Macht, Sex und Musik

26. April 2011, 17:36
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Gibt es ein Leben vor dem Tod? Leidenschaften mit Risiken und Nebenwirkungen: Lesungen von Julya Rabinowich, Linda Stift und Ernst Molden

Salzburg - Der Mittwochabend (27.4.) gehört den neuen Büchern dreier heimischer Autoren, die in Wien leben und deren aktuelle Werke heuer im Deuticke-Verlag erschienen sind.

Julya Rabinowich wurde 1970 im damaligen Leningrad geboren, mit sieben Jahren kam sie nach Wien, wo sie inzwischen neben etlichen Theaterstücken auch ihr in Rauris ausgezeichnetes Prosadebüt Spaltkopf (2008) vorlegte, das von einer jüdischen Familie, die in den 1970ern aus der Sowjetunion auswandert, erzählt. Im Nachfolgeroman Herznovelle wird eine Frau von ihrem Mann ins Spital gebracht, die dort durchgeführte Herzoperation verläuft erfolgreich. Nach der Rückkehr in die häusliche Umgebung stellt sich bald ein Unbehagen in Form von Träumen ein: von einem anderen Leben, mit mehr Leidenschaft.

Nur unwesentlich älter als Rabinowich ist die gebürtige Südsteirerin Linda Stift, die nach dem Debütroman Kingpeng (2005, es geht um Macht und Sexualität anhand einer zwanghaften Geschwisterbeziehung) in Stierhunger das Thema Bulimie behandelte. Auch in Kein einziger Tag geht es um eine Obsession - den unbedingten Wunsch nach Nähe. Paul und Paco sind als siamesische Zwillinge zur Welt gekommen, die spätere Trennung hat Paco aber nie akzeptiert, woraufhin sein Bruder irgendwann "geflüchtet" ist: eine Charakterstudie über Nähe und Distanz.

Ältester in dieser Schriftsteller-Troika ist Ernst Molden. Den kennt man vor allem als Musiker, der die Wiener Sprachtradition eines H. C. Artmann oder Helmut Qualtinger mit Blues- und Country-Americana verbindet. Kein Wunder, dass Molden etwa mit gleichgesinnten Kräften wie Willi Resetarits oder Walter Soyka zusammenarbeitet. Das Liederbuch versammelt Songtexte aus den letzten 15 Jahren, wie diese in der Vertonung klingen, kann im Anschluss an die Lesungen gleich vor Ort überprüft werden. (Gerhard Dorfi/DER STANDARD, Printausgabe, 27. 4. 2011)


Salzburg, Literaturhaus, 0662/42 24 11. 20.00

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