Auf der Suche nach dem besten Öko-Haus

26. April 2011, 19:27
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Niedrigenergiehaus, Sonnenhaus, Passivhaus oder Plusenergiehaus? Was ist das beste Material? Und was kostet das alles? Eine Forschungsinitiative testet ökologische Hausbauweisen auf Herz und Nieren

Ein unsaniertes Gebäude aus den 1960er-Jahren hat meist einen horrenden Energieverbrauch von weit über 100 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr. Ökologisch orientierte Bauten weisen nur einen Bruchteil solcher Werte auf, zum Teil produzieren sie sogar selbst Energie. Unterschiedliche Baukonzepte bringen aber nicht nur verschiedene Resultate, was Energieeffizienz und CO2-Ausstoß betrifft, sie sind auch mit unterschiedlichen Errichtungs- und Erhaltungskosten verbunden.

Ein vom Verkehrsministerium im Rahmen des Forschungsprogramms "Haus der Zukunft plus" gefördertes Projekt will nun verschiedene Typen von Ökohäusern auf Herz und Nieren testen: Niedrigenergiehäuser, Sonnenhäuser, Passivhäuser und Plusenergiehäuser (siehe Wissen) sollen sowohl auf ihre Umweltverträglichkeit als auch auf ihre Wirtschaftlichkeit über den gesamten Lebenszyklus hinweg durchgerechnet werden. Projektleiter Andreas Oberhuber von der Forschungsgesellschaft für Wohnen, Bauen und Planen (FGW) koordiniert die Beteiligung von sechs auf unterschiedliche Baustoffe spezialisierten Instituten der Austrian Cooperative Research (ACR). Ein Schwerpunkt dieses Zusammenschlusses von insgesamt 16 außeruniversitären Forschungsinstituten ist "Nachhaltiges Bauen".

"Wir haben uns, auch aufgrund der Baustoffexpertisen der einzelnen Partnerinstitute, entschlossen, dass wir insgesamt sieben Baustoffkombinationen bei jedem der vier Bautypen durchrechnen", sagt Oberhuber. In Summe werden also 28 Gebäudekonzepte verglichen. Die in Österreich gängigsten Holz-, Beton- und Ziegelbau-weisen werden anhand von jeweils "sehr konkreten" Planunterlagen eines fiktiven, durchschnittlichen Mustergebäudes in den verschiedenen Ausführungen gegenübergestellt.
Da Umwelteinflüsse wie etwa die Zahl der Sonnentage einheitlich eingerechnet werden müssen, wird als Gebäudestandort Tattendorf in Niederösterreich herangezogen. Der Referenzstandort der niederösterreichischen Wohnbauförderung weist für Österreich durchschnittliche Klimabedingungen auf.

Eine Frage der Haustechnik

Schon die Errichtungskosten können stark differieren. In Wien gebaute Passivhäuser sind etwa zwischen vier und zwölf Prozent teurer als Niedrigenergiehäuser. Die Kostenunterschiede entstehen vor allem aufgrund der Haustechnik. Auswirkungen hat die Entscheidung, ob mit zentraler oder dezentraler Entlüftung gearbeitet wird. Gerade größere Projekte seien mit relativ wenig Mehrkosten möglich.
Ausgehend von Lebenszyklen von 50 und 80 Jahren fließen in die Berechnungen neben den Errichtungskosten Baustoffdaten, CO2-Bilanz der Baustofferzeugung wie auch des Hauses selbst, Erhaltungskosten, zukünftiger Sanierungsbedarf und vieles mehr ein. Es ergibt sich eine "relevante Frage der Bewirtschaftung, die sich mit Sicherheit stark unterscheiden wird", sagt Oberhuber. Sanierung, Erneuerung und Entsorgung weichen stark voneinander ab. Sonnenkollektoren wirken sich wirtschaftlich negativ aus, sind aber gut für die Energiewerte. Sogar eine Abschätzung zukünftiger technischer Entwicklungen wie günstigere und leistungsfähigere Voltaikanlagen und Haustechnik sollen mitbilanziert werden.

Bisher habe man "noch wenig Ahnung von Langzeitwirkungen bei solchen Häusern". Am Ende soll aber feststehen, wie sich Kosten und Energieverbrauch etwa eines Niedrigenergiehauses in Holzständerbauweise zu einem Ziegelbau mit Wärmedämm-Verbundsystem in Passivhausausführung verhält, um Entscheidungsgrundlagen für private Hausbauer, Fördergeber und politische und wirtschaftliche Entscheidungsträger zu schaffen. Endergebnisse des heuer gestarteten Forschungsprojekts sollen im Jahr 2013 vorliegen. (Alois Pumhösel/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27.4. 2011)

 


WISSEN: Häuser, die Energie sparen

Niedrigenergiehäuser sind im geförderten Bereich bereits Standard. Dämmung und Fensterqualität sorgen für einen Heizwärmeverbrauch unter 50 Kilowattstunden pro Quadratmeter pro Jahr. Das Sonnenhaus verfügt zusätzlich über Fotovoltaikanlagen und wird überwiegend solar beheizt. In Passivhäusern spielt die Haustechnik eine besondere Rolle. Kontrollierbare Be- und Entlüftung tragen zu einem Heizwärmeverbrauch von unter 15 Kwh bei. Das Konzept des Plusenergiehauses versucht Dämmstärke, Luftdichte, Haustechnik, Fotovoltaik etc. weiter zu verbessern. Das Ziel: Das Haus soll mehr Energie erzeugen, als es verbraucht. (pum/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27.4. 2011)


Links

Austrian Cooperative Research

Haus der Zukunft plus

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