Der treulose Neuer, der treue Giggs, der träumende Raúl

25. April 2011, 17:20
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Fast mehr als das Heimspiel im Halbfinale der Champions League gegen Manchester United treibt Schalke 04 die Zukunft von Manuel Neuer um. Was Vereinstreue heißt, lebt dem Goalie einer der Gäste vor

Gelsenkirchen/Wien - Sie gehören wie kühles Veltins und die Currywurst seit Wochen zu jedem Heimspiel AufSchalke - die Fanplakate mit guten Ratschlägen für Teamtorhüter Manuel Neuer. Am Samstag anlässlich der peinlichen 0:1-Heimniederlage gegen Kaiserslautern bekam "Manu" zu lesen, dass er eine Legende der Königsblauen werden hätte können - wie die Herren Reinhard "Stan" Libuda und Ernst Kuzorra. Der eine spielte insgesamt elf, der andere gar ununterbrochen 23 Jahre für Schalke. Neuer, das scheint abgemacht, geht nach sechs Jahren als Schalke-Profi mit Saisonende, vermutlich zu den recht verhassten Bayern nach München, obwohl der 25-Jährige beteuert, dass derzeit keine Gespräche stattfinden und er sich ganz auf das heiße Saisonfinale mit Schalke konzentrieren wolle.

Was Vereinstreue bedeutet, hüpft dem jungen Mann aus Gelsenkirchen heute im Halbfinalheimspiel der Champions League gegen Manchester United ein Waliser vor. Ryan Giggs erlebt in seiner 21. Saison bei den "Red Devils" seinen x-ten Frühling. 609 Pflichtspiele für Manchester United, also drei mehr als der Vorrekordler Bobby Charlton, hat der 37-Jährige schon in den Beinen. AufSchalke spielt der Mann aus Cardiff seine 129. Partie in der Champions League. Sein Vertrag ist bereits um eine weitere Saison verlängert. Der zwölfte Meistertitel ist ihm schon so gut wie sicher, mit seinem Trainer, Sir Alex Ferguson, eint den offiziell "besten Spieler der Geschichte von Manchester United" der Traum vom dritten Gewinn der Champions League nach 1999 und 2008.

Wunder für Wembley

Schalke ringt dagegen um den ersten Titel seit 2002 (Pokalsieg), und die beste Chance bietet da wieder das Pokalfinale, nämlich am 21. Mai gegen Zweitligist Duisburg im Berliner Olympiastadion. Um fünf Tage später im Wembley-Stadion bei der Finalisierung der Champions League dabei zu sein, braucht es ein zweites Wunder. Das erste trug sich ja gegen Titelverteidiger Inter zu, der nach dem 5:2 in Mailand mit insgesamt 7:3 bezwungen wurde. Und Manchester United, sagt Schalkes Abwehrroutinier Christoph Metzelder, ist "auch so eine Hausnummer wie Inter". Er kennt sich mit Hausnummern besonders gut aus, seit er zwischen 2007 und 2010 bei Real Madrid zumeist die Ersatzbank zieren durfte.

Damals stürmte auch Raúl noch für die Madrider, dem im vergangenen Sommer 16-jährige Treue als Profi mit der Abschiebung vergolten wurde. Real, das am Mittwoch im Halbfinal-Hinspiel den FC Barcelona empfängt, im Endspiel wiederzusehen, ist Raúls größter Traum. Der Spanier soll dafür sorgen, dass Schalke als Grundstein zum Aufstieg auch im sechsten Bewerbsheimspiel dieser Saison siegt.

"Ein Finaleinzug wäre dann schon wie ein Titelgewinn. Man müsste uns dafür schon einen Pokal geben, einen kleinen Pokal", sagte der 33-Jährige. Er hätte übrigens leicht auch in Manchester landen können. "Wir haben mit seinem Berater gesprochen", bestätigte Ferguson. Schließlich war es Raúl, der Titelverteidiger ManU im Jahr 2000 mit zwei Toren für Real in Old Trafford aus dem Viertelfinale der Champions League entfernt hatte. Die Madrider gewannen dann auch ihre achte von insgesamt neun (mit Meistercup) einschlägigen Trophäen. (DER STANDARD, Printausgabe, Dienstag, 26. April 2011, lü)

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    Ryan Giggs ist der Inbegriff von Vereinstreue. Die 22. Saison bei ManU ist beschlossene Sache.

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    Manuel Neuer wird Schalke dagegen im Sommer verlassen.

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