"Einige Mönche stören die soziale Ordnung"

26. April 2011, 17:04
9 Postings

Peking bestätigt schwere Zwischenfälle in tibetischem Kloster

Peking - Die chinesische Regierung hat schwere Zwischenfälle im tibetischen Kloster Kirti in der Südwestprovinz Sichuan bestätigt, ohne auf Berichte über Todesfälle einzugehen. "Einige wenige Mönche haben schon längere Zeit die soziale Ordnung schwer gestört", sagte der Sprecher des Außenministeriums, Hong Lei, am Dienstag in Peking. Die Präfektur Ngaba habe das Kloster einer "kollektiven Rechtserziehung" unterzogen. Das Vorgehen sei notwendig, "um die normale religiöse Ordnung zu wahren".

Auf exiltibetische Berichte, dass bei der Erstürmung des Klosters in der Nacht auf Freitag zwei Menschen ums Leben gekommen seien, ging der Außenamtssprecher nicht ein. Nach Angaben exiltibetischer Organisationen wurden mehr als 300 Mönche gewaltsam an einen unbekannten Ort abtransportiert, um eine "patriotische Erziehungskampagne" über sich ergehen zu lassen. Zahlreiche meist ältere Menschen hätten versucht, die Mönche zu schützen und Blockaden gebildet, um Polizisten, Soldaten und Funktionäre daran zu hindern, in das Kloster einzudringen. Sie seien auch gewaltsam entfernt und in vier Armeelastwagen weggebracht worden, berichtete die Organisation Free Tibet. Dabei seien ein 60-jähriger Mann und eine 65-jährige Frau ums Leben gekommen.

Seit Mitte März gibt es Unruhen in Ngaba, nachdem sich ein Mönch des Klosters selbst verbrannt hatte. Schon Mitte April hatten chinesische Sicherheitskräfte vergeblich versucht, in das Kloster einzudringen, um Mönche zwischen 18 und 40 Jahren zur "Umerziehung" abzuholen. Die 1965 von den Kommunisten errichtete "Autonome Region" Tibet ist wesentlich kleiner als das alte Tibet, das auch große Teile der heutigen Provinz Qinghai und den Westen der Provinz Sichuan umfasste. Im Rahmen der chinesischen "Kulturrevolution" von 1966 bis 1976 wurden zahlreiche Tempel und Klöster zerstört, Mönche wurden zur "Umerziehung" in Arbeitslager gesteckt.

Nach der Wahl eines neuen Premierministers und Parlaments der Exiltibeter werden am Mittwoch im nordindischen Dharamsala die Ergebnisse verkündet. Die Wahl des künftigen Regierungschefs hat dieses Mal besondere Bedeutung, weil der Dalai Lama als Oberhaupt der Tibeter seine politischen Aufgaben abgeben will. Als Favorit für das Amt des Exil-Premierministers gilt der 43 Jahre alte Menschenrechtsexperte Lobsang Sangay, der derzeit an der Universität Harvard in den USA forscht. Zur Wahl waren am 20. März mehr als 83.000 Exiltibeter vor allem in Nordindien aufgerufen. Der seit 2001 amtierende Premier Samdhong Rinpoche war nach zwei Legislaturperioden nicht mehr angetreten. (APA)

Share if you care.