Museumsdiebstahl

26. April 2011, 18:51
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Von paradiesischen Zuständen wie in Österreich können die Ägypter nur träumen

Die postrevolutionären Ägypter sind sehr eifrig beim Aufräumen ihres Staates - und beim Bestrafen jener, die sie für dessen miesen Zustand verantwortlich machen. So wurden vergangene Woche fünf Beamte, darunter ein Sektionschef im Kulturministerium, zu Gefängnisstrafen verurteilt dafür, einen Gemäldediebstahl "verursacht zu haben", indem sie nicht für entsprechende Sicherungsvorkehrungen sorgten.

Gut, beim gestohlenen Bild handelt es sich um van Goghs "Vase mit Blumen", das im August 2010 aus dem Mahmud-Khalil-Museum in Kairo gestohlen wurde und nicht wieder aufgetaucht ist, Schätzwert 55 Millionen US-Dollar. Und die schlamperten Zustände im Museum, wo nur sieben von 43 Überwachungskameras und die Alarmanlage überhaupt nicht funktionierten, sind legendär.

Der Sektionschef wurde zu einem Jahr Haft und Arbeit für die Gemeinschaft verknackt, vier Museumsangestellte erhielten je sechs Monate. Der Korrektheit zuliebe muss man anmerken, dass die Strafverfolgung bereits vor der Revolution eingesetzt hat, aber das Sich's-richten-können-Potenzial dürfte im neuen Ägypten erheblich geringer sein.

Und von paradiesischen Zuständen wie in Österreich, wo der Museumsdirektor, dem eh nur ein Salzfassl gestohlen wird, pflichteifrigst der Ministerin seinen Rücktritt anbietet, der selbstverständlich huldvollst abgelehnt wird, können die Ägypter nur träumen. (Gudrun Harrer, DER STANDARD - Printausgabe, 27. April 2011)

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