Schuldenberg in EU wächst

Österreichs Neuverschuldung auf 15-Jahreshoch

26. April 2011, 13:06

In der EU wuchs der Schuldenberg 2010 auf durchschnittlich 80 Prozent, die Maastricht-Grenze haben die meisten EU-Staaten weit überschritten

Luxemburg/Brüssel - Das Budgetdefizit in den 17 Ländern der Eurozone lag im Jahr 2010 bei 6,0 Prozent. Es "schrumpfte" somit gegenüber 2009 geringfügig um 0,3 Prozentpunkte, wie aus einer Schätzung des EU-Statistikamtes hervorgeht. In Österreich erreichte die Neuverschuldung den 15-Jahres-Höchststand von 4,6 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP). Grund dafür sind die neuen Eurostat-Regeln wonach eine Reihe bisher ausgegliederter Schulden den Staatsschulden zugerechnet werden.

Konsolidierung des Staatshaushaltes

Die Konsolidierung des Staatshaushalts wird im Finanzrahmen für die Jahre 2012 bis 2015, der am Mittwoch im Ministerrat beschlossen wird, fortgesetzt. Dank der verbesserten Konjunktur wird für die Sanierung der Staatsfinanzen aber kein neues Sparbudget, wie es im Vorjahr beschlossen wurde, notwendig. 2013 soll die Maastrichtgrenze von drei Prozent unterschritten werden. 2014 soll das Defizit weiter um rund einen halben Prozentpunkt sinken und 2015 unter zwei Prozent liegen. In der EU betrug die durchschnittliche Neuverschuldung 6,4 Prozent.

Die höchste Neuverschuldung verzeichneten 2010 Irland, das wegen seiner Bankenkrise ein Defizit von 32,4 Prozent erreichte und noch im Vorjahr mit milliardenschweren Hilfen des Euro-Schutzschirms vor der Staatspleite gerettet werden musste. Die finanzielle Lage der beiden Schuldensünder Griechenland und Portugal ist noch ernster als bisher bekannt. Eurostat revidierte die Haushaltsdefizite beider Euro-Länder weit über die nationalen Daten hinaus nach oben. Nach neuesten Zahlen lag 2010 in Griechenland der Fehlbetrag im Haushalt bei 10,5 statt 9,6 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt (BIP). Das Defizit Portugals belief sich auf 9,1 statt 8,6 Prozent.

Zweithöchstes Haushaltsdefizit hatte damit Griechenland (siehe dazu auch: Zweifel an Solvenz Griechenlands wächst - Defizit höher als gedacht). Nur knapp dahinter liegt Großbritannien mit einem Minus von 10,4 Prozent. Spanien lag mit 9,2 Prozent Defizit noch höher als Portugal.

Estland als Musterschüler

Weit über der Maastricht-Grenze von drei Prozent lagen 2010 auch die Slowakei mit einem Defizit von 7,9 Prozent und Frankreich mit einem Minus von 7,0 Prozent. Die Nicht-Euro-Länder Polen (minus 7,9 Prozent), Lettland (minus 7,7 Prozent) und Litauen (minus 7,1 Prozent) lagen ebenfalls deutlich darüber. Als einziges Euro-Land schaffte das Euro-Neumitglied Estland mit 0,1 Prozent einen geringen Budgetüberschuss, Schwedens Haushalt war 2010 vollkommen ausgeglichen. Die niedrigsten Defizite wiesen Luxemburg (minus 1,7 Prozent), Finnland (minus 2,5 Prozent) und das Nicht-Euro-Land Dänemark (minus 2,7 Prozent) auf.

Die Gesamtverschuldung kletterte 2010 in der Eurozone auf durchschnittlich 85,1 Prozent und lag damit weit über der 60-Prozent-Marke der EU. 2009 betrug der durchschnittliche Schuldenstand noch 79,3 Prozent, vor Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise 2007 lag er gar bei 66,2 Prozent. In der EU wuchs der Schuldenberg 2010 auf durchschnittlich 80,0 Prozent.

Gesamtschuldenstand klettert

In Österreich kletterte der Gesamtschuldenstand im Jahr 2010 auf 72,3 Prozent des BIP nach 69,6 Prozent 2009. Ab 2013 sollen die Gesamtschulden wieder zurückgehen. Bis dahin werden sie allerdings noch steigen und etwas über 75 Prozent des BIP erreichen. Estland konnte 2010 auch die niedrigste Verschuldungsquote aufweisen, sie betrug in dem baltischen Land nur 6,6 Prozent. Es folgen das Nicht-Euro-Land Bulgarien (16,2 Prozent) und Luxemburg (18,4 Prozent) in der Rangliste der niedrigsten Schulden.

Vierzehn EU-Staaten lagen über der 60-Prozent-Grenze: An der Spitze lag Griechenland mit einem Schuldenstand von 142,8 Prozent, gefolgt von Italien (119,0 Prozent) und Belgien (96,8 Prozent). Irland wies eine Gesamtverschuldung von 96,2 Prozent auf, Portugal lag bei 93,0 Prozent. Deutlich über der Maastricht-Grenze waren auch Deutschland (83,2 Prozent), Frankreich (81,7 Prozent), Ungarn (80,2 Prozent) und Großbritannien (80,0 Prozent). Neben diesen Ländern und Österreich überschritten auch Malta (68,0 Prozent), die Niederlande (62,7 Prozent), Zypern (60,8 Prozent) und Spanien (60,1 Prozent) die 60-Prozent-Marke. (APA/red)

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Ernst Hirschmugl
 
01
27.4.2011, 20:32
Nicht nur der Staatshaushalt ...

unsere 2000 Seelen-Gemeinde verschuldet sich mit 487 tsd Euro (Beschluß). Und dabei ist das im Schnitt nichts Besonderes.
Ein interessanter Satz des Landes-Prüfungsberichtes: Die Gemeinde wird aufgefordert, durch einnahmensseitige "Gestaltungsmöglichkeiten" den Bereich Trinkwasser kostenmäßig auszugleichen.

D.h. es geht rauf, nicht nur beim Trinkwasser.

Investor-
00
27.4.2011, 14:05
Es ist schon irre, dass ...

... die 60 %-Marke in den meisten Medien gar kein Thema mehr ist, weil fast alle Euro-Staaten drüber liegen!

Mit dem Leben auf Pump gibt die aktuell herrschende Generation das Gelld der nächsten Generationen aus bzw. sorgt dafür, dass es nicht uns 'schlecher' geht, sondern zukünftige Generationen mit weniger Wohlstand und Luxus leben müssen ...

also dann ...
00
26.4.2011, 22:53
für "geldinsider" - eine interessante diskussion am 2. mai :

Mo. 2. Mai 2011, 19 Uhr, „Der Mayakalender und das Ende des Geldes“

im Planet SOL Media-Zentrum Wien (c/o Fa. Dentac)
Gierstergasse 11 (U4/U6 Längenfeldgasse/Aufgang Storchensteg) 1120 Wien Meidling.

anmeldung : Nur 50 Plätze verfügbar. Bitte Plätze reservieren: office@planetSOL.at oder 0664/3333 209.

kosten ca. 40,- euro.

also dann ...
01
26.4.2011, 22:55
diskussionsteilnehmer sind :

Dr. Carl Johan Calleman, Experte und Übersetzer des Maya-Kalenders, Orsa Sweden

Dr. Franz Hörmann, Univ.-Prof. für Unternehmensrechnung, WU Wien

Dr. Rainer Born, em. Univ.-Prof. für Philosophie und Wissenschaftstheorie, JKU Linz

Dr. Joachim Zyla, Unternehmensberater, Buchautor und Management-Trainer, Wien

Hans Vogel
11
26.4.2011, 18:04
Es begann mit Kreisky.

Die Zinsbelastung und Rückzahlungen der Schulden Kreiskys konnte keine Regierung mehr aufbringen.
Dann kam Vranitzky mit der EU und seit dem haben wir keine Chance mehr. Jetzt müssen wir noch für die Faulenzer der EU bezahlen.
Wie den Fahnenflüchtigen im 2. Weltkrieg werden wir bald den Steuerhinterziehern Denkmäler setzen. Sie haben gegen die Staatsmacht rebeliert.

werauchimmer1
 
00
26.4.2011, 21:53
selten so viel blödsinn in einem post gelesen

schämen sie sich

Enrico Furioso
00
26.4.2011, 19:18
ah, Kreisky ... dessen Schulden waren doch ein Klacks.

Als er 1982 abtrat, nach rd. 12 Jahren Regierungstätigkeit, lagen die Staatsschulden bei ca. 38 Milliarden Euro. Da hat unser Ex-Finanzminister Pröll mit seinem Kompagnon Feymann in einem Jahr mehr angehäuft als Kreisky in zwölf.

Zumal Kreisky die Staatsschulden als Antwort auf die beiden Ölkrisen ab Mitte der 70er anhäufte (Ankurbelung der Konjunktur durch Investitionsprogramme). Der echte Sündfall kam unter Vranitzky und Lacina, und dann weiter in den großen Koalitionen, als die Konjunktur brummte, aber der Schuldenberg aufgehäuft und aufgehäuft wurde.

Ernst Hirschmugl
 
00
27.4.2011, 20:35

...für 1.- Schilling die Uno-City gebaut, ein Atomkraftwerk, und an den AKH-Skandal können wir uns auch erinnern, und so fort.

Belaruski
01
27.4.2011, 19:27
Richtig erkannt

Zu beachten ist auch die Stahlkrise.
Kreisky hat Schulden gemacht um Österreich zu modernisieren und es wurde investiert und nicht verzockt wie heute üblich.
Viele dieser Investitionen wurden von seinen Nachfolgern verscherbelt. Jedoch nicht um Schulden abzubauen, sondern Freunderlwirtschaft zu betreiben.

Alastair McKenzie
 
01
26.4.2011, 19:58
Dem stimme ich zu!

Kreiskys Schuldenpolitik war erstens von den Voraussetzungen her vertretbar (von einem Null-Schuldenstand aus, in einer wirtschaftlich schwierigen Phase, auf Grund externer Faktoren) und zur Schaffung von Arbeitsplätzen sinnvoll. Es wäre an den Folgeregierungen gewesen, in den Hochkonjunkturphasen der 80er und 90er die Schulden mittels Budgetüberschüssen abzubauen. So war es auch vom "Erfinder" des deficit spending, J.M. Keynes, vorgesehen.

radioxenon
11
26.4.2011, 17:39
Diese lächerlich hohen Zahlen

sind für mich nur ein Zeichen (von vielen) wie dringend wir ein neues Wirtschaftsmodell brauchen.

R. M.
01
26.4.2011, 18:46
Vorsicht!

Mit der Äußerung dieses Gedankens fallen sie für einen beträchtlichen Teil der Menschen schon in die Kategorie "Verschwörer"...

Alastair McKenzie
 
00
26.4.2011, 20:00
Naja, ...

... soviel Prominenz ist für radioxenon nicht gerechtfertigt. Alle, die ein "neues Wirtschaftssystem" propagieren, sind bisher konkrete Vorschläge schuldig geblieben.

Schurke!
00
26.4.2011, 20:20
ist eigentlich ganz einfach

abschaffen des fractional reserve banking, rückkehr zu komplett gold- oder sonstigen rohstoff gedeckten geld.
das gold darf aber nicht in einzelnen banken konzentriert werden. also ein umlauf von goldmünzen zwischen banken und privaten. damit wäre ein echtes bürgergeld möglich: nieman muss angst um seine einlagen haben weil sie gedeckt sind und sollte das jeweilige land probleme mit seiner währung haben wird das gold nicht wertlos.
elektronische zahlungen sind aber ohne weiters weiterhin möglich.
der nachteil ist das damit kein turbowachstum und keine turboverschuldung möglich ist. für zocker und schuldensüchtige bitter. würde die wirtschaftszyklen aber auf ein erträgliches mass dämpfen.
na bitte: geht doch

Alastair McKenzie
 
00
27.4.2011, 10:48
Bin auch dafür.

Man darf aber nicht vergessen, warum Bretton Woods gescheitert ist. Weil zuwenig Gold vorhanden war. Und weil die Weltwirtschaft nicht im Gleichschritt wächst. Wenn alle Währungen goldgedeckt sind, bedeutet das fixe Wechselkurse. Wenn aber eine Ökonomie schneller wächst als die andere, was dann? Ab- bzw. Aufwerten? Dann ist die Golddeckung aber erst wieder Makulatur. Sie schlagen andere Rohstoffe vor, die man als Deckung verwenden könnte. Welche?

Schurke!
00
27.4.2011, 16:26
sehe das problem nicht

warum sollten die wechselkurse fix sein?
man kann den goldpreis in jeder währung schwanken lassen. wenn der preis hoch genug ist gibts auch kein problem mit zuwenig gold.

andere rohstoffe? alle die geldeigenschaften besitzen:

vertrauen der martteilnehmer: es muss wertvoll sein
nicht fälschbar aka druckbar
lagerbar bzw lange haltbarkeit
teilbarkeit

darunter fallen eigentlich alle metalle. um währungsschwankungen durch wirtschaftswachstum auszugleichen könnten auch industriell genutzte metalle wie zb kupfer enthalten sein.

eine teildeckung durch weizen, soja hätte auch den nutzen das inflation bei nahrungsmitteln nicht so durchschlägt.

wichtig ist aber eine deckung damit jeder an seine werte heran kommt: am einfachsten mit gold lösbar

Alastair McKenzie
 
00
28.4.2011, 13:22
Sorry, aber ...

... was verstehen Sie unter Golddeckung? Also ich verstehe darunter, dass jede Geldsumme in eine bestimmte Menge Gold getauscht werden kann, so wie zu Beginn des Papiergeldsystems, oder eben wie zu Zeiten von Bretton Woods. Mir ist bisher noch keine andere Definition von Golddeckung bekannt. Wenn das aber so ist und alle Länder Golddeckung einführen, bedeutet das fixe Wechselkurse. Und diese fixen Wechselkurse waren letztlich der Tod von Bretton Woods, weil unterschiedliche wirtschaftliche Entwicklungen nicht abgebildet wurden. Bzgl. anderer Rohstoffe: Verderbliche Güter eignen sich sicher nicht als Gelddeckung, Industriemetalle wie Silber und Kupfer nur bedingt - man müsste auf Spiegel und Kabel ähnlich aufpassen wie auf Schmuck.

pago1
01
26.4.2011, 17:37
der pröll hat schon gewußt

warum er sich aus dem staub macht

smooth operator
03
26.4.2011, 17:06

Ich hoffe, es ist ein Versuch das monetäre System zu sprengen. ;-) toitoitoi.
/..ist es nicht. Sie hängen an Ihrem Leben.

hollaro jojojo
12
26.4.2011, 17:04
gesunde Inflation

Da niemand ernsthaft diese Schulden im vollen Ausmaß zurückzahlen will - her mit einer gesunden Inflation jenseits der 3%.
Wird Zeit wieder die gute alte Lohn-Preisspirale anzuwerfen. Wenn die Löhne entsprechend mitsteigen tut eine höhere Inflation gar nicht weh. (noch in den 80ern waren 3% völlig normal).

Die EZB sieht aber schon bei 2% den Gottseibeiuns der Hyperinflation aufsteigen und würgt mit Zinsanstiegen nebem dem Preisauftrieb auch gleich die Konjunktur ab.

W123
01
26.4.2011, 17:33

So die Inflation tut nicht weh, wenn die Löhne entsprechend steigen?
Und was ist bitte mit denjenigen, die etwas Erspartes auf der hohen Kante haben? Tut es denen auch nicht weh, wenn ihr Geld von der inflation gefressen wird?

Warum wohl haben die wirtchaftlich erfolgreichsten Staaten eine Hartwährung?

hollaro jojojo
00
26.4.2011, 17:58
weil

1. inflation und wechselkurs nicht das gleiche sind

2. weil eine inflation von 3-4% noch immer niedrig ist

3. man kann sein erspartes auch sinnvoll ausgeben (zB in eine Wohnung oder solaranlage)

Alastair McKenzie
 
00
26.4.2011, 20:02
Ja, eh.

Weil die Pension eh der Staat zahlt, oder? Daher ist monetäre Vorsorge überhaupt nicht nötig, bzw. sollte sie durch die "Inflationssteuer" vernichtet werden. Nicht wahr?

van.der.stiege
00
26.4.2011, 16:55
kann mir mal wer erklären, wie schweden dass so ausgeglichen machen kann ??

und ist es nicht verdächtiger so punktgenau ausgeglichen zu sein als schulden zu machen ??

und was ich dabei nicht versteh: wenn der staat plant ich habe budget x und ausgaben y und diese rechnung geht nicht auf (zb unerwartete wirtschaftskrise, arbeitslosigkeit, etc) ist ja die einzige möglichkeit um ausgeglichen zu bilanzieren, dass ich die mehrkosten ausgliedere - also den buergern direkt umhänge.

dh. ich nehm als staat weniger ein - dafuer muessen jedoch die buerger jahr fuer jahr zb. mehr selbstbehalt fuer medizinische leistungen zahlen. ist ja auch eine möglichkeit ausgeglichen im medizinischen bereich zu bilanzieren solange die bevölkerung mitmacht.

Pumuckl
00
26.4.2011, 17:02

Bei 27 Ländern ist es nicht so unwahrscheinlich, dass eines die 0,0 erreicht.

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