Schenkel fest beieinander

26. April 2011, 18:40
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Erst im Februar wurde mit dem Dreh begonnen, das Ergebnis ist dementsprechend

William und Kate können über alles reden - diesen Eindruck erweckt zumindest das "hochkarätige Eventmovie", das die royale Romanze zum Spielfilm verwurstete. "Die lieben nicht mich, sondern das Bild von mir", klagt da waidwund der Thronfolger. Die Untertanin versteht: "Muss ein blödes Gefühl sein."

Erst im Februar wurde mit dem Dreh begonnen, das Ergebnis ist dementsprechend. "William" Nico Evers-Swindell hat beeindruckend viel Haupthaar, grinst sich ansonsten unverbindlich durch die eh schon bekannte Handlung und wirkt meist, als könne er nicht bis drei zählen. "Kate" Camilla Luddington ist hauptsächlich gute Prinzessingemahlin: "Sitzt das Kleid auch perfekt? Die Queen wird da sein." Regisseur Mark Rosman (Cinderella Story) hat auf eigenständiges Denken verzichtet und gleich auf Bewährtes zurückgegriffen: Die Landschaftsaufnahmen sind bei Rosamunde Pilcher geborgt, die pubertäre Soziopathie und die billige 1990er-Jahre-Ästhetik bei einschlägigen Teenager-Serien wie Dawsons Creek oder Gossip Girl ("Manchmal bist du wirklich eine Bitch.").

Später darf es auch mal ein wenig Romantic Comedy sein, sprich: immer schön übertreiben. Auf jeden Kuss folgt frenetischer Applaus der Umstehenden und William verbringt mehr Zeit auf den Knien als in aufrechter Haltung. Das muss Liebe sein. Kate weiß, was ihr blüht und lernt schon einmal das standesgerechte Verlassen eines Automobils: "Halten Sie ihre Schenkel fest beieinander." Ein letzter Kniefall noch vor afrikanischer Kulisse und das (Fernseh-)Volk (in Österreich mit 410. 000 Zuschauern 14 Prozent des Marktanteils) weiß: Es muss verdammt hart sein, Prinz von England zu sein. (Andrea Heinz/DER STANDARD; Printausgabe, 27.4.2011)

  •  Nico Evers-Swindell (Prinz William), Camilla Luddington (Kate Middleton).
    foto: orf/sevenone

    Nico Evers-Swindell (Prinz William), Camilla Luddington (Kate Middleton).

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