Nobelpreisträger bei Tiroler Graphen-Tagung

26. April 2011, 19:21
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Experten diskutieren in Obergurgel mögliche Anwendungen des "Wundermaterials"

Den beiden Physikern Andre Geim und Konstantin Novoselov verhalf es 2010 zum Nobelpreis, noch bis Freitag steht es im Mittelpunkt eines Kongresses im Universitätszentrum im Tiroler Obergurgl: Graphen.

Die zweidimensionalen, aus Grafit hergestellten Kohlenstoffatome gelten nicht nur in der Grundlagenforschung als "Wundermaterial". Aufgrund der vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten könnten sie in Zukunft auch die Elektrotechnik revolutionieren. Im Zentrum der seit Sonntag laufenden Tagung stehen daher die Fortschritte bei der Herstellung und Verarbeitung des Kohlenstoffmaterials sowie dessen mögliche neue Einsatzgebiete.

Geim, der an dem Kongress in Obergurgl teilnehmen wird, ist es bereits 2004 gemeinsam mit Novoselov gelungen, die weltweit ersten zweidimensionalen Kristalle aus Kohlenstoffatomen herzustellen. Graphen, das nur ein Atom dick ist und aus einer wabenartig angeordneten Kristallstruktur besteht, gilt nicht nur als das dünnste, steifste und stärkste Material. Es hat überdies eine hohe elektronische Leitfähigkeit.

Silizium-Ersatz

Daher verspricht man sich von ihm auch eine Vielzahl an praktischen Anwendungen. Beispielsweise könnten künftig Graphentransistoren die heute üblichen Siliziumbauteile in Mikrochips ablösen. Aber auch für Schaltkreise, Solarzellen, Kondensatoren und biomedizinische Geräte könnte es eingesetzt werden.

Bei der Graphen-Woche im Universitätszentrum Obergurgl werden international führende Experten auch über die optischen Eigenschaften des Materials und deren Anwendung auf dem Gebiet der Optoelektronik sprechen. Diskutiert werden Verfahren zur Herstellung von Graphen durch mechanische und chemische Exfoliation (Abblätterung) sowie dessen Synthese und Herstellung auf Oberflächen von Metallen und Halbleitern.

Die Universität Innsbruck veranstaltet die Tagung gemeinsam mit der European Science Foundation (ESF), einer unabhängigen europäischen Stiftung zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung mit Sitz in Straßburg. Das Universitätszentrum Obergurgl liegt auf 1940 Meter Höhe. Seit 60 Jahren dient es Forschern als Basisstation für die Erforschung des Hochgebirges. (APA, red/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27.4. 2011)

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