Allen Atomimporten zum Trotz: Erneuerbare überholen

25. April 2011, 18:01
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Auch in Wien wurde zu Ostern gegen Atomkraft demonstriert - während gleichzeitig die Leitungen große Mengen Atomstrom aus Tschechien lieferten

Wien - Bekenntnisse gegen Atomstrom sind wohlfeil - und populär: Montagabend haben sich mehr oder weniger prominente AKW-Gegner von Bundeskanzler Werner Faymann abwärts am Wiener Stock-im-Eisen-Platz versammelt, um gegen die Kernkraft zu demonstrieren.

Das Anliegen sei ja durchaus löblich, meint Gerhard Heilingbrunner vom Umweltdachverband, doch sollten sich gerade Regierungsmitglieder nicht auf Reden beschränken, sondern konkret handeln: Es liege in der Hand der österreichischen Politik, die Atomstromimporte abzudrehen. Laut Website des tschechischen Lastverteilers, der die Energieflüsse transparent darstellt, importierte Österreich am Ostermontag mittags zwischen 1250 und 1275 Megawatt aus Tschechien - Atomstrom, der der Leistung von drei Donaukraftwerken entspricht, erklärt Heilingbrunner.

Ärger gab es aber auch aus einem anderen Grund: Umweltminister Niki Berlakovich (ÖVP) wurde von der Rednerliste der Wiener Kundgebung gestrichen, Veranstalter Global 2000 hatte darauf bestanden, dass der Minister zumindest eine der Initiativen der Organisation (etwa rechtliche Schritte gegen die völkerrechtswidrige Umweltverträglichkeitsprüfung des AKW Mochovce) unterstützen müsste. Aufgetreten sind dann nur rot-grüne Sprecher.

Die österreichischen Anti-AKW-Proteste vom Montag fügen sich in eine österliche Serie internationaler Demos von Berlin bis Brüssel ein: In Belgien etwa werden 55 Prozent des Stroms aus Kernkraft gewonnen, allerdings ist man dort auch um erneuerbare Energie bemüht.

Denn: Atomenergie muss nicht sein. Das ist keine Behauptung grüner Idealisten, sondern durch eine Studie des Worldwatch Institute (WI) mit Sitz in Washington belegt. Pünktlich zum 25. Jahrestag des Super-GAUs in Tschernobyl zeichnet die Studie ein Bild der globalen Energiewende.

Laut WI nimmt der Anteil von Atomkraft an der Elektrizitätsproduktion weltweit ab und wird auch künftig weiterhin abnehmen. 2010 lag die weltweite Leistung erneuerbarer Energien erstmals über der von aktiven AKWs (381 Gigawatt gegenüber 375 Gigawatt vor der Abschaltung von Fukushima). In der EU sind aktuell 143 Reaktoren in der Berechnung enthalten - inklusive der sieben vorübergehend abgeschalteten Kraftwerke in Deutschland.

Die europäischen Grünen haben die Erstellung des Berichts unterstützt, Österreichs Grünen-Chefin Eva Glawischnig sieht schon einen "Niedergang der Atomindustrie". In der Studie heißt es, es sei klar, "dass die Entwicklung der Atomenergie mit der Geschwindigkeit des Ausbaus erneuerbarer Energien nicht mehr Schritt halten kann". Die Zukunft gehöre regenerativen Energien, also Wind, Sonne und Biomasse. (Saskia Jungnikl, Conrad Seidl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26.4.2011)

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    Protest gegen Atom - früher gegen Atombewaffnung, jetzt mehr gegen Atomenergie - ist eine Ostertradition: Demo in Berlin.

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