Die Mühen der Ebene

27. April 2011, 08:55
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Vier Wochen nach dem Siegesjubel erfolgt Ernüchterung bei Grün-Rot

Der erste Zauber ist passé. Wenn Grüne und SPD in Baden-Württemberg ihren Koalitionsvertrag vorstellen, dann wird das wohl eine nüchterne Sache. Vor vier Wochen, als es ihnen gelang, der CDU nach 57 Jahren die Staatskanzlei zu entreißen, war der Jubel noch groß. Doch mittlerweile spricht selbst der künftige Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) desillusioniert von einer "Liebesheirat in getrennten Betten". Zwar schreiben die Grünen in Baden-Württemberg Geschichte, stellen sie doch zum ersten Mal in Deutschland einen Ministerpräsidenten. Andererseits bekamen sie in den Koalitionsverhandlungen deutliche Grenzen aufgezeigt.

Es war einfach, als grüne Opposition gegen den Stuttgarter Bahnhof zu wettern. Nun sind es die Grünen, die Verträge mit der Bahn erfüllen müssen. Die SPD bestand zudem auf einer Volksabstimmung über den Bahnhof. Was passiert, wenn dabei nicht genug den Ausstieg des Landes aus der Finanzierung fordern und der Bau fertiggestellt wird? Daran mögen die Grünen gar nicht denken.

Aufhorchen lässt auch Kretschmanns Aussage, dass weniger Autos Deutschland guttäten. Dieser Wunsch passt nicht recht zur Wirklichkeit im Südwesten Deutschlands, wo Zehntausende gut von der Automobilindustrie leben. Zweifellos: Die Grünen, die im vergangenen halben Jahr als Opposition einen beispiellosen Höhenflug erlebten, müssen jetzt erst einmal die Mühen der Ebene bewältigen. (Birgit Baumann, STANDARD-Printausgabe, 27.4.2011)

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