Fliegerbombe vom Hauptbahnhof abtransportiert

26. April 2011, 15:45
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Alle Verkehrssperren aufgehoben - Sprengkörper am Übungsplatz Allentsteig gesprengt

Graz - Wenige Wochen nach dem aufsehenerregenden Fund einer Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg am Grazer Hauptbahnhof entdeckten Arbeiter am Dienstag erneut eine Bombe auf der Großbaustelle. Wieder waren Verkehrssperren und Evakuierungen notwendig. Bei dem neu entdeckten Sprengkörper handelte es sich um eine US-amerikanische 250 Kilo-Fliegerbombe mit Aufschlagzünder, die innerhalb von drei Stunden geborgen und abtransportiert werden konnte.

Das Kriegsrelikt wurde bei Grabungsarbeiten für den neuen Nahverkehrsknoten unter dem ehemaligen Bahnhofskino gefunden. Vor fast genau einem Monat, am 25. März, hatte der Fund einer Fliegerbombe mit Verzögerungszünder für eine weit aufwendigere und gefährlichere Situation gesorgt. Dazu kommt der merkwürdige Umstand, dass am damaligen Freitag wie nun am Dienstag eine Großdemo gegen das Doppelsparbudget des Landes Steiermark angesetzt war, was für erhebliches Verkehrschaos gesorgt hatte.

Keine Sprengung

Die Bombe wurde gegen 9.00 Uhr im Zuge der Aushubarbeiten am Europaplatz im Bereich des ehemaligen Non-Stop-Kinos gefunden. Durch die alarmierten Einsatzkräfte wurde eine Evakuierung im unmittelbaren Bereich durchgeführt, sprich im Bahnhofsgebäude und im nahen Hotel Daniel. "Dieses Mal liegt die Bombe unterhalb eines Gebäudes, was die Vorgangsweise wesentlich erleichtert", so Einsatzleiter Wolfgang Hübel. Es musste nicht gesprengt werden, ein Entschärfen der Bombe mit zwei mechanischen Zündern und anschließender Abtransport reichte aus. Um das Kriegsrelikt kümmerte sich der selbe Mann des Entminungsdienstes, der bereits die Sprengung der weit gefährlicheren Bombe vor über einem Monat gemeistert hatte.

Ein völliges Entschärfen am Fundort sei nicht möglich gewesen, da sowohl der Zünder am Heck als auch am Kopf der Sprengbombe zu deformiert gewesen seien, sagte Hübel. Gefahr habe allerdings nicht bestanden, da die Bombe ja beim Aufschlag schon nicht gezündet habe. Die Graz Linien und die ÖBB hatten bis 12.30 Uhr einen Ersatzverkehr mit Bussen eingerichtet. Auch für den Autoverkehr war der Gürtel am Bahnhof gesperrt. Das geborgene Kriegsrelikt soll am Truppenübungsplatz Allentsteig in Niederösterreich kontrolliert gesprengt werden, so Hübel.

"Bombe" war Ziegelmauer

Die Fliegerbombe ist ein Relikt aus dem Zweiten Weltkrieg und US-amerikanischer Herkunft. 1944 und 1945 waren vor allem die Gleis- und Verschubanlagen, der Graz-Köflacher Bahnhof und der Hauptbahnhof Ziele der US-Luftflotte. Die Bahnanlagen und die umliegenden Industriebetriebe waren damals 24 Mal gezielt angegriffen worden. Im Erdreich am weitläufigen Bahnhofsgelände im Westen von Graz dürften noch weitere Bomben von damals schlummern. Bisher mussten die Arbeiten am Nahverkehrsknoten bereits zweimal unterbrochen werden. Am 18. Februar war bei einem den Arbeiten vorausgegangenen Scannen des Untergrundes ein großes Objekt entdeckt worden, das sich allerdings als massive Ziegelmauer entpuppte. Am 25. März wurde dann die 250-Kilo-Bombe gefunden, die am Fundort gesprengt werden musste. Dabei entstand Sachschaden von mindestens 700.000 Euro. (APA)

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    250 Kilo schwer: Fliegerbombe in Graz

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