Partnerschaft zwischen Enel und Edf im Atombereich hat immer noch Zukunft
Rom - Obwohl seine Regierung auf den geplanten Bau von
Atommeilern verzichtet hat, vertraut Italiens Premier Silvio
Berlusconi noch fest auf die Kernkraftenergie. "Wir sind überzeugt,
dass die Atomenergie die Zukunft für die ganze Welt ist", erklärte
Berlusconi bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Frankreichs
Präsidenten Nicolas Sarkozy am Dienstag in Rom.
Seine Regierung habe aus Angst vor einer Niederlage bei dem im
Juni vorgesehenen Referendum gegen den Bau neuer Atomkraftwerke auf
den geplanten Wiedereinstieg in die Atomenergie verzichtet, gab
Berlusconi zu. "Die Leute sind nach dem Atomunfall in Fukushima gegen
die Atomenergie. Jetzt ein Referendum zuzulassen, würde bedeuten, in
Italien für immer auf Atomenergie verzichten zu müssen. Daher haben
wir uns für ein Moratorium entschieden. Wir wollen die Situation in
Japan klären und in zwei Jahren wieder mit der Frage an die
Öffentlichkeit treten. Kernkraftwerke werden immer sicherer",
erklärte Berlusconi.
"Konzerne werden weiter zusammenarbeiten"
Laut dem Premier habe die Partnerschaft zwischen dem
italienischen
Energiekonzern Enel und dem französischen Unternehmen Edf im
Atombereich immer noch eine Zukunft. "Die Abkommen zwischen den
beiden Unternehmen werden nicht gestrichen, die beiden Konzerne
werden noch in vielen Bereichen zusammenarbeiten", versicherte
Berlusconi.
Sarkozy meinte, Frankreich respektiere Italiens Beschluss über
die
Atomenergie. "Sollten die Italiener sich zur Rückkehr zur Atomenergie
entschließen, wird Frankreich in diesem Bereich ein zuverlässiger
Freund und Partner sein", kommentierte der französische Präsident.
Die Regierung in Rom hatte unter dem Eindruck der
Atomkatastrophe
im japanischen Fukushima am 23. März ein einjähriges
Planungsmoratorium für Atomkraftwerke verhängt. Vor zehn Tagen sagte
Ministerpräsident Silvio Berlusconi, vermutlich seien zwei Jahre
nötig, um "die Italiener davon zu überzeugen", dass die Atomkraft
sicher sei. Mit dem nun eingeleiteten Stopp des Wiedereinstiegs in
die Atomenergie will die Regierung laut Medienberichten eine von der
Opposition für den 12. und 13. Juni durchgesetzte Befragung der
italienischen Bevölkerung über die Atomkraftnutzung verhindern.
Umfragen zufolge ist die Mehrheit der Italiener gegen den Bau von
neuen AKW.
Italien, das nach der Katastrophe in Tschernobyl 1986 im
folgenden
Jahr aufgrund eines Referendums aus der Atomenergie ausgestiegen war,
hatte im Jahr 2008 wieder ein Gesetz zur Planung von Meilern
beschlossen. Ab dem Jahr 2014 hätten neue Atomkraftwerke gebaut
werden sollen. (APA)