Alkan, 27. April 2011, 17:00
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    Das Team von uniforce

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    Dominic Mielmann: "Wir haben Top-Studierende aus allen Studienrichtungen"

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    Besprechung bei Stucon

Studentische Beratungsunternehmen bringen Junior Entrepreneurs mehr als Praxis, sie dienen auch als Sprungbrett für die Karriere

Wer als Student genug hat von theoretischen Vorlesungen, dem sei geholfen. Bereits 1967 hegten Studenten der Grande École ESSEC, einer Elitehochschule für Wirtschaft in Paris, den Wunsch während des Studiums unternehmerisch tätig zu werden und gründeten das erste studentische Beratungsunternehmen. Mittlerweile gibt es mehr als 300 von Studenten geführte Junior Enterprises weltweit, vier davon in Österreich.

Breit gefächertes Angebot

Bei uniforce, das 1989 in Wien gegründet wurde und als einzige österreichische Junior Enterprise als Consulting GmbH organisiert ist, hat man sich auf die drei Geschäftsbereiche Human Resources, Marketing und IT spezialisiert. So werden beispielsweise neue IT-Konzepte für Kunden entwickelt oder Schulungen im Office-Bereich angeboten. Im Bereich Marketing werden für Unternehmen Social Media-Auftritte umgesetzt oder analysiert.

Wobei der Schwerpunkt laut Dominic Mielmann, einer der vier Geschäftsführer bei uniforce und selbst Student der Internationalen Betriebswirtschaft an der Wirtschaftsuniversität Wien, auf dem Hochschul-Marketing liegt. "Anhand von Umfragen werden die Berufserwartungen von Studierenden analysiert, um Unternehmen zu zeigen, worauf sie beim Recruiting achten sollen", nennt Mielmann ein Projektbeispiel aus der Praxis.

Hausverstand und Motivation

Nach bestimmten Studienrichtungen wird im Bewerbungsverfahren bei uniforce, das mittlerweile mehr als 20 Mitarbeiter beschäftigt, nicht selektiert. "Wir haben Top-Studierende aus verschiedenen Studienrichtungen. Klar, die Studenten sollten einen gewissen Hausverstand und wirtschaftliche Grundlagen mitbringen. Aber das Allerwichtigste ist die Motivation und Begeisterung selbstständig arbeiten und Ideen einbringen zu wollen", betont Mielmann. Großer Wert wird dabei auf interdisziplinäres Arbeiten gelegt. "Wir können dann den Kunden verschiedene Perspektiven anbieten, was in einem Projekt auch wichtig ist", so Mielmann.

Probezeit für Anfänger

Bevor Studenten Projekte abwickeln dürfen, müssen sie jedoch eine Probezeit absolvieren, die als interne Projektarbeit in der Regel nicht bezahlt wird. "Studierende müssen zu Beginn sechs Wochen ein internes Projekt abwickeln, wenn das positiv ausfällt, sind sie im Kernteam dabei und können sofort bei Projekten mitarbeiten. Sobald sie einige Erfahrung gesammelt haben, können sie auch die Projektleitung übernehmen", erzählt Mielmann. Den Anfängern steht dabei immer eine Ansprechperson zur Verfügung. Für die Abwicklung externer Projekte bekommen die Studenten dann je nach erbrachter Leistung gewisse Tagessätze bezahlt.

Auch bei StuCon, das 2005 von vier Studenten der IMC Fachhochschule Krems gegründet wurde und mittlerweile 18 fixe Mitglieder hat, müssen interessierte Studierende ihr Können in einer einmonatigen Anwärterphase beweisen. Dabei steht ihnen ein Teammitglied als Mentor beiseite. "Im Rahmen dieser Anwärterphase wird ein Anwärterprojekt durchgeführt, um zu sehen, ob der Bewerber selbstständig arbeiten kann", erklärt Martin Meusburger, Obmann von StuCon Krems. Bei erfolgreicher Umsetzung des Projekts erfolgt die Aufnahme ins Beratungsteam.

Umfassende Schulungen

Das Angebot von StuCon richtet sich vordergründig an Studenten der IMC Fachhochschule. "Der Fokus liegt stark auf den wirtschaftswissenschaftlichen Studiengängen, die es hier in Krems gibt, wir versuchen aber auch andere Studiengänge wie Physio- oder Musiktherapie mit einzubeziehen", berichtet Meusburger. Hauptsächlich berät StuCon lokale Klein- und Mittelunternehmen in den Bereichen Marketing und Marktforschung, Neue Medien und Web-Services, aber auch bei Projekten im Gesundheitsmangagement.

Ein monetäres Anreizsystem steht bei StuCon eher im Hintergrund. "Es gibt durchaus auf Projektbasis die Möglichkeit den Mitgliedern den Profit des Projekts bzw. einen Teil davon auszuzahlen. Für uns ist aber wichtiger, dass die Leute sich weiterentwickeln und das Netzwerk genießen können." Das erarbeitete Eigenkapital wird daher vorwiegend in ein umfassendes Schulungsprogramm durch externe Trainer investiert.

Meusburger selbst, der Student des Masterlehrgangs "Unternehmensführung und E-Business-Management" an der IMC Fachhochschule Krems ist und nebenbei bei StuCon als Vorstandsmitglied Unternehmen berät, hat beispielsweise an mehreren Schulungen des Fachverbandes für Unternehmensberater teilgenommen und peilt als nächsten Schritt die Gewerbeberechtigung zum Unternehmensberater an.

Praxiserfahrung

Für Meusburger ist die Praxiserfahrung einer der größten Vorteile von studentischen Beratungsunternehmen. "Durch die Praxiserfahrungen an Projekten erhöhen die Studenten einerseits das Fachwissen, andererseits können sie Soft Skills wie Verhandlungsgeschick oder Kommunikationsfähigkeit entwickeln, die an der Fachhochschule schwer unterrichtbar sind."

Ein breites Spektrum an Social Skills ist für ihn ebenfalls sehr wichtig. "Das notwendige Feingefühl, das Eingehen auf die Kunden und eine ordentliche Portion Fachwissen. Vor allem braucht ein guter Berater den Mut seinen Kunden in gewisser Weise zu widersprechen. Oftmals kommen Kunden auf uns zu, die eine Bestätigung für ihren bisherigen Weg suchen. Und da ist es unsere Aufgabe als guter Berater zu zeigen, dass der bisherige Weg vielleicht doch nicht so erfolgreich war wie er hätte sein können", beschreibt Meusburger das nötige Rüstzeug für angehende Junior Entrepreneurs.

Karriesprungbrett

Wer sich bei studentischen Beratungsunternehmen engagiert wird dafür im späteren Berufsleben belohnt, sind sich Meusburger von StuCon und Mielmann von uniforce einig. "Dieses außeruniversitäre Engagement fällt auch den Unternehmen und den Personalverantwortlichen auf und kann durchaus ein Karrieresprungbrett sein", so Meusburger.

Für Mielmann ist es auch das Netzwerk, "das wir seit 20 Jahren mit Alumni und Kooperationspartnern aufgebaut haben", durch das die Studenten im Rahmen von Workshops und Fortbildungen wichtige Kontakte für das spätere Berufsleben knüpfen können. Auch die Know-how-Weitergabe in den einzelnen Projektteams sieht er dabei als Vorteil. "Da wir so ein breit gefächertes Team aus verschiedenen Studienrichtungen sind, kann man wirklich viel dazu lernen, auch von anderen Studenten." (Güler Alkan, derStandard.at, 28.4.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 41
1 2
Nick "Faaaaaart" Knatterton
00

äh vor kurzem gab es doch schon mal so einen artikel mit den selben fotos und selben inhalten.

bläh! bläh!
00

berater ohne berufserfahrung?

speakers corner
12
Wie kann man so jung sein und doch so alt ausschauen?

Martin Major
 
00

das liegt an den grausamen anzügen.

EuroExpert
22
29.4.2011, 09:30
wow

na serwas. etliche möchtegerns in begräbnisanzügen. wo soll das nur hinführen ?

Peter aus Wien
04
28.4.2011, 15:36
Mei liab.

Und alle im grauen Anzug, fast so wie die Großen :)

Postingname geändert
11
28.4.2011, 14:52
wow.

diese leistungstraeger sind aber fesch!

sandor gjalski
15
28.4.2011, 12:36

genial was für ein kindergartenkasperltheater wo möchtegern manager die großen imitieren....

obibiber
02
28.4.2011, 10:28

theorie ist dann grau, wenn ihre praxis und ihr praxisbezug nicht kapiert wird...

Chris.S
01
28.4.2011, 12:14
Theorie macht besonders dann Spaß,

wenn man Sie anwenden kann :-)

Unschuldsvermutung0
28
28.4.2011, 09:32
Schnucki, wie sie da stehen und sitzen :-)

Im Grunde ja sehr begrüßenswert, wenn sich der Nachwuchs auch um die Praxis kümmert. Nur so, wie hier abgebildet findet das Berufsleben nicht statt. Ich empfehle zum Testen der Praxis den Supermarkt, das Sägewerk, den LKW, das Spital, den metallverarbeitenden Betrieb, die Großküche, usw usw. Das wären Erfahrungen, die für die Zukunft der Jungakademiker wertvoller sind, als Beratungsschnickschnack am grünen Tisch. Das sage ich als Geschäfstführer und Gesellschafter eines Betriebes mit 200 Mitarbeitern!

Snoopal
04
28.4.2011, 10:17

Auch wenn Sie vielleicht ein Unternehmen mit 200 Mitarbeitern leiten, so hängt die Sammlung von Praxiserfahrungen sicher auch davon ab in welche Branche man gehen möchte.
Nachdem Sie allerdings Beratung als "Schnickschnack" abwerten gehe ich davon aus, dass Sie in Ihrem Unternehmen in jedem Bereich die besten Ergebnisse erzielen, mit jedem Ihrer Produkte/ jeder Ihrer Dienstleistungen Marktführer sind und vor allem das innovativste Unternehmen Österreichs sind.
Ich bin mir sicher, dass wenn ich Ihre Homepage öffne und Einblick in das Team der Geschäftsführung nehme dann werden mir lachende Gesichter in Anzügen entgegengrinsen, auch wenn Sie die unter Tags nicht tragen...

RS69
 
01

Ich denk auch, dass Beratung besser wird, wenn man weiss worüber man redet und das schon mal selbst gemacht oder zumindest aus der Nähe gesehen hat.

Unschuldsvermutung0
06
28.4.2011, 12:50
Schon OK, Snoopal,...

... nur den Einstieg in die Praxis über das Beratungsgeschäft zu suchen, halte ich für genau verkehrt: Zuerst die Praxis aus dem Alltag des Betriebes, ganz weit unten beginnen, auch wenn man g'scheit und studiert ist. Dann die gesammelten Erfahrungen in die Beratung einbringen. So könnt's gehen.

Chris.S
02
28.4.2011, 15:33
Da haben Sie Recht.

Der Vorteil einer Junior Enterprise liegt unter anderem darin, dass diese Beratererfahrung während des Studiums gemacht wird. So bekommt man schon in einem frühen Stadium seiner Entwicklung einen gewissen Einblick in verschiedene Firmen und Branchen.

Nach Abschluss weiß man dann um einiges besser, wohin man gehen möchte und kennt auch die entsprechenden Ansprechspartner.

Kaiser Gütinand der Fertige
314
28.4.2011, 08:23
Lieber Standard, darf ich Dich mal was fragen?

Du bist ja eher dem politisch linken Spektrum zuzuordnen, stimmts? Das heißt, die klassische Upperbusinessclass mit Schlipsträgern plus Karrieremöglichkeiten findet man dort selten. Und doch sehe ich täglich in Deinem Berufsteil Artikel über diese künftigen Chefs und Schnösel. Ich bin HTL-Techniker, und es gibt eine Menge von Berufen, die nicht so abgehoben sind, wie die der Menschen, die Du uns täglich vorführst, was die alles geschafft haben und wer in welchem Vorstand sitzt. Denkst Du nicht, daß es deinem Grundgedanken näher käme, wenn Du öfters über Karrieremöglichkeiten für "normale" Berufe schreibst? Was sich in "normalen" Berufen abspielt, was für die darin Arbeitenden wichtig ist? Du repräsentierst momentan ca. 5% der Bevölkerung.

Globetrotter1
03

Eine Zeitung - inkl. Der Standard - sollte über das schreiben was RELEVANT ist und nicht was der angeblichen Zielgruppe gefallen könnte.

Sukram's Panopticum
 
00

Und das ist Relevant?

Warum?

RS69
 
02
28.4.2011, 16:14

"Du bist ja eher dem politisch linken Spektrum zuzuordnen, stimmts? Das heißt, die klassische Upperbusinessclass mit Schlipsträgern plus Karrieremöglichkeiten findet man dort selten."

Das ist eher eine Illusion. Vielleicht binden Sie's Ihnen nur nicht auf die NAse - Es gibt ja auch die Grüne Wirtschaft.

dia_lektik
02
28.4.2011, 12:41

ich kann ja verstehen, wenn sie sich darüber aufregen, dass junior enterprises hier nicht schlecht wegkommen. aber so wie sie hier einteilen in böse, krawattenträger und gute arbeiter, das ist auch nicht grad das wahre.

lesen sie sich doch hier auch die artikel zu arbeitsrecht und it-jobs etc. durch...die es durchaus gibt, man muss nur suchen und sie würden sich auch all das ärgern ersparen ;)

gewerkschaftszeitungen zu lesen wär vielleicht beruhigender für sie. eine andere tageszeitung für den kleinen schuftenden, ausgebeuteten kleinen mann gibt es auch, den herren dort ist der alltag von normalen verkäuferinnen aber auch egal.

Kaiser Gütinand der Fertige
20
28.4.2011, 13:07

Also bild ich mir das nur ein, daß hier fast ausschließlich den händeringenden Aufstiegskandidaten das Wort geredet wird?
Und ja, mein Weltbild ist in der Tat so simpel. Mich störts eigentlich nicht. Wer sich aufspielt und übere andere als Chef und Manager gebieten will, muß auch damit leben, daß man ihn mit harten Bandagen angreift.

Kaiser Gütinand der Fertige
12
28.4.2011, 11:30
Kleiner Nachtrag II

Aber das ist wahrscheinlich nicht schick genug, wie sich jeden Tag die "richtigen" Arbeiter die Hände dreckig machen, damit Herrschaften der Wirtschaft ihre Produkte an die Menschen bringen können. Ein Interview mit einem Bauarbeiter, einem Labortechniker oder einer Krankenschwester ist wahrscheinlich nicht auflagebringend. Aber glaubt ihr wirklich, daß man mit diesen medial hochbeworbenen Krawatten-Futzis eine Gesellschaft am laufen halten kann? Mir reichen die superg'scheiten Anzugheinis in meiner Arbeit schon genug, da brauch ich nicht auch noch sehen, wie die sich in der Zeitung sonnen und bewundern lassen. Nur so, als Vorschlag.

Kaiser Gütinand der Fertige
25
28.4.2011, 11:26
Kleiner Nachtrag

Nur so als Beispiel, wofür sich die Menschen abseits von MBA-Absolventen, BWL-ern, oder den großartigen Karriereärzten interessieren: Kündigungsprobleme, Lohnverhältnisse in verschiedenen Berufssparten, Arbeitsverhältnisse als normaler Angestellter, Familie und Beruf (nein, nicht wie eine Wissenschaftlerin des Jahres ihren Sohn versorgt, sondern wie eine normale Familie mit zwei arbeitenden Eltern über die Runden kommt). Auch interessant: wie schauen die mangelhaften Karrierechancen für Techniker in der Forschung aus? Was machen normale Verkäufer den ganzen Tag? Sowas in der Art stelle ich mir vor, denn das ist es, was ca. 95% aller hier Lesenden in ihrem Alltag ein wenig weiterhelfen würde, und nicht Infos über abgehobene Karrieretypen.

Felix Kuttinger
 
15
28.4.2011, 08:52
Nicht die Zeichen der Zeit erkannt?

Der "linke Aufbegehrer und Weltverbesserer" von Heute wohnt im Bobo-Bezirk in Dachterrasse, wettert von dort auf die böse Welt herab, fordert das Gute und fragt seinen Steuerberater nach der Möglichkeit der Einrichtung einer steuerschonenden Stiftung in Liechtenstein. Was meinen Sie, welche Publikationen Freund Bobo liest?

Adam Markus
13
28.4.2011, 03:43

Wenn ich irgendwo kostenlos arbeiten möchte, nur um in Zukunft auch nur ein wenig verdienen zu können, muss ich mir keine Krawatte anziehen und möchtegern CEO's in den A Kriechen. Dann gehe ich lieber in ein Altersheim oder Rette die Wale.

Aber immerhin haben die Typen eines der wichtigsten Grundlagen des Neoliberalismus verstanden. Die totale Selbstausbeutung und Selbstverwertung. Gratuliere, sie werden irgendwann alle tolle Rädchen im kapitalistischen Verwertungsprozess werden.

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