Schwierige Suche nach einem gemeinsamen Weg

26. April 2011, 23:03
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Die jahrzehntelange Spaltung der Kärntner Slowenen in zuletzt drei rivalisierende Volksgruppen-Organisationen war mit ein Grund, warum die Ortstafel-Lösung so lange auf sich warten ließ

Klagenfurt - Sie mussten lange ausharren, bis sie ihre laut Staatsvertrag noch ausständigen Volksgruppenrechte endlich zugestanden bekamen. Dass sich die Politik unterschiedlichster Coleur leicht tat, die Kärntner Slowenen immer wieder hinzuhalten, hatte auch damit zu tun, dass die relativ kleine slowenische Minderheit über die Jahrzehnte selbst tief gespalten war. Und so saßen zumindest im letzten Dezennium drei Slowenen-Organisationen mit unterschiedlicher Geschichte und Weltanschauung am Ortstafel-Verhandlungstisch.

Die älteste, der katholisch-konservative Rat der Kärntner Slowenen (NSKS), vertreten durch den Botschafter und internationalen Sondergesandten Valentin Inzko, ist mit rund 5000 Mitgliedern nicht nur die zahlenmäßig größte, sondern war auch immer die streitbarste Gruppe gewesen. So hatte das Ratsmitglied Rudi Vouk mit seinen Schnellfahr-Aktionen in gemischtsprachigen Gemeinden ohne zweisprachige Ortstafeln den Verfassungsgerichtshof (VfGh) aktiviert und damit den Weg für eine rechtsstaatliche Lösung der Frage freigemacht.

Politisch realistisch dagegen zeigte sich stets der linksgerichtete Zentralverband, der sich aus ehemaligen slowenischen NS-Widerstandsbewegungen zusammensetzt. Dessen langjähriger Vorsitzender Marjan Sturm hatte als Erster seiner Volksgruppe den Dialog mit dem deutschnationalen Kärntner Heimatdienst begonnen, der als Drahtzieher des Ortstafelsturms 1972 galt.

Erste Brückenbauer

Sturm, der damals selbst als Ortstafelschmierer vor dem Richter stand und dessen Familie von den Nazis verfolgt und teilweise getötet wurde, baute gemeinsam mit KHD-Chef Josef Feldner eine erste Brücke zwischen Kärntner Mehrheits- und Minderheitsbevölkerung. Die beiden jeweils knapp gescheiterten Ortstafellösungen der Regierungen Wolfgang Schüssel und Alfred Gusenbauer sind daher auch auf das Duo Sturm und Feldner in der sogenannten "Konsensgruppe", die dafür auch internationale Friedenspreise einheimste, zurückzuführen. "Verräter" Feldner wurde von Kärntens Landeshauptmann Gerhard Dörfler (FPK) allerdings von den aktuellen Verhandlungen ausgeschlossen.

Auch Bernard Sadovnik von der Gemeinschaft der Sloweninnen und Slowenen (SKS) zeigte sich kompromissbereit. 2003 spaltete sich der frühere Ratsvorsitzende ab, weil er im Rat damals keine Mehrheit für seinen Konsensweg mit Sturm bekommen hatte. Beide hatten auch diesmal ihre Zustimmung für den Ortstafelvorschlag von SP-Staatssekretär Josef Ostermayer und Landeshauptmann Gerhard Dörfler (FPK) signalisiert, als der Rat dagegen noch Sturm lief. Am Ende stimmten alle drei dafür. (stein, STANDARD-Printausgabe, 27.04.2011)

 

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    Harte Endrunde: Valentin Inzko (li.) und Landeshauptmann Gerhard Dörfler.

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