Gehirn "schrumpft" bei Übergewicht andersartig

26. April 2011, 16:18
  • Bei übergewichtigen Frauen traten im Corpus callosum größere Veränderungen (rot markiert) auf als bei den männlichen Testpersonen.
    vergrößern 500x497
    foto: mpi für kognitions- und neurowissenschaften

    Bei übergewichtigen Frauen traten im Corpus callosum größere Veränderungen (rot markiert) auf als bei den männlichen Testpersonen.

  • Laut Studien macht das Gehirn bei Übergewicht einen Degenerationsprozess durch
    foto: apa/barbara gindl

    Laut Studien macht das Gehirn bei Übergewicht einen Degenerationsprozess durch

Abhängigkeit zwischen Body-Mass-Index und strukturellen Eigenschaften der weißen Substanz bei Frauen besonders ausgeprägt

Übergewicht zählt zu den häufigsten Zivilisationskrankheiten und hat eine Vielzahl von negativen Auswirkungen auf die Gesundheit. Dazu gehören auch Veränderungen des Gehirns. Studien der letzten Jahre ergaben, dass Menschen mit stark erhöhtem Gewicht ein geringeres Gehirnvolumen und eine verringerte Gewebedichte in der grauen Substanz haben. Forscher vom Leipziger Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften haben nun zusammen mit der Abteilung für Endokrinologie des Universitätsklinikums Leipzig, dem Integrierten Forschungs- und Behandlungszentrum Adipositaserkrankungen in Leipzig und dem University College London erstmals geschlechtsspezifische Unterschiede festgestellt, heißt es in einer Aussendung.

Bewegungen der Wassermoleküle im Gehirn

Die Forscher untersuchten die Gehirne von normalgewichtigen bis stark übergewichtigen Frauen und Männern mithilfe diffusionsgewichteter Magnetresonanztomographie (MRT). Mit dieser Methode lassen sich Bewegungen der Wassermoleküle im Gehirn erfassen, die von Barrieren im Gewebe - wie etwa den Nervenfasern - beeinflusst werden. Die Technik ist deshalb besonders geeignet um die weiße Substanz zu untersuchen, in der sich die Nervenfasern befinden. Diese bestehen aus den signalübertragenden Fortsätzen der Nervenzellen, den Axonen, und einer mehrlagigen isolierenden Membranschicht, dem Myelin.

"Wenn sich die Beweglichkeit der Wassermoleküle im Hirngewebe auf bestimmte Weise verändert, kann das darauf hinweisen, dass Axone oder Myelin geschädigt sind", so Karsten Müller, der Erstautor der Studie. Genau diese Veränderungen traten im Corpus callosum auf, einer Struktur aus etwa 250 Millionen Nervenfasern, die linke und rechte Hirnhälfte miteinander verbindet.

Unterschiede zwischen Frauen und Männern

Die Beweglichkeit des Wassers war bei zunehmendem BMI sowohl entlang der Nervenfasern als auch senkrecht zu ihnen verändert. Dabei stellten die Forscher bei beiden Geschlechtern eine verlangsamte Diffusion in Faserrichtung fest. Nur bei den Frauen zeigte sich zudem auch eine erhöhte Beweglichkeit senkrecht zur Faserrichtung. Beide Befunde könnten auf - möglicherweise unterschiedliche - Degenerationsprozesse hinweisen.

Die Diffusionsunterschiede, die ähnlich auch im Zusammenhang mit vorzeitiger Alterung des Gewebes zu beobachten sind, waren bei den weiblichen Versuchspersonen ausgeprägter und betrafen größere Teile des Corpus callosum. Laut den Forschern ist es das erste Mal, dass bei der Wirkung von Übergewicht auf das Gehirn systematische Unterschiede zwischen den Geschlechtern nachgewiesen werden konnten. Dies könnte, so die Forscher, möglicherweise damit zusammenhängen, dass die Faserverknüpfungen zwischen den Hirnhälften bei Männern und Frauen insgesamt Unterschiede zeigen. Noch lasse sich aus den Daten jedoch nicht ableiten, welche mikrostrukturellen Veränderungen tatsächlich vorliegen. Weitere Studien sollen dies in den nächsten Jahren aufklären. (red, derStandard.at, 26.4.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 37
1 2
ist das reversibel

ich mein, bringt Abnehmen überhaupt was?

es gibt augenfälligere hinweise auf den unterschied der geschlechter. aber sonst sehr aufschlußreicher artikel: wir ticken doch sehr verschieden, wollen aber trotzdem vom gesetz gleich behandelt werden. schließt das eine das andere aus?

Kann durchaus auch Positiv sein...

Da gabs ja mal Einen, da fehlte überhaupt eine Gehirnhälfte.
Keiner hat was bemerkt.

es gibt viele, denen fehlt das ganze Gehirn und sie merken's nicht

wie wärs damit:aber geh,

kleineres Hirn - kürzere Leitungen - schnellere Verarbeitung

klingt logisch! :-)

bei Ihnen scheints gerade umgekehrt zu sein

Wissenschaft ist anders

„Wenn sich die Beweglichkeit der Wassermoleküle im Hirngewebe auf bestimmte Weise verändert, kann das darauf hinweisen, dass Axone oder Myelin geschädigt sind …“

„Kann“ heißt aber nicht „unter diesen und jenen Umständen“ oder „daraus folgt zwangsläufig“. Was also haben diese Leute festgesellt? Sie haben eine statistische Auffälligkeit registriert, ohne die Ursachen erklären zu können. Erkenntnis = null.

forschern des max-planck-institutes nach so einer arbeit die erkenntnis null zu unterstellen ist schon sehr... sehr... sehr mutig

Ein "daraus folgt zwangsläufig" gibts nur...

...in den Formalwissenschaften. Sie haben eindeutig keinen Tau von Naturwissenschaft.

Sie haben auch aufmerksam mitgelesen.

Die meisten sehen nur die Kernaussage und halten sie aufgrund der wissenschaftlichen Pseudoargumentation für "akkurat". Ein Konjunktiv hat da aber nichts zu suchen.

Leider typisch für jene Art von Gefälligkeitswissenschaft, die derzeit so oft im Gesundheitsbereich stattfindet. Am besten schaut man dann immer gleich, wer die Studie finanziert hat.

Am besten schaut man dann immer gleich, wer die Studie finanziert hat.

Stimmt, dann braucht man weder sein Gehirn zu benutzen, noch sich mit Argumenten auseinanderzusetzen, was Ihnen ja beides ein Greuel zu sein scheint.

In den meisten Fällen ist es sehr offensichtlich.

Da brauchen's ihren Mangel an Argumenten gar nicht erst hinter einem faden "ad personam" verstecken.

In den meisten Fällen ist es sehr offensichtlich.

Vor allem dann, wenns ins Weltbild passt, gell?

So, es reicht

Schlaganfall, Herzinfarkt, rasender Puls, Atemnot und jetzt auch noch das! jetzt kommen zehn kilo runter solange ich`s noch entscheiden kann.

Ursache:

weil Verdauung die meiste Energie bindet, bleibt dem Gehirn zu wenig.

Lösung: Verdauungsenzyme zur Nahrung nehmen, damit diese die Arbeit (= Energieaufwand) machen, die sonst dem Körper fehlt.

Falsch

Das Gehirn verbraucht bis zu 25% der Gesamtenergie - und Corpus callosum ist bei Frauen an die 20% stärker als bei Männern ausgeprägt, also um 1/5 mehr Nervenverbindungen, was auch die größere Sprachbegabung der Frauen erklärt. Und welche Qualitäten der neuen Erkenntnis zugrunde liegen, ist Gegenstand weiterer Forschungen.

dann hat gott einen fehler gemacht.

ich hätte an seiner stelle die zehn gebote einer frau (mit der besseren sprachbegabung) angesagt.

Das mit der Sprachbegabung

ist längst widerlegt. Genauso, wie dass generell Geschlechtern bestimmte Fähigkeiten zugeordnet werden.

Beides ist zwar nicht ganz falsch, aber zu einem wesentlichen Teil von Gesellschaft und Erziehung bestimmt. (Zu einem geringen vom Hormonhaushalt, damit schwankend.) Beispiel: noch bis vor 100 Jahren waren Diplomaten, Händler, Forscher, also alle Menschen, die besonders viele Sprachen sprechen mussten, fast ausschließlich Männer.

Selbst, dass eine Gehirnhälfte nur bestimmte Funktionen ausüben kann, ist widerlegt. Bei Verletzungen übernimmt nach und nach der entsprechende Bereich der anderen Hirnhälfte. Selbstverständlich kann man das auch durch Training erreichen.

Nervenverbindungen sind ja so etwas Flexibles...!

Bewiesen: man/frau kann sich blödfressen

.

wenn man das gleich vor drei tagen behauptet hätte ohne die studie zu kennen - einfach weil es einem der gesunde menschenverstand und genaues beobachten sagt - dann hätte es keiner geglaubt.
es ist doch klar, dass schwer übergewichtige frauen eine eigene klasse darstellen

Auf den Stumpfsinn des Herrn Benn ist eben noch Verlass. Ich frage mich, wie es wohl um seinen BMI bestellt ist...

Ihnen ist schon klar dass der Hausverstand nicht wissenschaftlich arbeitet und die dadurch gewonnene Erkenntnis noch geringere Aussagequalität als eine satistische Auffälligkeit hat?

Hausverstand und persönliche Beobachtung sind ungebrauchbar um allgemeingültige Schlüsse zu ziehen oder Prämissen zu formulieren. Um so besser funktionieren sie aber um das eigene Leben zu steuern. Das ist ein großes Paradoxum.

Ach was, für simplen Sexismus braucht der doch keine Wissenschaft. Sein Sexismus steuert seine selektive Wahrnehmung - und seine selektive Wahrnehmung bestärkt seinen Sexismus. Da kommt dann so ein Posting raus.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 37
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.