Die ersten Camper haben ihre Zelte aufgeschlagen

26. April 2011, 17:44
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Hysterische Vorfreude ist in London aber noch nicht zu spüren

London - Die ersten Camper nehmen ihre Plätze ein, Matrosen proben ihre Aufstellung, die Polizei kündigt Spezialteams zum Schutz der hohen Gäste an: Die Vorbereitungen für die Hochzeit von Prinz William und Kate Middleton sind in der heißen Phase angekommen. Am Dienstag wurde überall in der Londoner Innenstadt gewerkelt, Zeitungen veröffentlichten Sonderbeilagen, die Anreise der Königshaus-Fans ging weiter. Hysterische Vorfreude herrscht in London aber (noch) nicht.

Vor der Westminster Abbey in London schossen die ersten Zelte hartgesottener Fans aus dem Boden, die sich die besten Zuschauerplätze sichern wollten. John I., zählt vermutlich zu den frühesten Hochzeits-Campern. Eingehüllt in royale Devotionalien sieht er vielleicht ein wenig "crazy" aus. Doch der 56-Jährige weiß ganz genau, was er da tut. Der kleingewachsene, hagere Mann verbringt bereits den sechsten Tag auf der Straße. Obdachlos aus Überzeugung. Und ein bisserl auch für Lady Di.

"Di wäre stolz"

"Sie wäre sehr stolz auf ihren Sohn William" und natürlich auch auf Prinz Harry, der schließlich 'the Best Man', also Trauzeuge seines Bruders ist. Nichts wünscht sich John mehr, als dass er den Kuss des Brautpaares sehen könnte. Darauf sollten alle ihre Gläser erheben, meint er. Und die Fahnen des gesamten Commonwealth sollten wehen, die indischen, die kanadischen, einfach alle.

Das royale Hochzeitsfieber ist - bis auf die Souvenir-Shopbesitzer - noch nicht auf die Leute auf der Straße übergesprungen. In Paddington wirbt ein Lokal mit Live-Übertragung von 9.00 bis 17.00 Uhr. Bei Leicester Square sind zwei Pubs ordentlich ausgeflaggt. Aber sonst? Am legendären Camden Market sitzen die Leute auf Mofa-Hälften, essen "Asian Food" und wippen zu den dumpfen Bässen, die aus den hippen Stores dröhnen. Royal Wedding? Kein Thema. Selbst auf der mondänen, ein bisschen seelenlosen Oxford Street erinnert absolut nichts an das bevorstehende Megaevent.

Die Londoner Polizei kündigte an, 70 bis 80 Spezialteams abzustellen, um die Hochzeit zu sichern. Zur Trauung am Freitag werden 50 Staatsoberhäupter vor allem aus Commonwealth Ländern sowie europäischer Hochadel und Stars wie Elton John, Rowan Atkinson und David Beckham erwartet.

Die Polizei hat nach eigenen Angaben jedoch keine konkreten Erkenntnisse über terroristische Bedrohungen für das Fest. "Dies wird ein Tag des Feierns, der Freude und des Prunks", sagte Polizei-Einsatzleiterin Christine Jones. "Wir lägen aber falsch, wenn wir angekündigte Proteste in unserem Plan B nicht berücksichtigen würden."

Im Vorfeld hatten mehrere Gruppen - darunter auch radikale - Demonstrationen angemeldet. Die Metropolitan Police sprach gegen 60 mutmaßliche Störer vorbeugend Platzverweise aus. Jeder, der versuche, die Hochzeit des künftigen britischen Thronfolgers zu stören, müsse "mit einer robusten Antwort" der Sicherheitskräfte rechnen. Jones forderte die Bevölkerung und die Touristen auf, mit den 5.000 Polizisten in der Menge und an den Straßenrändern zu kommunizieren.

Musik probt

Eher zeremonielle Bedeutung haben jedoch die Matrosen der Royal Navy, die am Dienstag in der Grafschaft Hampshire ihren Auftritt bei der Hochzeit übten. Unter den Matrosen, die an der Kirchentür Spalier stehen werden, ist auch ein entfernter Cousin von Kate. Auch die Musikgruppen, die entlang der Strecke spielen werden, probten am Dienstag ihre Auftritte.

Obwohl sie während ihrer Trauung permanent unter Kamerabeobachtung sein werden, ist William und Kate am kommenden Freitag auch ein kurzer, privater Moment in der Kirche vergönnt. Nach der Trauung werde sich das Paar für wenige Minuten in eine Seitenkapelle der Westminster Abbey zurückziehen, um dort seine Unterschriften ins Heiratsregister zu leisten, berichtete "The Times" am Dienstag. Dabei sollen die Kameras draußenbleiben und höchstens Privatbilder gemacht werden. (APA/dpa)

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    Warten auf den großen Tag: Camper in London

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