Griechenland verfehlt versprochenes Sparziel eindeutig

26. April 2011 18:05

Auch Portugals Defizit höher, Irland mit Rekord-Neuverschuldung

Seit Wochen war spekuliert worden, seit Dienstag steht es fest:Griechenland steckt weit tiefer in den roten Zahlen als bisher erwartet. Das Haushaltsdefizit des Mittelmeerstaates lag 2010 bei 10,5 Prozent der Wirtschaftsleistung, wie die europäische Statistikbehörde Eurostat am Dienstag mitteilte. Damit verfehlte Griechenland sein mit der EU und dem Internationalen Währungsfonds vereinbartes Sparziel von 8,1 Prozent deutlich. Grund für die Revision ist der Wirtschaftseinbruch in Hellas. Die Regierung in Athen kündigte nach der Präsentation der Eurostat-Zahlen umgehend an, seinen Sparplan weiter zu verschärfen.

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Luxemburg/Brüssel/Athen - Was schon seit Wochen befürchtet wurde, ist seit Dienstag amtlich: Griechenland hat sein für 2011 angepeiltes Sparziel klar verfehlt. Mit seinen Geldgebern, dem internationalen Währungsfonds (IWF)und der EU, hatte Athen im Gegenzug für einen 110 Milliarden Euro Notkredit vereinbart, die öffentliche Neuverschuldung 2010 auf 8,1 Prozent der Wirtschaftsleistung zu drücken.

Das Haushaltsdefizit lag 2010 aber bei 10,5 Prozent der Wirtschaftsleistung, wie die europäische Statistikbehörde Eurostat am Dienstag mitteilte. Zuletzt hatten die EU und der IWF mit einem Fehlbetrag von 9,6 Prozent gerechnet. Grund für die erneute Korrektur ist die schwache Konjunktur des südosteuropäischenLandes. Massive Ausgabenkürzungen des Staates ließen die Wirtschaft schrumpfen, die Steuereinnahmen blieben daher weit unter den Prognosen zurück. Als Folge des Eurostat-Berichtes zogen die Kreditzinsen für griechische Anleihen neuerlich an.

Das griechische Finanzministerium erklärte nach Bekanntgabe der Zahlen, Griechenland bleibe auf Kurs bei seinem Reformprogramm. Seitens der EU werden positive Signale nach Athen gesandt. So lobte ein Sprecher der Währungskommissars Olli Rehn die griechischen Anstrengungen. Immerhin lag das Defizit 2009 noch bei über 15 Prozent.

Im Schuldenranking der EUist Griechenland mit 142,8 Prozent des BIP unangefochtener Spitzenreiter. Den großen Gesamtschuldenberg sieht Valentin Hofstätter, Analyst bei der Raiffeisen Bank International, als größtes Problem Griechenlands an. Athen müsse rasch neue Konsolidierungspläne auf den Tisch legen, um die laufende Spekulationen über eine Umschuldung zu beenden, meint Hofstätter im Standard-Gespräch.

Nur drei Musterschüler

Auch Irland wies 2010 ein schwindelerregend hohes Defizit auf. Mit 32,4 Prozent der Wirtschaftsleistung verzeichnet die Insel das größte Budgetloch der EU. Die Kosten für die Bankenrettungen schraubten den Fehlbetrag in die Höhe. Sie sind für 20,7 Prozentpunkte des Defizits verantwortlich und zwangen das Land 2010 unter den EU-Rettungsschirm.Portugal suchte als dritter Staat um Finanzhilfe der Eurozone an. Auch hier ist das Defizit größer als erwartet. 2010 verbuchen die Portugiesen einMinus von 9,1 Prozent, Lissabon peilte ursprünglich 8,6 Prozent an. Derzeit verhandelt die portugiesische Regierung mit EUund IWFum einen 80 Milliarden Kredit.

Nicht nur die Länder unter dem Rettungsschirm tun sich schwer mit dem Schuldenabbau. Zwar sank das Defizit im Euroraum von 6,3 Prozent 2009 auf sechs Prozent 2010, doch der Gesamtschuldenstand stieg von 79,3 Prozent auf 85,1 Prozent an. Nur drei Euro-Länder erfüllten 2010 die Maastricht-Kriterien: Finnland, Luxemburg und Estland. Das baltische Land trat 2011 der Eurozone bei und konnte sogar einen leichten Budgetüberschuss erwirtschaften.

In Österreich kletterte der Schuldenstand im Jahr 2010 auf 72,3 Prozent des BIP nach 69,6 Prozent 2009. Die Neuverschuldung markierte mit 4,6 Prozent einen 15-Jahres-Höchststand. Hauptgrund dafür ist die volle Berücksichtigung der Infrastrukturausgaben bei der ÖBB in der Staatsschuldenstatistik. (mal, Reuters, APA, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27.4.2011)

Kommentar posten
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Thanatos
03.05.2011 12:47
Staubsauger-Effekt

da Geld ähnlich der Gravitation schwach anziehende Effekte aufzuweisen scheint.... saugen große Geldmengen die kleinen Geldmengen auf und assimilieren diese... und je mehr Geld man in den Markt pumpt, desto schneller und stärker werden diese Effekte...

Das scheint in erster Linie eine Konsumenten- und Umverteilungskrise,
man sollte sich vielleicht ein Mittel überlegen, wie man das Geld wieder in die Menge bringt... (Kaufkraftverluste, zzt. komp. durch Exporte?)

aber da sehe ich schwarz!

Es wird wohl nicht mehr gelingen das Geld so "von Oben nach Unten" zu verteilen, sodass *nur ein Einziger* das annähernd als gerecht empfinden können wird. daher......
:)

linker Schlechtmensch
27.04.2011 20:01
Die

Yachthäfen in Griechenland und Portugal werden dafür immer voller.

Blaluba
27.04.2011 12:34
Weiter so!

>>Die Regierung in Athen kündigte nach der Präsentation der Eurostat-Zahlen umgehend an, seinen Sparplan weiter zu verschärfen.<<

Natürlich, nachdem das Sparen - wie abzusehen war - nicht die geringste Wirkung zeigt und die Situation nur verschärft, muss man die alten, wirkungslosen Konzepte auch weiter verschärfen.

Es ist nicht mehr zu fassen. Man springt sehenden Auges in den Abgrund. Entweder ist man blind, oder will einfach nicht wahrhaben, dass da einer ist.

nasserfetzn
27.04.2011 12:53

du hast es erfasst. es gibt hier eine massive verdrängungsleistung der profiteure unseres systems. denn griechenland müsste man als grundlage dafür nehmen, grundprinzipien unseres systems zu hinterfragen. davor haben die profiteure des systems massive angst. denn sie könnten macht verlieren. also wird weitergemacht. bis sie irgendwann so viel zorn auf sich geladen haben, dass sie flüchten müssen. oder am nächsten baum hängen.
passiert ja häufig so.
nur hat es diesmal ausmaße, die ein wirkliches umdenken erfordern. und deshalb auch eine massive verdrängungsleistung. diese wird aufgrund der intensität und weil sie notwendig ist für den profit im jetzigen system bis zum schluss anhalten.

GAGA3
27.04.2011 16:05

Ich glaube nicht, dass man die Profiteure unseres Systems, also die Pensionisten, Arbeitslosen, chronisch Kranken hängen wird, dass wäre doch übertrieben.

nasserfetzn
27.04.2011 17:44

lol das sind doch keine profiteure. denen wird nur deshalb ein halbwegs menschenwürdiges dasein ermöglicht, damit es nicht zu unruhen bzw. kriminalität kommt. damit die wirklichen profiteure das system weiter für sich nutzen können. du glaubst doch nicht, dass hier altruismus im spiel ist? nein, darauf baut unser system nicht (mehr) auf. es hat vor allem praktische gründe, warum es sozialleistungen gibt. außerdem funktioniert ein staat mit diesen sozialleistungen meiner meinung nach besser, effizienter und gleichzeitig menschlicher. daran gibt es nichts verwerfliches. die derzeitige entwicklung geht aber in eine andere richtung. die wirklichen profiteure werden immer gieriger und kennen weder maß noch ziel.

081547112
27.04.2011 11:10
a geh wirklich ?

nasserfetzn
27.04.2011 10:54

solange sich staaten von den geldschöpfenden kräften auf der nase herumtanzen lassen, und ihnen zuliebe sogar ihre eigene wirtschaft ruinieren, solange wird das alles weitergehen. und es wird auch uns treffen. nur eine frage der zeit.

der staat muss die kontrolle der währung übernehmen, und darf in eigener währung keine schulden machen können. wenn man diese macht weiterhin den banken überlässt, werden wir in immer größerem ausmaß von den banken gesteuert. diese sind dann dem staat übergeordnet, denn sie kontrollieren den staat über die kontrolle des geldes. wir sollten die regierung auflösen und ehrlicherweise die großen banken und konzerne als entscheidungsträger anerkennen. alles andere ist verarschung.

Markus Wagner
27.04.2011 12:04

Woher soll der Staat sonst seine Schulden aufnehmen? Einfach nur Geld drucken kann erst recht keine Lösung sein.

nasserfetzn
27.04.2011 12:19

ach? und wo ist der unterschied zu jetzt? kapital wird heute völlig hemmungslos auf den markt geworfen, ohne reglementierung, ohne staatliche kontrolle.
eine staatliche währungskontrolle würde natürlich reglementierungen unterworfen sein.

der staat muss überhaupt keine schulden haben. jedenfalls nicht für die ermöglichung des wirtschaftswachstums in eigener währung. wenn ein staat schulden hat, heißt das doch nur, dass er nicht die höchste instanz ist. die höchste instanz ist die bank, die das geld kontrolliert. die abhängigkeit davon nimmt im selben maße zu, wie die schulden und zinsen zunehmen. das ist ein mathematisches problem, das sich verschlimmern wird. diese abhängigkeit muss ein ende haben. sonst ist griechenland nur ein anfang.

Markus Wagner
27.04.2011 12:27

1.) Sie meinen "Geld" nicht "Kapital" und natürlich wird es nicht hemmungslos auf den Markt geworfen, sondern die EZB hat entsprechende Vorgaben, die sie einhalten muss (Inflationsziel, Steuerungsinstrumente, etc.)
2.) Nein, der Staat muss Schulden aufnehmen, weil er mehr ausgibt als er einnimmt. Das hat gar nichts damit zu tun wer die höchste Instanz ist. Wenn Sie sagen, dass Staaten keine Schulden aufnehmen dürfen, dann muss entweder Einnahmen = Ausgaben gelten oder der Staat muss enteignen.
3.) Ich bin bei Ihnen, dass die Abhängigkeit aufhören muss, das geht aber nur über ein ausgeglichenes Budget. Letztlich gehören die Schulden ja nicht der Bank, sondern uns allen, die wir unser Geld auf der Bank haben.

nasserfetzn
27.04.2011 12:46

1.) die ezb hat vorgaben? wieso merke ich davon nichts? die banken hatten lange die möglichkeit, völlig unbegrenzt geld zu leihen (unbegrenzte liquiditätsversorgung). vielleicht ist das sogar heute noch so. dann kauft die ezb auch noch den ganzen müll auf, den die banken produzieren. wo sind da die vorgaben?
2.) der staat gibt mehr aus als er einnimmt. die benötigte differenz müsste er allerdings selbst schaffen. geldschöpfung muss staatlich werden. dafür gibt es dann weder schulden noch zinsen.
3.) bitte um erklärung. wem gehören schulden? schulden hat man. dem gläubiger gehört die summe. und das gesamte existierende geld ist nur geliehen und gehört der bank. in dem zusammenhang verstehe ich den punkt nicht.

Markus Wagner
27.04.2011 20:50

1.) Ja und das war so lange möglich so lange es keinen Inflationsdruck gab. Daher auch die Leitzinserhöhung vor kurzem. Und natürlich: Ein Aspekt der Aufgaben des EZB ist natürlich auch das Bankensystem abzusichern, die FED zum Beispiel ist alleine deswegen entstanden.
2.) Aber Inflation und zwar wesentlich mehr pro gedrucktem Euro als das mit dem momentanen System der Fall wäre.
3.) Das gesamte existierende Geld gehört nicht der Bank, weiß nicht woher Sie das haben. Österreicher haben ja Milliarden an Euros auf den Banken liegen, das auch den einzelnen Leuten gehört. Aus dieser Masse und zusätzlich durch die Ausweitung der Geldmenge per Kredit können die Banken dem Staat Geld leihen.

nasserfetzn
27.04.2011 21:10

2.) bitte genauer erläutern. warum steigt dann die inflation? ich sehe dafür keinen anlass.
3.) leider ist das tatsächlich so. jegliches existierendes geld ist erst durch kredit entstanden. deshalb auch die unmöglichkeit der rückzahlung.
und die banken leihen dem staat nicht das geld, das irgendjemand besitzt (bzw. sich geborgt hat). sie erschaffen das geld einfach. bitte mal unter giralgeldschöpfung auf wikipedia nachlesen.
das geld, das man 'auf der bank liegen' hat, dient nur mehr zur absicherung der geldschöpfung. die ausweitung der geldmenge hat perverse ausmaße angenommen. das wird uns noch auf den kopf fallen (und wäre imho mit staatlicher geldschöpfung nicht passiert).

Markus Wagner
28.04.2011 18:17

3.) Also Geld ist nicht nur aus Kredit entstanden. Weiß nicht, woher Sie das haben. Sie können ja mal über die Offenmarktgeschäfte der EZB nachlesen, da entsteht Geld ohne jeden Kredit.

Und nein: Banken erschaffen Geld nicht "einfach" sondern durch Einlagen und Kredite, die wiederum Einlagen werden. Dazu brauche ich kein Wikipedia, ich hab das studiert. Das Geld, das auf der Bank liegt, gehört auch als Buchgeld dem jeweiligen Besitzer, denn dieser hat es ja auch eingezahlt. Ich hab jetzt nicht den Platz die Mechanik im Detail hinzuschreiben, aber es ist definitiv nicht so, dass die Bank einfach sich selbst Geld vermehrt.

Und nein, das passiert auch bei staatlicher Geldschöpfung wenn Banken Kredite vergeben.

Markus Wagner
28.04.2011 18:13

2.) Naja, was passiert mit dem Geld des Staates: Es wird an die Leute verteilt und damit das verfügbare Einkommen erhöht. Das erhöht die Nachfrage und damit die Preise -> Inflation. Warum ist diese aber höher als im momentanen System? Die Staatsschulden, die auch jetzt zur Erhöhung der verfügbaren Einkommen führt muss zuerst ausgeliehen werden. Dieses Ausleihen vermindert aber das verfügbare Einkommen in gleichem Maße.

Neu geschaffenes Geld der EZB aber läuft in Investitionen oder aber überhaupt im Finanzmarkt herum und ist nur selten direkt konsum- bzw. inflationswirksam.

Ich bin der letzte, der behauptet, dass das alles wissenschaftlich gesicherte Erkenntnisse sind, aber es ist zumindest einigermaßen plausibel.

gugl hupf
27.04.2011 10:18
Anleitung wie die Politik die Bevölkerung systematisch and die Banken verkauft ...

1. Banken werden mit Steuergeld vor dem selbstverschuldeten Untergang gerettet
2. Die Länder setzen keinerlei Konsequenzen für die Banken
3. Aufgrund hoher Staatsschulden verlangen Banken horrende Kreditzinsen - ohne das geringste Risiko, da die Staaten mittels Rettungsschirm die Rückzahlung garantieren

Durch unsere Politiker können Banken also:

- Hochrisikospekulationen die daneben gegangen sind mit Steuergeld bezahlt bekommen
- Hohe Zinsraten für durch Steuergeld abgesicherte Kredite verlangen
- Werden, wenn das System scheitert (was passieren wird) wieder vom Steuergeld gerettet werden

... und sie können weitermachen wie bisher ...

Politiker sind die Zuhälter der Steuerzahler - Abkassieren ohne die geringste Leistung zu erbringen.

F1N4NZBÜRG3R
27.04.2011 10:52

Ein veraltetes, und wie man immer mehr hört - korruptes System zulassen, tut der Wähler! Veraltetes System modifizieren, Apparat rationalisieren und gerechte, transparente Politik kreieren)))

dasBeobachter.blogspot.com
27.04.2011 10:49
Einfach: Gewinne werden privatisiert, Verluste verstaatlicht.

im übrigen retten die staaten die banken ja mit krediten, die sie von den banken bekommen, um sie zu retten.

die steuergelder benötigt man für die zinsen, der kredite, die die banken retten. ;)

"wos woa do no glei mei leistung"?

Reich sein muss sich lohnen!
27.04.2011 10:31

Das ist auch nicht verwunderlich.
Gerade Finanzminister kommen oft direkt von den Banken oder wechseln nach ihrer Amtszeit dorthin.
Zu Pröll gab's ja auch bereits Meldungen das er zur Raiffeisen gehen wird.

dasBeobachter.blogspot.com
27.04.2011 10:02
Die Griechen weigern sich, die marode USA und die gierigen Banken zu sponsorieren.

sollten die doch auf den schulden sitzen bleiben...

weiter so griechenland. - meldet doch einfach konkurs an.

gigngogn
27.04.2011 11:24
Das wird sicher lustig, man reisst sich ja bekanntermassen darum jemanden der gerade konkurs gemacht hat einen Kredit für dasselbe Geschäftsmodell mit denselben handelnden Personen zu geben

Oder glaubens ie nur weil dann die Schulden weg sind wirtschaften die Griechen plötzlich anders und müssen sich kein Geld mehr ausborgen?

dasBeobachter.blogspot.com
27.04.2011 11:48
Na, dann melden wir halt alle Konkurs an.

wir dürfen danach nur nicht so dumm sein, und die banken retten.

gigngogn
27.04.2011 13:34
Ich fürchte mal das haben sie nicht zu Ende gedacht, was geschieht denn mit ihrem Job wenn ihr Arbeitsgeber Konkurs anmeldet?

dasBeobachter.blogspot.com
27.04.2011 16:28
Was geschah, als in Irland die Banken über Monate streikten?

was geschah in wörgl in der zwischenkriegszeit?

wenn ein betrieb konkurs anmeldet, heißt das, er hört mit der produktion auf?????

interessante ansicht...

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