Werner Faymanns Fädenzieher

26. April 2011, 18:36
17 Postings

Der "Architekt der Macht von Werner Faymann" begleitet den Bundeskanzler seit bald 25 Jahren

Das Rampenlicht sucht Josef Ostermayer nur selten. Der Staatssekretär im Bundeskanzleramt ist es gewohnt, im Hintergrund die Fäden zu ziehen. Bei der Kärntner Ortstafelfrage hat er mit diesem Politikstil aber immerhin schon mehr erreicht also so mancher seiner Vorgänger.

Wobei die Diskretion des 50-jährigen Burgenländers Härte in den Verhandlungen nicht ausschließt. Das mussten vor allem die Slowenenvertreter im Laufe der diversen Gesprächsrunden feststellen. "Er ist zwar kompromissbereit und sachorientiert, aber gleichzeitig auch eiskalt", heißt es in politischen Kreisen, die regelmäßig auf der anderen Seite des Verhandlungstisches sitzen.

Bundeskanzler Werner Faymann dürfte das aber wohl von seinem langjährigen Begleiter erwarten. Seit der Angelobung der Regierung im Dezember 2008 ist Ostermayer Staatssekretär. Er koordiniert für Faymann die Regierungsarbeit und ist gleichzeitig für Medien zuständig. Er hält dem Chef also den Rücken frei. Der Kanzler vertraut Ostermayer wie kaum einem Zweiten, was sich auch in entsprechendem Freiraum bei Entscheidungen äußert. Er muss nicht jedes kleine Detail absegnen lassen, heißt es. Mit seiner Beharrlichkeit konnte er sich beim Thema ORF in vielen Punkten gegen die ÖVP durchsetzen. "Er ist der Architekt der Macht von Werner Faymann", sagt einer aus der schwarzen Reichshälfte.

Ganz von der Hand zu weisen ist dieser Eindruck nicht: Der zweifache Familienvater begleitet Faymann seit bald 25 Jahren.

Kennengelernt haben sie einander in der Mietervereinigung. Abgesehen von einem zweijährigen Intermezzo als Chef des Wiener Wohnfonds (der später sein Gehalt als Kabinettschef im Infrastrukturministerium zahlen sollte) war Ostermayer, Sohn eines Maurers und einer Hausfrau, stets an der Seite Faymanns.

Böse Zungen in der Partei meinen sogar, der studierte Jurist sei der eigentliche Chef. Wobei das eben nicht für den Außenauftritt gilt, womit wir wieder beim mangelnden Streben nach dem Rampenlicht wären. In kleiner Runde meinte Ostermayer sogar einmal, der Job des Kabinettschefs sei sein wahrer Traumjob gewesen - nicht jener des Staatssekretärs.

Eines wird Ostermayer jedenfalls von Freund und Feind beschieden: Ähnlich wie seinem Chef seien ihm pragmatische, auf den Machterhalt ausgerichtete Lösungen wichtiger als das Verfolgen von Parteiideologie. (Günther Oswald, STANDARD-Printausgabe, 27.4.2011)

  • Josef Ostermayer (50) ist des Kanzlers Tafel-Beauftragter.
    foto: standard/cremer

    Josef Ostermayer (50) ist des Kanzlers Tafel-Beauftragter.

Share if you care.