Schwellenländer-Boom treibt Preise für Industriemetalle

26. April 2011, 14:20
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Kupfer, Blei und Co. sind derzeit beliebt wie lange nicht mehr

Wien - Seit mehr als zwei Jahren sind die Preise für Industriemetalle im Aufwind, nur unterbrochen von kurzen Einbrüchen wie zuletzt wegen der Krise in Japan. Dies sei hauptsächlich auf den Boom in den Schwellenländern zurückzuführen, glaubt Monika Rosen, Chefanalystin von UniCredit Private Banking. "Die Preise für Industriemetalle hängen sehr stark an der Konjunktur", sagte sie.

Besonders die chinesische Konjunktur sei mittlerweile preisbestimmend. Bei Aluminium hätten sich die Preise beispielsweise entspannt, als die konjunkturdämpfenden Maßnahmen der Regierung wie eine Zinserhöhung zu greifen begannen. Auch bei Kupfer habe es im Zuge dessen eine leichte Entspannung gegeben. Eine nachhaltige Entspannung werde deswegen aber vermutlich nicht einsetzen. "Solange die Konjunktur in China weiter gut läuft, wird sich das bei den Metallpreisen bemerkbar machen", meinte Rosen.

Eine Tonne Aluminium kostet im Handel an der Londoner Metallbörse derzeit über 2.700 Dollar (rund 1.850 Euro), das sind rund 78 Prozent mehr als Anfang 2009. Die größten Vorkommen an Bauxit, woraus Aluminium vornehmlich gewonnen wird, liegen in Guinea, wobei der Rohstoff häufig auch recycelt wird. Der Preis für Aluminium orientiere sich wegen der energieintensiven Produktion stark am Ölpreis, so Rosen. Kupfer, das vor allem in Kabeln, Elektronikgeräten und in der Baubranche verwendet wird, liegt im Moment bei über 9.600 Dollar (rund 6.580 Euro) pro Tonne. Seit Anfang 2009 hat das Metall einen Preisanstieg von über 200 Prozent hingelegt. Für 2012 erwartet man bei der UniCredit einen durchschnittlichen Kupferpreis von 11.500 Dollar pro Tonne.

Der Preis für Nickel, das hauptsächlich bei der Produktion von rostfreiem Stahl verwendet wird, stieg seit Beginn 2009 um 100 Prozent und liegt jetzt bei über 26.700 Dollar (rund 18.260 Euro) pro Tonne. Zink ist derzeit mit derzeit über 2.300 Dollar (rund 1.570 Euro) pro Tonne beinahe 90 Prozent teurer als Anfang 2009. Der Preis für Zinn stieg im selben Zeitraum um über 180 Prozent, jener für Blei um mehr als 150 Prozent.

Hochkonjunktur für Diebe

Anleger weist die Analystin darauf hin, dass bei Industriemetallen mit teils starken Preisschwankungen zu rechnen ist. Obwohl es mittelfristig einen klaren Aufwärtstrend gebe, könne man bei einzelnen Ereignissen wie dem Erdbeben in Japan "einen ordentlichen Rückschlag" erleben. Da sich vorerst aber kein Ende des Booms in den Schwellenländern abzeichne, dürfte es mittelfristig auch weiterhin mehr Nachfrage geben. Industriemetalle, so Rosen, sollten jedoch keinesfalls als "sicherer Hafen" wie Gold und Silber betrachtet werden. Der Vorteil sei, dass die Preisbildung durchaus nachvollziehbar vonstattengehe. "In der Regel gehen die Preissteigerungen auf tatsächliche Steigerung der Nachfrage zurück." Es sei daher ratsam, die Konjunktur im Blick zu halten.

Nicht nur Analysten, auch Diebe sind auf die begehrten Metalle aufmerksam geworden. Besonders Kupfer wird gerne gestohlen, wie zuletzt in Form von Kabeln der ÖBB oder Kupfervasen auf dem Döblinger Friedhof in Wien. Im Jahr 2010 verzeichnete das Bundeskriminalamt (BKA) 1.269 Fälle von Metalldiebstahl, 2009 waren es 443 Fälle. Besonders die östlichen Bundesländer sind betroffen, da die Täter häufig aus Osteuropa kommen und dort auch das Metall wieder hinbringen, um es einzuschmelzen, heißt es im BKA. (APA)

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