Der Erzherzogshut wird ins Licht gerückt

26. April 2011, 18:51
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Das Stift Klosterneuburg hat neue Räumlichkeiten, um den kostbaren Klosterschatz und den Erzherzogshut dauerhaft den Besuchern zugänglich zu machen

Klosterneuburg - In der neuen Schatzkammer des Stifts Klosterneuburg werden am Dienstag noch die prächtigen Ornate in den Vitrinen zurechtgerückt - doch das Herzstück der Sammlung, der österreichische Erzherzogshut, liegt bereits perfekt ausgeleuchtet in seiner Vitrine im dritten Raum, der historischen Schatzkammer mit den mit reichlich Schnitzwerk verzierten Schränken aus Nussholz.

Die Krone des Erzherzogtums Österreich, das die heutigen Bundesländer Nieder-, Oberösterreich und Wien umfasste, befindet sich, seit sie 1616 von Erzherzog Maximilian III. dem Stift übergeben wurde, in Klosterneuburg. Sie durfte nur bei der Einsetzung eines neuen Landesfürsten das Stift verlassen, und das nicht länger als 30 Tage. "Es gibt auch eine päpstliche Bulle, die jedem mit dem Kirchenbann droht, der den Erzherzogshut unerlaubterweise aus dem Stift bringt", erzählt Stiftssprecher Peter Schubert.

Der hermelinbesetzte Kurfürstenhut, über den eine Zackenkrone gesetzt ist, war bisher nur etwa alle zehn Jahre zu sehen. Ab 1. Mai ist die neue Schatzkammer täglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet, der wird Erzherzogshut dauerhaft ausgestellt.

Die Schaffung der neuen Räume für die Schatzkammer war auch deshalb notwendig geworden, weil die wertvollen Exponate nicht mehr auf dem neuesten konservatorischen Stand gelagert werden konnten, was Raumklima und Feuchtigkeit betrifft. Etwa die prunkvollen Ornate, die im zweiten Raum zu sehen sind.

"Das Stift hat einen der größten Bestände an liturgischen Gewändern", sagt Schubert. Darunter auch der "Marienornat" von Anton Hofer, einem Schüler Koloman Mosers, aus dem Jahr 1911, ein seltenes Jugendstilornat. Friedrich Gustav Piffl, der damalige Probst, der später zum Erzbischof von Wien ernannt wurde, sei der zeitgenössischen Kunst gegenüber sehr aufgeschlossen gewesen, erzählt Schubert.

Einige Exponate sind heute noch in Gebrauch. "Wir sind eine lebendige Schatzkammer", sagt Schubert vor der Vitrine mit einem "Vortragekreuz" aus dem 15. Jahrhundert - "das Kreuz war erst am Osterwochende wieder im Einsatz". Auch die "Korallenkrippe", die im 17. Jahrhundert auf Sizilien angefertigt wurde, steht während der Adventszeit nicht in ihrer Vitrine, sondern im Refektorium der Chorherren.

Ornat noch immer benutzt

Der "Leopoldi-Ornat" aus 1729 wiederum, dessen Chormantel im selben Raum wie der Erzherzogshut ausgestellt ist, wird jedes Jahr am 15. November, dem Leopldi-Tag, während der Messe in der Stiftskirche getragen. "Ungern, aber doch", erzählt Schubert schmunzelnd. Die reiche Goldstickerei stellt den Träger nämlich vor eine konditionelle Herausforderung - der Ornat wiegt 30 Kilo.

Viel zarter ist da der Schleier der Markgräfin Agnes aus dem Geschlecht der Salier, der im Sockel des sogenannten Reisealtars des heiligen Leopold, der 1114 das Stift gründete, aufbewahrt wird und in der Gründungslegende eine wichtige Rolle spielt. "Der Stoff stammt tatsächlich aus dem 12. Jahrhundert", sagt Schubert, für seine Authentizität spreche außerdem, dass in den Salier-Gräbern ähnliche Stoffe gefunden worden seien. "Es ist durchaus möglich, dass Agnes ihren Brautschleier der damaligen Marienkirche gestiftet hat", sagt Schubert. (Bettina Fernsebner-Kokert/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27.4. 2011)

  • Im Zentrum der Schatzkammer in Klosterneuburg steht die Vitrine mit dem Erzherzogshut.
    foto: standard/regine hendrich

    Im Zentrum der Schatzkammer in Klosterneuburg steht die Vitrine mit dem Erzherzogshut.

  • Die kostbaren liturgischen Gewänder werden nun dauerhaft gezeigt.
    foto: standard/regine hendrich

    Die kostbaren liturgischen Gewänder werden nun dauerhaft gezeigt.

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