Wiener Biomasse-Kraftwerk drohen Verluste

26. April 2011, 13:27
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Das Ende der Ökostrom-Förderung kommt in einigen Jahren, die Prüfer empfehlen die Suche nach anderen Energieträgern

Wien - Alternative Energiequellen stehen hoch im Kurs - können aber teuer kommen: Laut einem aktuellen Prüfbericht des Wiener Kontrollamts drohen dem größten Wald-Biomassekraftwerk Europas hohe Verluste, sobald die bestehende Ökostromförderung ausläuft. Die Anlage ist seit 2006 in Simmering in Betrieb. Das Ende der Förderung kommt zwar erst in einigen Jahren, die städtischen Prüfer empfehlen aber schon jetzt die Suche nach anderen Energieträgern.

Im Wiener Biomasse-Kraftwerk werden seit Oktober 2006 aus Holz Strom und Fernwärme für 48.000 bzw. 12.000 Haushalte gewonnen. Es war eines der ersten sogenannten Rot-Grünen-Projekte - vereinbart zu einer Zeit, als die SPÖ noch mit absoluter Mehrheit regierte, mit den Grünen aber gemeinsame Vorhaben umsetzte. 52 Mio. Euro wurden insgesamt in den Mega-Ofen investiert.

Ökologisch gilt die Anlage als Erfolg. Das bestreitet auch das Kontrollamt nicht. Die wirtschaftliche Situation der grünen Alternative ist jedoch weit weniger rosig. Das Vorzeigeprojekt ist vom Land Wien offiziell als Ökostromanlage anerkannt. In den ersten 13 Jahren des Betriebes, so ist vereinbart, profitiert sie von einem geförderten Tarif. Wobei profitieren relativ ist: Die wirtschaftliche Bilanz ist schon jetzt eher durchwachsen, wie aus dem Bericht hervorgeht.

Die Eigenkapitalrendite ist seit Inbetriebnahme insgesamt leicht negativ (minus 0,23 Prozent). Laut Kontrollamt waren die Einschätzungen der Kosten des laufenden Betriebes "optimistisch": "Die wirtschaftliche Entwicklung zeigte zum Zeitpunkt der Einschau (...), dass die prognostizierten Ergebnisse nicht erreicht werden konnten", hieß es. Der Vollbetrieb habe höhere Wartungs- und Instandhaltungskosten gebracht als geplant.

Umsatz kann Aufwand nicht abdecken

Wirklich bitter wird es offenbar ab dem 14. Betriebsjahr: Eine Investitionsrechnung zeige, "dass mit Wegfall des geförderten und gesetzlich festgelegten Tarifs nach Ablauf von 13 Jahren die Umsatzerlöse auf Basis des angenommenen Marktpreises die Aufwendungen nicht mehr abdecken können". Allein die Kosten des geplanten Brennstoffeinsatzes würden die geplanten Umsatzerlöse "deutlich übersteigen".

Trotz Wegfalls von Abschreibungen sei ab dem 14. Jahr mit mehreren Millionen Euro an Verlusten zu rechnen. Diese müssten von den Eigentümern - der Wien-Energie und den Bundesforsten - getragen bzw. über Fremdmittel abgegolten werden. "Eine wirtschaftlich sinnvolle Betriebsfortführung der Anlage nach Auslaufen der Ökostromförderung erscheint (...) aus heutiger Sicht schwierig", konstatierten die städtischen Prüfer.

Ein Weiterbetrieb der Anlage wäre nur bei entsprechender Verlängerung der Ökostromförderung durch den Gesetzgeber oder bei deutlich steigenden Großhandelspreisen wirtschaftlich sinnvoll, heißt es. Eine Reduktion der Kosten gilt hingegen als eher nicht umsetzbar.

Darum die dringende Empfehlung des Kontrollamts, doch "ökologisch sinnvolle Alternativen" zu dem derzeit verwendeten Brennstoff "frühestmöglich" zu prüfen. Laut einer im Bericht enthaltenen Stellungnahme der Wien-Energie sind die entsprechenden Recherchen bereits im Laufen. Derzeit wird laut Wien-Energie jährlich naturbelassene Waldbiomasse im Ausmaß von rund 245.000 Festmetern bzw. 190.000 Tonnen eingesetzt. (APA)

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