Hypo NÖ braucht Garantie für schwarze Zahlen

26. April 2011, 17:42
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Die niederösterreichische Hypo-Retailbank hätte im Vorjahr einen Verlust geschrieben - wäre ihr nicht die Mutter mit einer Garantie zur Seite gesprungen

Die niederösterreichische Hypo-Retailbank hätte im Vorjahr einen Verlust geschrieben - wäre ihr nicht die Mutter mit einer Garantie zur Seite gesprungen. Das Problem: Wertberichtigungen für faule Kredite.

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Wien - Die landeseigene Hypo NÖ Landesbank hat das Geschäftsjahr 2010 nur dank tatkräftiger, finanzieller Unterstützung ihrer Muttergesellschaft mit einem kleinenGewinn von knapp 60.000 Euro abschließen können. Die Hypo NÖGruppe (bis vor kurzem hieß sie Hypo Investmentbank; HIB) hat ihrer Retail-Tochter eine Garantie von 16 Mio. Euro zukommen lassen, von der diese rund 3,76 Mio. in Anspruch genommen hat. Ohne diese (in der Gewinn- und Verlustrechnung als außerordentlichen Ertrag verbuchte) Maßnahme hätte die Bank einen Verlust von rund 3,61 Mio. Euro ausweisen müssen.

Dieses Faktum erschließt sich aus dem nun veröffentlichten Jahresfinanzbericht der St. Pöltner Bankengruppe. In der Hypo-Aussendung vom 18. April zur "soliden Bilanz 2010" wurde es freilich nicht erwähnt. In Zahlen schlug sich in der Aussendung nur das - positive - Konzernergebnis der ganzen Gruppe von 7,1 Mio. Euro (nach Steuern) nieder. Zur Erklärung: Die Hypo Gruppe ist im Investmentbanking tätig, weiters gehören jede Menge (und zwar: 102) Tochtergesellschaften dazu, die zum Beispiel das Leasing- und Immobiliengeschäft abdecken, aber auch für Niederösterreichs Kultur oder diverse Vermietungen zuständig sind. 2009 machte die Gruppe noch einenGewinn von rund 20 Mio.Euro.

Die Retailbank, heißt es in der Aussendung, habe 2010 zwar "umfangreiche Wertberichtigungen" vorgenommen, "konnte aber trotzdem einen knapp positiven Jahresgewinn erreichen." Und, so die Niederösterreicher weiter: "In diesen bewegtenZeiten konnte die Hypo NÖLandesbank das Bedürfnis der Kunden nach Sicherheit und Stabilität ... erfüllen und sieht das weiterhin als Auftrag für die kommenden Jahre."

Tatsächlich war im Vorjahr vor allem die Stabilität des Kreditgeschäfts der Retailbank begrenzt. Zahl und Höhe der faulenKredite sind gestiegen, laut Geschäftsbericht waren "erhöhte Risikovorsorgen imPrivat- und Firmenkundengeschäft zu beobachten" . Und eben diese hätten zur Einräumung der Konzerngarantie geführt. Zur Erinnerung: Das Land Niederösterreich haftet für seine Bank in Summe mit 5,55 Mrd. Euro.

In der Retailbank sind die Wertberichtigungen im Vorjahr um 12,7 Mio. auf 21,5 Mio. Euro angestiegen. Wie berichtet hat sich das Institut, das seinen Schwerpunkt auf Retail-, Unternehmens- und Großwohnbau-Finanzierung legt, bei S&T-Gründer Thomas Streimelweger ebenso engagiert wie beim Amstettner Straftäter Josef F. oder bei der pleitegegangenen Immobiliengesellschaft Stade. Die Gruppe insgesamt ist auch in Griechenland investiert: 40 Mio. Euro Nominale stecken in griechischen Staatsanleihen und 10,7 Mio. schuldet ihr laut Finanzbericht eine nicht näher genannte "griechische Gemeinde" .

Augustus drückt Gewinn

Auf Konzernebene schlug sich 2010 vor allem das irische Abenteuer Augustus in den Büchern nieder. Dort lagerten bis vor kurzem abgestürzte Wertpapiere von Niederösterreichs Vermögensverwaltungsgesellschaft Fibeg (verwaltet auch die Erlöse aus den Wohnbaudarlehen) und Hypo; angekauft waren die mit 800 Mio. Euro Hypo-Kredit. DieBankenaufsicht sieht darin die 6,9-fache Überschreitung der Großveranlagungsgrenze und hat eine Strafzinszahlung von 57,9 Mio. Euro angekündigt. Die Hypo (und all ihre Gutachter, zu denen auch die Kanzlei von SP-Justizsprecher Hannes Jarolim zählt) sieht sich zwar imRecht und will den Instanzenzug ausschöpfen, hat die fast 58 Mio. Euro nun aber zurGänze rückgestellt.

Der Kredit ist zwar inzwischen bezahlt und Augustus (Eigenkapital: einEuro) aufgelöst - gekostet hat der Ausflug nach Dublin die Hypo-Gruppe aber trotzdem: 10,5 Mio. Euro, die für die "Restrukturierung" von Augustus rückgestellt waren, wurden laut Bilanz 2010 ihrer "Bestimmung" zugeführt - also: verbraucht. (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27.4.2011)

  • Die niederösterreichische Landesbank geriet 2010 operativ unter die Welle und somit unter Wasser - die Mutter musste sie mit Haftungen in die schwarzen Zahlen fischen.
    foto: standard/matthias cremer

    Die niederösterreichische Landesbank geriet 2010 operativ unter die Welle und somit unter Wasser - die Mutter musste sie mit Haftungen in die schwarzen Zahlen fischen.

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