Fed schiebt Börsen, Gold und Euro an

28. April 2011, 12:56
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Das Konjunkturprogramm läuft im Sommer aus - Dollar erleidet Schwächeanfall

Washington - Die US-Notenbank bleibt wie erwartet bei ihrer lockeren Geldpolitik. Während EZB-Chef Jean-Claude Trichet mit der Straffung des Leitzinses um einen Viertelprozentpunkt auf 1,25 Prozent der anziehenden Inflation den Kampf angesagt hat, päppelt die unter ihrem Chef Ben Bernanke den wackeligen Aufschwung in den USA weiter auf. Der Zielsatz für Tagesgeld liegt unverändert zwischen null und 0,25 Prozent.

Investoren jubeln

Die Börsen in den USA reagierten am Mittwoch gelassen, war doch mit dieser Entscheidung gerechnet worden. Europas Börsen tendieren heute überwiegend mit Kursgewinnen (siehe auch: Marktberichte). Der deutsche Leitindex Dax darf sich heute sogar über ein neues Jahreshoch freuen. "Billiges Geld und gute Ergebnisse der meisten Unternehmen haben dem Aktienmarkt weiteren Rückenwind gegeben", erklärten die Analysten von Close Brothers Seydler Bank. Mit ihrer am Mittwochabend vorgelegten Einschätzung zu Inflations- und Konjunkturentwicklung hätten die US-Notenbanker klar signalisiert, dass sie an ihrer Niedrigzinspolitik festhalten - und zwar für eine ganze Weile. Laut Analysten löste dies bei den Investoren Jubel aus. Allerdings stieg auch der Goldpreis kräftig weiter (siehe auch: Fed treibt Gold). Die Fed-Entscheidung dürfte den Dollar weiter schwächen. Der Dollar fiel bereits am Mittwoch nach Bernankes Äußerungen auf ein neues Tagestief gegenüber dem Euro. Die Gemeinschaftswährung nähert sich am Donnerstag der Marke von 1,50 Dollar.

Nicht sorgenfrei

Auch in den USA zogen allerdings die Verbraucherpreise in den vergangenen zwölf Monaten kräftig an: Die Teuerungsrate erreichte im März 2,7 Prozent und lag damit deutlich über der auch von der Fed angestrebten Marke von unter zwei Prozent.

Die US-Notenbank ist indes nicht allein der Wahrung der Preisstabilität verpflichtet, sondern muss auch für ein angemessenes Beschäftigungswachstum sorgen. Sie strebt eine Arbeitslosenquote von etwa fünf Prozent an, gegenwärtig liegt sie bei 8,8 Prozent. Nach Einschätzung der Fed wird sie dieses Jahr nicht unter die Acht-Prozent-Marke fallen.

Im Zuge der Finanzkrise hatte die Notenbank den Leitzins bereits im Dezember 2008 auf diesen Korridor verringert. Vor Beginn der Krise im Sommer 2007 hatte der Zinssatz noch bei 5,25 Prozent gelegen.

Korrektur

Die US-Notenbank hat am Mittwoch zugleich ihre Wirtschaftswachstum-Prognose für heuer nach unten korrigiert. Wie Bernanke mitteilte, geht die Fed nunmehr für 2011 von einem Zuwachs zwischen 3,1 und 3,3 Prozent aus. Im Jänner war ein Wachstum von 3,4 bis 3,9 Prozent vorausgesagt worden.

Bernanke sagte auf der ersten Pressekonferenz der Fed-Geschichte unmittelbar nach einer Zinsentscheidung, er rechne auch für das erste Quartal dieses Jahres mit einem schwächeren Wachstum - etwas weniger als zwei Prozent, sagte er. Auf der positiven Seite sieht der Fed-Chef eine bessere Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt als noch im Jänner geschätzt.

Demnach rechnet die Notenbank jetzt damit, dass die Arbeitslosenrate heuer zwischen 8,4 und 8,7 Prozent liegen wird. 2013 könnte sie erstmals unter die sieben-Prozent-Marke sinken. Zuvor war für heuer von einer Spanne zwischen 8,8 bis 9,0 Prozent ausgegangen worden. Die Quote liegt derzeit bei 8,8 Prozent.

Gleichzeitig betonte Bernanke, dass die Reduzierung des US-Budgetdefizits Top-Priorität habe. Und: Es werde einige Fed-Treffen vor einer möglicher Geldpolitik-Verschärfung geben.

Kritiker werfen der US-Notenbank vor, mit ihrem großzügigen Geldsegen und den niedrigen Zinsen die Preise für Rohstoffe weltweit in die Höhe zu treiben. Zudem bestehe die Gefahr, dass Vermögenspreisblasen entstünden.

Umstrittener Staatsanleihenkauf

Die US-Notenbank hat außerdem Spekulationen über eine Verlängerung des umstrittenen Aufkaufprogramms für Staatsanleihen ein Ende bereitet. Das im November aufgelegte Programm zum Erwerb von Treasuries im Wert von 600 Mrd. Dollar werde zum Quartalsende abgeschlossen, teilte die Fed nach der Sitzung des Offenmarktausschusses mit. Das bedeutet allerdings nicht, dass die Fed nach diesem Termin gar keine Staatsanleihen mehr kaufen wird. Parallel zu dem 600-Mrd.-Dollar Programm investiert die Notenbank schon seit August Einnahmen aus auslaufenden Wertpapieren in Treasuries. Diese Praxis werde über die Jahresmitte hinaus fortgesetzt, stellte Notenbankpräsident Ben Bernanke in seiner Pressekonferenz klar.

Die Summe der Wertpapiere in der Bilanz der Fed werde deshalb "in etwa konstant" bleiben. Wann die Notenbank aufhören wird, auslaufende Papiere durch neue zu ersetzen, ließ Bernanke offen. "Das wäre dann eine Straffung der Geldpolitik", sagte er. (Reuters/rb, derStandard.at, 28.4.2011)

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    Ein historischer Moment: Ben Bernanke, der erste US-Notenbank-Chef, der sich den Fragen der Presse stellte.

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