Ali klebt am Sessel und hängt am Clan

25. April 2011, 18:08
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Noch hat Jemens Präsident Ali Abdullah Saleh, nach Gaddafi der längstdienende arabische Staatschef, seinen Rücktritt noch nicht unterschrieben

Noch hat Ali Abdullah Saleh, nach Gaddafi der längstdienende arabische Staatschef, den Deal nicht unterschrieben: Innerhalb von dreißig Tagen müsste der jemenitische Präsident dann zurücktreten und würde dafür seine Immunität behalten - Wiedereinstieg in die Politik nicht ausgeschlossen. Die Opposition wittert Betrug - und Saleh mag, wenn er nach Ägypten schaut, Immunitätsversprechen misstrauen. Wer weiß, was Mubarak alles zugesagt wurde.

Obwohl er seit fast 33 Jahren Präsident ist - von 1978 bis 1990 des Nordjemen, ab 1990 des vereinigten Jemen - wäre er für die bisherigen arabischen Herrschaftsverhältnisse in der Tat ein junger Pensionist: Am 21. März feierte Saleh offiziell seinen 65. Geburtstag, es gibt aber Hinweise, dass er sich etwas jünger macht. Aus dem Präsidentenamt wollte er sich allerdings 2006 schon einmal zurückziehen, ließ sich jedoch dann doch noch einmal wählen. Die Wahlen im Jemen allgemein waren für arabische Verhältnisse gar nicht einmal so schlecht.

Ali Abdullah Saleh stammt aus sehr einfachen Verhältnissen und genoss eine minimale Schulbildung. Die Armee war für ihn der Schlüssel zur Karriere, bei der auch sein Stamm, Sanhan, kräftig anschob. Der gehört zur Hashid-Stammeskonföderation - deren Führung sich bereits in einer frühen Phase der Proteste von ihm lossagte. Die Erklärung ist einfach: Sie ist eng verquickt mit der islamistischen Islah-Partei, der sich Saleh zwar bei seinem Aufstieg bediente, die er aber, als er sie nicht mehr brauchte, marginalisierte. Und die Islah, die stärkste politische Kraft, positioniert sich jetzt für die Zeit danach.

Saleh, der in den letzten Jahren einen zaiditisch-schiitischen Aufstand im Norden bekämpfte, stammt selbst aus dieser konfessionellen Gruppe, allerdings aus einem minderen - nicht religiös zum Herrschen legitimierten - Zweig. Dementsprechend spielte diese Zugehörigkeit in seiner Politik keine Rolle: 1962, dem Jahr der Revolution, kämpfte er gegen die alte zaiditische Dynastie und für die Republik.

Wichtig war für ihn immer nur der Clan: Fast alle Schlüsselpositionen im Sicherheitsapparat sind mit seinen Verwandten besetzt. Ein Grund für die Volksempörung war ähnlich wie in Ägypten, dass Ali Abdullah Saleh seinen Sohn Ahmed - nur eines seiner Kinder von verschiedenen Frauen - für seine Nachfolge in Stellung bringen wollte. Dabei wurde Saleh früher für demokratische Ansätze international sogar gelobt. (Gudrun Harrer, DER STANDARD, Printausgabe, 26.4.2011)

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    Präsident Ali Abdullah Saleh.

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