Schmutziges Geschäft mit Diamanten

25. April 2011, 17:51
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Der Kimberley-Prozess sollte für fairen weltweiten Diamantenhandel sorgen. Doch an Edelsteinen klebt nach wie vor Blut

Harare - Ihr schöner Schein trügt. Diamanten aus Konfliktregionen sollten vom Weltmarkt ferngehalten werden. So will es der Kimberley-Prozess, der Handel mit sogenannten Blutdiamanten unterbinden soll. Doch hinter den Kulissen kracht es: Unruhestifter ist Simbabwe. Seit drei Jahren diskutiert die internationale Regulierungsorganisation für Diamanthandel, wie mit Edelsteinen aus dem afrikanischen Land umzugehen ist. Nach einem kurzfristigen Exportverbot preschte der Vorsitzende des Kimberley-Prozesses nun im März im Alleingang vor: Die Ausfuhr von Diamanten aus Simbabwes Osten könne neu aufgenommen werden.

Mathieu Yamba, Minenminister der Demokratischen Republik Kongo, hat in seiner Entscheidung zwar afrikanische Staaten weitgehend hinter sich, doch der Westen schäumt. "Der Vorsitzende hat hier seine Kompetenzen eindeutig überschritten", sagt Elly Harrowell, Aktivistin der NGO Global Witness, die den Kimberley-Prozess seit Jahren begleitet.

Aufruf zum Boykott

Die USA, die EU und die weltweite Vereinigung der Diamantindustrie rufen nun weiterhin zum Boykott von Diamanten aus Simbabwe auf. Ihre Förderung stehe mit Menschenrechtsverletzungen in Verbindung. In Sondersitzungen wird an einem neuen Abkommen mit Simbabwe gearbeitet, doch Lösung ist keine in Sicht.

Der aktuelle Fall zeigt die fundamentale Schwäche des Kimberley-Prozesses. Mehr als zehn Jahre nach Gründung der Regulierungsbehörde hat diese den Handel mit Konfliktdiamanten nach wie vor nicht im Griff. Die 74 Mitgliedstaaten des Prozesses dürfen theoretisch ausschließlich mit zertifizierten Rohdiamanten handeln. In der Praxis ist das Kontrollnetz jedoch voller Lücken, nur sporadisch werden Länder von Monitoring-Gruppen geprüft. Schmuggel und Zertifikatvergabe für Diamanten, deren Herkunft ungeklärt ist, gibt es nach wie vor. Das Image der Edelsteine ist angeschlagen.

Konsensuale Entscheidungen, jährlich wechselnde Vorsitzende und das Fehlen eines ständigen Sekretariats erschweren die Arbeit zusätzlich. Iam Simillie, eines der Gründungsmitglieder des Prozesses und NGO-Vertreter, kritisierte das alles bereits vor Jahren.

Simbabwe ist einer der größten Konfliktherde. Zumal 2006 im Osten des Landes riesige Diamantvorkommen entdeckt wurden, der Fund gilt als der größte seit Jahrzehnten. Die Ressourcen könnten dazu dienen, das autoritäre Regime des Präsidenten Robert Mugabes zu stabilisieren. Was zum Einsatz brutaler Mittel führte: Seit 2008 kontrolliert das Militär den Diamantabbau. Die NGO Human Rights Watch berichtete von mindestens 200 Ermordeten, von Zwangsarbeit, Erniedrigung, Körperverletzung, Vergewaltigungen.

Technisch gesehen seien Mugabes Edelsteine keine Konfliktdiamanten, meinen einige Mitglieder des Kimberley-Prozesses. Nur Diamanten, die von Rebellen zur Finanzierung gewaltsamer Konflikte gehandelt werden, fielen streng genommen unter die Definition. In Simbabwe aber kontrolliere mit Mugabes Militär ein offizieller Apparat den Diamantabbau.

Geld für Waffen

Der Erlös aus dem Abbau, Handel und Schmuggel kommt zum Großteil Mugabes Partei und dem Militär zugute, berichtet Global Witness. Bei den nächsten Wahlen ließen sich daraus Waffen zur Einschüchterung der Bevölkerung finanzieren. Schmuggel und Menschenrechtsverletzungen dürften nicht ungestraft passieren, argumentieren andere Mitgliedstaaten des Kimberley-Prozesses.

Yambas Alleingang zementiert die Pattsituation des Prozesses weiter ein. Industrievertreter und NGOs sehen die Glaubwürdigkeit der Institution gefährdet. Doch nicht nur beim Abbau der Rohdiamanten gibt es Probleme, NGOs fordern seit Jahren strengere Regeln für den Handel mit verarbeiteten Steinen. Die Diamantindustrie habe sich verpflichtet, transparente Handelswege aufzubauen. Die Herkunft der Steine sei jedoch nur bis zur Verarbeitung nachvollziehbar. Ist ein Diamant poliert und geschliffen, verliert er seine Herkunftsbezeichnung.

"Geschmuggelte Diamanten sind nach der Verarbeitung gewaschen", sagt Elly Harrowell von Global Witness dem Standard. Die Industrie gebe sich ein besseres Image, als sie es verdiene. Bis heute gebe es keine verpflichtenden externen Kontrollen beim Garantiesystem der Händler.

Konsumenten rät sie nachzufragen, woher Juweliere ihre Diamanten beziehen. Aber nur wenige Käufer interessiere das, erzählt ein Verkäufer von Cartier in Wien, das Interesse am Thema sei abgeflaut. Dabei reichten geringe Mengen an Diamanten aus Krisenregionen aus, sagt Harrowell, um gewaltsame Konflikte zu finanzieren. (Eva Maltschnig, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 26.4.2011)

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    Im Osten Simbabwes wurden vor Jahren riesige Diamantvorkommen entdeckt. Das Militär kontrolliert den Abbau. NGOs berichten von Zwangsarbeit, Erniedrigung, Vergewaltigung und Morden.

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