Ortstafel-Frage gelöst

Historischer Pakt: Im Land Kärnten werden 164 zweisprachige Ortstafeln stehen

Elisabeth Steiner, 26. April 2011, 22:47
  • Artikelbild
    foto: apa

    Inzko, Dörfler, Ostermayer (v.li.): Schon vor der Verhandlung hieß es, dies sei jetzt die "finale Runde".

  • Artikelbild
    foto: apa/gert eggenberger

    Optimistische Gesichter der Ortstafel-Verhandler.

  • Artikelbild
    vergrößern 800x340
    grafik: der standard

    Nach 56 Jahren Streit trafen sich die Vertreter von Slowenen, Regierung und Land Kärnten zur finalen Runde.

  • Liste der Orte mit zweisprachigen Ortsfafeln in Kärnten

  • Memorandum der Verhandler

Dörfler, Ostermayer und Inzko geben nach zähem Ringen eine gemeinsame Lösung bekannt - mit Liste zum Download

Klagenfurt - Die Erwartungen an die schon vorab als final titulierte dritte Ortstafelrunde waren hoch. In der Zielgeraden gestalteten sich die Verhandlungen aber dann doch zäher als erwartet. Gegen 20.30 Uhr war es endlich soweit. Die Ortstafelverhandler mit Staatssekretär Josef Ostermayer (SPÖ) und Kärntens Landeschef Gerhard Dörfler (FPK) an der Spitze verkündeten gemeinsam mit allen Slowenen-Vertretern die getroffene Ortstafeleinigung. Und besiegelten das ausverhandelte "Memorandum" auch gleich mit ihrer Unterschrift. Dörfler sieht nun nach 56 Jahren den Staatsvertrag erfüllt: "Damit haben wir den Staatsvertrag endgültig ins Ziel gebracht." Die von Dörfler und Ostermayer als "historisch" betrachtete Ortstafeleinigung sieht 164 zweisprachige Ortstafeln und ein Förderpaket für zweisprachige Kindergärten, die slowenische Musikschule und slowenische Kultureinrichtungen vor. Auch bezüglich der slowenischen Amtssprache wurde eine Einigung mit den Volksgruppenvertretern erzielt. Diese Einrichtungen sollen zunächst aus der Abstimmungsspende des Bundes anläßlich des 90-Jahrjubiläums der Kärntner Volksabstimmung 2010 Geld erhalten. Eine systemische Finanzierung vor allem der ausschließlich privat finanzierten und schwer notleidenden slowenischen Musikschule soll aber zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen. Für das slowenische Gymnasium wird es mit Unterstützung des Bildungsministeriums Projekte zur Intensivierung des slowenischen Spracherwerbs geben.

Genauere Angaben zu diesem Förderpaket, das auch ein Dialogforum im Volksgruppenbüro der Kärntner Landesregierung enthalten soll, machten die Verhandler allerdings nicht.

Bei den zweisprachigen Ortstafel und bei der slowenischen Amtssprache hatte sich vor allem an den zweisprachigen Gemeinden Eberndorf/Dobrla vas und Sankt Kanzian/Scocjan gespießt. Nun werden beide in die Ortstafellist aufgenommen, bei der Amtssprachenregelung gibt es einen Kompromiss.

Allerdings: Es soll noch vor der Beschlussfassung im Parlament vor der Somemrpause eine Volksbefragung zur verhandelten Ortstafellösung abgehalten werden. Dies war die Forderung des FPK und der FPÖ gewesen. Wann genau und wo die Volksbefragung abgehalten werden soll, wollten die Verhandler noch nicht sagen. Diese Bedingung hatten die Slowenen-Vertreter stets vehement abgelehnt. Nun stimmten sie mit viel Bauchweh zu. Der Druck, eine Lösung im jahrzehntelangen Ortstafelkonflikt zu finden, war letztlich zu groß gewesen. Dennoch bekamen die Kärntner Slowenen mit dem jetzigen Paket mehr als sie jemals hatten.

"Die gegenwärtige Regelung betrifft ein Maßnahmenpaket, das für das Überleben der Volksgruppe von entscheidender Bedeutung ist", meinte der Vorsitzende des Rates der Kärntner Slowenen, Valentin Inzko. Auch Zentralverbandsobmann Marjan Sturm und Bernard Sadovnik von der Slowenen-Gemeinschaft zeigten sich vorerst zufrieden. (Elisabeth Steiner, STANDARD-Printausgabe, 27.04.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 697
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15
MartiniS
00
28.10.2011, 17:25
Seltsam. In Kärnten war doch jahrzehntelang eine ganz prave, tolle Partei in der Regierung die immer Recht hat. Wo waren da noch mal diese Ortstafeln?

archimed
00
28.4.2011, 08:21
carinthia NEU

...die slowenischen ortsnamen finde ich teilweise ganz originell und gleichzeitig sind die ortstafeln sowas wie fremdsprachenunterricht für die einheimischen und die touristen: "slowenisch für anfänger"-teil 1 quasi.
generellwäre es aber wünschenswert, in grenznahen gebieten europas 2-sprachige ortstafeln einzuführen, dort wo die sprachen unterschiedlich sind. das belebt die jeweiligen grenznahen sozietäten und deren kulturen und lässt sie besser und schneller zusammenschmelzen.
warum dieser prozess in kärnten solange gedauert hat, ist mir unverständlich, aber starrsinn hat halt auch manchmal keine grenzen!
...have a nice day ;-))

r3al
00
27.4.2011, 18:22

Thema Volksbefragung: Vor Ratifizierung der EU Verfassung wäre eine Volksbefragung enorm wichtig und demokratisch unerlässlich gewesen. Sie wurde uns verweigert.
Wegen diesen Schmarrns will man jetzt eine Volkbefragung machen.
Was soll das?

Ravenspower
00
28.4.2011, 03:02
Komischer Vergleich...

... das es zum EU-vertrag keine volksabstimmung gab dürfen sie der damaligen regierung danken!
immerhin gab es sehrwohl länder welche das volk befragten (irland etc.!).

das nun in kärnten eine befragung (!) stattfindet ist nicht unbedingt verkehrt. ich gehe davon aus das die leute der lösung zustimmen werden. jeder ist froh das dieses thema nun vom tisch ist.

IK24
00
27.4.2011, 16:07
Schildbürger! Aber ALLE!

r3al
12
27.4.2011, 15:39

Eine Volksbefragung brauch ma jetzt auch noch.
Kärnten ist verschuldet bis unters Dach, aber Geld, das ma eh nicht haben, hau ma für Volksberfragungen beim Fenster raus.
Wirtschftliche Kompetenz nennt man das dann.

altbürgermeister
04
27.4.2011, 15:23
Sensationeller Erfolg!

Der Kärntner Landeshauptmann hält sich fast an die Verfassung!

Johann Grabner, Wien
00
27.4.2011, 16:26
in welcher Verfassung steht 10%?

Außerdem meint der damals zuständige Richter Korinek heute: "Die Lösung entspreche dem Staatsvertrag und den verfassungsrechtlichen Vorgaben.". Es steht zwar weder hier noch da ein bestimmter Prozentwert, aber wenn zeitgleich 10% und 17,5% "dem Staatsvertrag und den verfassungsrechtlichen Vorgaben" entsprechen, dann kann es sich wohl nur um das handeln, was Herr Karner gesagt hat: "zehn Prozent, die der Verfassungsgerichtshof vorgeschlagen hat". Eben nur ein Vorschlag, weil die Richter wohl auch eingesehen haben, daß sie nicht der Gesetzgeber sind. Da die jetzige Regelung in die Verfassung kommt, kann sich der VfGH ohnehin platt formuliert brausen gehen.

EUphoriker
00
27.4.2011, 16:08
ein echter erfolg

der österreichischen integrationspolitik, wenn sie selbst beim dörfler sichtbare verbesserungen bringt.

Hagbard.Celine
00
27.4.2011, 15:11

Blöde Frage: Dörfler redet jetzt von historischem Moment, war er nicht vor Wochen noch gegen das Aufstellen neuer Tafeln?

holly wut
 
00
27.4.2011, 16:04

WAR er!!

christoph hofbaur
00
27.4.2011, 18:53

ob der doerfler die mentale kapazitaet hat, sich zu erinnern, was er vor ein paar wochen gesagt hat?

holly wut
 
00
28.4.2011, 07:46

HAT er!

aereo
20
27.4.2011, 15:01
Die Kärntner Käuze nerven mehr als jedes andere Volk der Erde.

Jetzt soll man für den Jahrzehntepfusch applaudieren? Oder eh nicht weils noch eine Volksbefragung gibt? Die ganze Welt wartet auf neue kärntner Großtaten, der Hypo-Deal war ja sicher nicht die letzte.

holly wut
 
00
27.4.2011, 16:09
Da ist den ewigen Motschgerern heute wohl ein Thema abhanden gekommen?

Vielleicht beschäftigen sie sich jetzt endlich mit den eigenen Problemen? Paranoia oder so!

r3al
00
27.4.2011, 14:51

Na endlich. Es ist erreicht. Nach 56 Jahren darf auf den Ortstafeln der Kärtner slowenischsprachigen Dörfer zusätzlich zu Kikeriz-Patschen auch Kikeriz-Copati stehen.
Ein umwerfender Erfolg.

spark
00
27.4.2011, 15:16

ja, wahnsinn, bin auch überwältigt ;)
vielleicht sollte man auch noch die allgemeine schulpflicht in kärnten einführen

Fuck O'Shima
44
27.4.2011, 14:41
Ich schäme mich für Österreich!

Die einzig verfassungskonforme Lösung ist die 10%-Lösung!

In Kärnten geh ich nicht einmal mehr auf ein Autobahn-Häusl!

Silvio Lackner
00
29.4.2011, 08:44
stellts endlich in Wien mehrsprachige Ortstafeln für eure autochthonen Türken und Tschechen auf,

bevor iher weiter Kärnten bashing betreibts. Kärnten ist Vorzeigeland in puncto Minderheitenschutz. In Wien seh ich bis heut kein zweisprachiges Ortstaferl.

trollvottel
20
27.4.2011, 15:30

Nach Kärnten fahren eh nur mehr bekennende Rechtsextreme und lederhosentragende Greise.

mlzt
01
27.4.2011, 19:26

Da bin ich aber froh, dass Sie uns nicht mehr beehren!

wavey25
00
27.4.2011, 18:28
genau

es gibt standard-leser
und alle anderen sind nazis....

Thomas J Jackson
00
27.4.2011, 15:59

Veganer hast du vergessen. Erst dann sind deine Feindbilder vollständig. ;-)

hierstinkts.blogspot.com
58
27.4.2011, 14:34
Ekelhaft, abstoßend, untragbar!!!

Dieser Kniefall vor dem deutschnationalen G€sindel wird immer ein schwarzer Fleck in Österreichs Geschichte sein!

Abgesehen davon brüllt die ganze Welt vor lauter Lachen über die kleingeistigen Sonderregelungen für S@ubärendorf und St. K0tzmichan.

Das N@zipack hat alles erreicht, was es wollte:

* eine Abstimmung der Mehrheit über Minderheitenrechte (unfassbar!!!)
* Eine verschwindend geringe Anzahl an Ortstafeln
* die degoutante Duldung durch die anderen Parteien mit Ausnahme der Grünen!

die_geisterkuh
01
27.4.2011, 15:20

die Grünen stimmen aber auch dafür...

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 697
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.