70 Jahre Jeep - 70 Jahre Entmilitarisierung

26. April 2011, 16:59
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1941 zogen amerikanische Soldaten mit dem Jeep in den Krieg. Später kauften die Veteranen ihren Begleiter und verwandelten ihn zum Zivilisten

Wer heute in den Jeep Grand Cherokee oder den kompakten Jeep Compass steigt, denkt nicht an grüne Tarnfarbe oder militärischen Auftritt. Der Komfort moderner SUV-Philosophie führt Regie, es handelt sich in beiden Fällen um klassische Allradfahrzeuge mit einem breiten Spektrum von Technologien und Motoren. Nur der robust ausgelegte Wrangler mit seinem verlängerten Ableger Wrangler Unlimited stellt noch heute die Brücke zur Jeep-Werbung mit verwegenen Cowboys dar. Auch der Mitbewerber Land Rover hat eine ähnliche Heritage: Der unkultivierte Militärwagen mauserte sich zum Liebling gekrönter Häupter. Jeep zu fahren war immer schon etwas Außergewöhnliches. Nicht zu vergessen, dass der Name "Jeep" durch viele Jahre hindurch das Synonym für geländegängige Fahrzeuge war, gleichgültig, welche Marke am Kühler stand. Ähnliches gelang nur einer Kaffeemarke mit ihrem Löskaffee.

foto: werk
Der Grand Cherokee ist das Flaggschiff, segelt jetzt unter italienischer Flagge und nimmt es mit der deutschen Konkurrenz auf.

Die Marke Jeep galt immer als wichtiger Bestandteil der amerikanischen Chrysler Corporation. Doch mit 1. Juni dieses Jahres wandern Wrangler, Compass und Grand Cherokee zu Fiat, genau genommen zum Markenbereich Lancia, wo die bisherigen Chrysler-Modelle Sebring und 300 mit Flavia oder Thema bereits italienische Namen erhielten. Jeep erhält zwar einen neuen Vertriebskanal, ein neues tolles Offroad-Gelände auf dem riesigen Fiat-Versuchsgelände in Italien, aber der Name bleibt unverändert. Der Mitbewerb musste schon vor Jahren den Begriff "SUV" (Sport Utility Van) als Typenbezeichnung für geländegängige Fahrzeuge kreieren, denn "Jeep" bleibt natürlich für immer "off limits".

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Der Jeep Compass ist ein kompakter Geländewagen, der zwar auch Gelände kann, aber in der Stadt zu Hause sein wird.

Der Neustart unter der Fiat-Lancia-Flagge erfolgt mit einer Modelloffensive. Das Flaggschiff heißt weiterhin Jeep Grand Cherokee, zwar nicht mehr in Graz bei Magna produziert, aber von der Qualitätsanmutung her ein würdiger Herausforderer der deutschen Konkurrenz. Vor allem der neue 3.0-Liter-V6-Turbodiesel, bereits eine Entwicklung von Fiat Powertrain, bringt ein Drehmoment von 550 Nm bei 1800 bar Einspritzdruck. Wahlweise stehen zwei Leistungsvarianten mit 241 PS oder 190 PS zur Verfügung. Zur Abrundung des Programms finden sich noch zwei Benziner im Angebot.

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Der Wrangler und der etwas längere Wrangler Unlimited sind die Fahrzeuge für die Puristen und die Freaks.

Neu ist beim Grand Cherokee auch die Luftfederung Quadra-Lift für eine 10,5 cm variable Bodenfreiheit. Zwei unterschiedliche Antriebssysteme sorgen für die außerordentlichen Offroad-Qualitäten: Quadra-Drive II oder Quadra-Trac II, ergänzt durch ein elektronisches Sperrdifferenzial in der Hinterachse.

Für den ständig wachsenden Markt der kompakten Allradfahrzeuge bietet Jeep das Modell Compass. Im ersten Probebetrieb überzeugte der auch mit 2-WD-Antrieb lieferbare geländetaugliche SUV durch seine Wendigkeit und das ausgezeichnete Drehmoment des neuen 2,2-Liter-Dieselmotors, wahlweise in zwei Leistungsstufen 163 PS und 136 PS angeboten, der letzte Gruß aus der Mercedes-Kooperation. Für echte Offroad-Freaks warten weiterhin Wrangler und Wrangler Unlimited im Programm, beide mit dem Hauch des Wilden Westens. (Peter Urbanek/DER STANDARD/Automobil/22.04.2011)

  • Links Jeep
    grafik: der standard

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