Deutsche Börse punktet im Kampf um Nyse

26. April 2011, 12:44
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Nyse-Chef Niederauer wirbt für einen Zusammenschluss - Händler: Chancen auf Erfolg im Übernahmekampf steigen

Frankfurt - Im Poker um die Wall Street hat die Deutsche Börse wieder bessere Karten: Die Fusions-Wunschpartner machten mit dem Hinweis auf größere finanzielle Vorteile durch einen Zusammenschluss gut Wetter für ihre Pläne und überzeugten damit an den Finanzmärkten. Börsenhändler bescheinigen dem Frankfurter Marktbetreiber gestiegene Chancen, die Kontrahenten Nasdaq und IntercontinentalExchange beim Kampf um die New Yorker Börse auszustechen.

Aktie legt zu

"Viele Investoren gehen nun davon aus, dass die Fusion mit der Deutschen Börse nun auch tatsächlich durchgezogen wird", sagte ein Marktteilnehmer. Mit einem Plus von bis zu zwei Prozent gehörte die Börsen-Aktie am Dienstag zu den größten Gewinnern im Dax.

Die Rivalen überschlagen sich derzeit darin, die Aktionäre der Nyse Euronext mit ihren Offerten zu umgarnen - für welches Gebot die Eigner sich entscheiden, ist noch offen. Die Nyse hat sich allerdings mehrfach gegen die Avancen von Nasdaq und ICE gewehrt und will sich von den Deutschen übernehmen lassen. Nyse-Euronext-Chef Duncan Niederauer warb in der "Financial Times" mit dem Hinweis auf höhere Kostensenkungen und milliardenschwere Vorteile für Marktteilnehmer für den Zusammenschluss mit dem Dax-Konzern.

Einsparungen

Während die US-Rivalen an die Aktionäre appellierten, "höchst misstrauisch" zu sein, was die zusätzlich versprochenen Einsparungen angehe, bezeichneten Analysten die neuen Zahlen des Nyse-Managements als realistisch. "Wir haben immer schon gedacht, dass die alte Prognose für die Synergieeffekte zu konservativ war", hieß es von den Analysten von Silvia Quandt Research. Niederauer veranschlagt die Größenvorteile nun bei rund 400 Mio. Euro und damit etwa ein Drittel höher als ursprünglich geschätzt.

Zudem betonte der Nyse-Chef, dass die größten Kunden der beiden Marktbetreiber seiner Einschätzung nach durch die geplante Zusammenlegung der europäischen Derivate-Plattformen mindestens 3 Mrd. Dollar (2,1 Mrd. Euro) sparen dürften. Das könnte aus Sicht des Finanzmarktteilnehmer der größte Vorteil des deutschen Gebotes sein, erklärten die Analysten.

Letztlich müssen die Investoren entscheiden, welches Gebot sie annehmen: Das von Deutsche-Börse-Chef Reto Francioni, das auf einem Aktientausch basiert und aktuell bei rund 10,4 Mrd. Dollar liegt. Oder das Gegengebot von Nasdaq und ICE. Es beträgt derzeit etwa 11,2 Mrd. Dollar und enthält auch eine Barkomponente. Die Nyse-Aktionäre werden am Donnerstag zur Hauptversammlung zusammenkommen, über die Übernahme wird formell jedoch erst am 7. Juli abgestimmt. Fragen über den Zusammenschluss wird das NYSE-Management sicher dennoch beantworten müssen - wie auch das Führungsteam der Deutschen Börse. Beide Konzerne legen am Donnerstag Quartalszahlen vor. (APA/Reuters)

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    Die Nyse-Aktionäre werden am Donnerstag zur Hauptversammlung zusammenkommen, über die Übernahme wird formell jedoch erst am 7. Juli abgestimmt.

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