Kate & Will - der Overkill

26. April 2011, 14:05
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Das denken Österreichs Societyjournalisten tatsächlich über die Traumhochzeit

Auch wenn über die Prinzenhochzeit längst alles gesagt ist, müssen Societyjournalisten auch in den kommenden Tage noch Geschichten aus dem Hut zaubern - Wie und was denken sie aber tatsächlich über derartige Ereignisse?

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Norman Schenz (Österreich) hat leider nicht geantwortet. Dominic Heinzl auch nicht. Und auch von Dora Varro kam leider kein Wort. Schade. Denn natürlich hätte ich gerne auch von diesen Kollegen gewusst, wie und was sie über die Hochzeit im Hause Windsor denken. Kate und William. William und Kate. Dem Trubel zu entgehen, ist schließlich unmöglich. Nicht nur in London.

Für die Schurnaillie ist das ein Hochamt - und Schwerstarbeit. Schließlich sind Vokabular und Repertoire ein eingeschränktes. Was also tun, wenn alle Hülsen geworfen, alle Floskeln durchgekaut und alle Vergleich ad nauseam wiedergekäut wurden - und es immer noch elende, lange Tage bis zu Hochzeit sind? Was schreiben, wenn alles zigmal gesagt wurde? Wenn Kollegen mit Prügeln drohen, sollten noch ein Mal Dianas große Schuhe, in die Kate nun steigen soll, beschworen werden, oder irgendwo ein "König/Königin des/der Irgendwas" aufscheinen (doppelte Strafe für "Herzen")?

Was tun also? Ganz einfach: Den Ball weiterspielen. Tun, was Journalisten tun, wenn sie jemanden brauchen, der sagt, was sie selbst nicht sagen dürfen. Oder können. Man interviewt Kollegen - wegen der Zwischen- und Untertöne. Darum folgt nun das ungekürzte Ergebnis einer kurzen Umfrage unter heimischen Gesellschaftsschreibern.

Karin Schnegdar, Krone

"Dieser Kelch geht an mir vorüber, wir haben in der Krone zum Glück eine Royal-Expertin, die Biggi Egger."

Ro Raftl, Profil

"Mein Friseur ist geprüfter Zen-Meister - treffe also nicht mal dort Royal Weddings entgegenfiebernde Frauen. Eine Kurzumfrage bei Freundinnen zwischen 30 und 50 ergab: Geht ihnen wie mir sonstwo vorbei. Kein Restaurant-Thema im Doco Stephansplatz, kein Schwestern-Talk im St. Anna-Kinderspital, kein Büroklatsch im Anwaltsbüro. Dort geht's um die neue Justizministerin, Journalistinnen spannen die Hintergründe des Pröll-Rücktritts, Theateraffine der Knatsch Minichmayr-Hartmann, Opernfanatikerinnen glühen für die Zementierung von Dominique Meyer, Arabistinnen weinen um Libyen. Okay, der Freund einer Freundin musste einer anderen Freundin eine William & Kate-Teetasse aus London mitbringen..... Vielleicht ist ja Aki Schwarzenberg bei der Hochzeit eingeladen, die Anfrage blieb aber bis jetzt unbeantwortet. Falls doch, fände er es vermutlich vulgär, darüber zu erzählen. Wird für gefühlte Erbsenprinzessinnen sicher ein märchenhafter Fernsehtag. Für Normalos eventuell lustig, kurz reinzuschauen. Freu mich allerdings mehr auf die Scherze von Nikowitz oder Hohenlohe."

Lisa Trompisch, Heute

"Ich persönlich habe, da der Fokus meiner Society-Seiten auf der heimischer Prominenz liegt, eher weniger mit dem ganzen Tamtam um die royale Mega-Hochzeit zu tun. Glaube aber, dass sicher ganz viele zumindest ein bisserl bei so einem pompösen Ereignis mitfiebern. Schließlich hat so ein königliches Hofzeremoniell doch ein wenig von einem Märchen und welches Mädchen hat nicht zumindest einmal schon vom Prinzen auf dem weißen Ross geträumt. Und was kann einem Society-Journalisten besseres passieren, als wenn sich etwas im Hochadel tut. Gerade in England ist die Hofberichterstattung ja besonders beliebt. Und ja, wenn bei uns so etwas stattfinden würde, würde das mit Sicherheit niemanden kalt lassen und für viel Aufregung sorgen - nicht nur bei den Journalisten."

Janina Lebiszczak-Schuster, News

"Für uns bedeutet die Hochzeit von Will und Kate auf jeden Fall mehr Arbeit. Was unser Adelsexperte Alfred Strauch (er urlaubt) aus dem Ärmel schüttelt, bedeutet für die in der Redaktion Verblieben unzählige London-Telefonate und das Sammeln jeder noch so nichtigen Kleinigkeit. Aber es ist, wie es ist: Eine Bürgerstochter tritt in die Fußstapfen von Über-Prinzessin Diana und soll dem angestaubten Brit-Adel eine Frischzellenkur verpassen. Das ist der Stoff aus dem Träume gemacht werden - und Albträume von Society-Schreiberlingen. (Mir träumte erst gestern, ich irre durch die Westminster Abbey und finde den Ausgang nicht) Keine Ahnung wie oft ich in den letzten Wochen "Countdown zur Hochzeit des Jahrhunderts" geschrieben habe, aber definitiv zu oft.
Ab und an plaudere ich mit den Damen beim Empfang über diesen royalen Overkill, die jedenfalls fühlen sich schon ziemlich überinformiert. Auch die Promis, mit denen ich über Will & Kate plauderte, waren nur mäßig interessiert.
Print ist aber vielleicht das falsche Medium, um den Hype greifbar zu machen, im TV wird die Hochzeit sicher ein Renner. Wir werden uns am 29.4 in der Früh bei Gurkensandwiches und Earl Grey-Tee in der Redaktion zum Semi-Public Viewing einfinden. Vielleicht trage ich dabei auch einen Hut. Nachdem wir am Wochenende nach dem 29. unser Hochzeitsspecial (ein Extra-NEWS mit den schönsten Bildern und Storys) produziert haben, werden wir die gesammelten Infos wahrscheinlich rituell verbrennen. Oder archivieren. Man weiß ja nie, wann der Storch in Kates magere Wade beißt."

Karl Hohenlohe, Kurier, Seitenblicke

"Die Hochzeit von Kate & William hat genau die gleiche Bedeutung wie Rapid gegen Austria oder Österreich gegen Schweiz. Nichtfussballbegeisterte werden diesen Spielen stoisch entgegen sehen, Fussballfans werden diesen Spielen entgegenfiebern. Die Hochzeit von Kate & William ist die endgültige Antithese von only bad news are good news. Ich glaube auch nicht, dass wir Österreicher jetzt plötzlich Royal eingestellt sind, da geht es ganz einfach um ein Spektakel, bunte Hüte, bunte Pferde und einen bunten Abend, der sich über den ganzen Tag zieht."

Teresa Schaur-Wünsch, Die Presse

"Habe mich schon vor Monaten mit der unglaublich schlechten ersten Kate-Biografie (Prinzessin Kate. Die neue Königin der Herzen) eingestimmt, damit ich weiß, mit wem ich es da zu tun habe. Die Hochzeit ist natürlich ein Thema, an dem man nicht vorbei kommt, insbesondere nachdem wir eine eigene Menschen-Seite haben - alles andere wäre doch weltfremd. Außerdem ist die Aufregung um eine royale Hochzeit ja wirklich ein spannendes Phänomen, an dem man viele Aspekte beleuchten kann (welche Rolle spielt die Monarchie? Warum geben sich die Menschen so gern einer solchen Geschichte hin?). Dementsprechend sind an der Berichterstattung mehrere Ressorts beteiligt, viel steuert dazu auch unser Londoner Korrespondent bei. Unsere Leser sollen, wenn sie wollen, das Ereignis mitverfolgen, aber auch auf einer Metaebene betrachten können. Wie der Erfolg von "Wir sind Kaiser" gezeigt hat, scheint in der Gesellschaft ja durchaus noch ein gewisses Bedürfnis nach Pomp und Adel versteckt zu sein. Trotzdem haben wir versucht, vergleichsweise spät in die Berichterstattung einzusteigen, damit man Will & Kate überhaupt noch sehen kann, wenn es soweit ist. Das ist jetzt, eine Woche vorher, tatsächlich schwierig geworden - wir nehmen schon Bilder, auf denen man die beiden nicht sieht ..."

Reinhard Binder, Radio 88,6

"Da werden Träume wahr. Schließlich träumt doch jeder den Traum von der Traumhochzeit. Die Hochzeit zwischen Prinz William und seiner Kate ist nun einfach so ein modernes Märchen. Die Leute sehnen sich nach dieser zumindest nach außen hin heilen Welt. Eine Hochzeit lebt vor allem von den Bildern und sie ist daher eher etwas für Printmedien und Fernsehen. Natürlich werden wir auch auf Radio 88.6 über die Hochzeit des Jahres berichten. Aber alles auch in einem für Männer erträglichen Rahmen.
Zu Österreich: Es hat schon seine Gründe, warum die Monarchie in Österreich abgeschafft wurde. Das Ganze hat einen Vorteil: Wir ersparen uns die leidige Diskussion um die Kosten dieses Ereignisses und eine Neiddebatte. Wenn man aber bedenkt, dass die Hochzeit eines Baumeisters das höchste der Gefühle wäre, wird sich so mancher Gesellschaftskolumnist doch noch glatt die Monarchie zurückwünschen. Aber auf Schillers, die die Hochzeitstafel stürmen, kann ich gerne verzichten."

Sabine Mord, Puls4

"Also ich flieg ja am Dienstag nach London, und spätestens dann bin ich auch verseucht. Wir werden ab Dienstag sehr intensiv die Hochzeit im Mittelpunkt der Sendung haben. Unterwegs sind Florian Danner für die NEWS und ich für PINK mit jeweils einem VJ, langweilig wird uns also bestimmt nicht. Ich glaub, dass man sich dem nicht entziehen kann und das auch viele Österreicher/innen mitfiebern werden am nächsten Freitag. Für uns bedeutet das natürlich mehr Arbeit, aber ich freu mich drauf, endlich passiert mal wirklich was! Und klar wäre ich dankbar, wenn wir im Ösiland auch solche Happenings hätten, aber das Leben ist halt kein Wunschkonzert, nicht mal für eine Societyjournalistin."

Andrea Maria Dusl, Falter, Salzburger Nachrichten

"Als Kulturwissenschaftlerin begrüsse ich deviante Großereignisse wie Prinzenhochzeiten im Hause Ohrwaschelkaktus. Als Republikanerin und Linke bin ich da kritischer." (Zuammengetragen von Thomas Rottenberg, derStandard.at, 26.4.2011)

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    Manche der Kollegen sind schon am Weg zur Hochzeit nach London, andere wollen auf keinen Fall hin müssen.

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