Starke Zweifel an der neuen ÖVP-Mannschaft

25. April 2011, 17:46
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Michael Spindelegger wird aber gute Arbeit und hohes Durchsetzungsvermögen in der eigenen Partei zugetraut

Linz - Nicht einmal bei den eigenen Wählern kommt die bündische Struktur der Volkspartei gut an: Das ist eines der Ergebnisse der Market-Umfrage aus der Vorwoche, die der Standard unmittelbar nach Umgliederung des schwarzen Regierungsteams in Auftrag gegeben hat. 65 Prozent der Österreicher schließen sich darin der Aussage an, dass die Bünde zu viel in die ÖVP hineinredeten - ältere Befragte und deklarierte Wähler der Koalitionsparteien sehen das in einem noch höheren Ausmaß.

Die Umfrage legt einen Finger auf all die Wunden, die die ÖVP in den Diskussionen der vergangenen beiden Wochen abbekommen hat. So wurde auch danach gefragt, ob die Bundesländer zu viel Einfluss in der ÖVP hätten: Dem stimmen 55 Prozent zu - besonders Einwohner des stets gut repräsentierten Ostösterreich - und 28 Prozent lehnen die Aussage ab.

Die Kernfrage ist natürlich, ob der neue Parteichef Michael Spindelegger der richtige Mann ist - Market näherte sich dieser Frage über mehrere vorgegebene Aussagen, zu denen die 400 befragten Wahlberechtigten Zustimmung oder Ablehnung äußern konnten:

  • "In der ÖVP hätte es bessere Nachfolger für Josef Pröll gegeben als Michael Spindelegger" - dieser Meinung stimmen 28 Prozent zu, 38 lehnen sie ab. Wichtig für Spindelegger: In seiner eigenen Wählerschaft herrscht großes Vertrauen, dass er der Richtige ist. Bei Frauen und in den oberen Bildungsschichten kommt er deutlich besser an als etwa bei Pflichtschulabsolventen.
  •  "Michael Spindelegger wird seine Sache besser machen als Josef Pröll" - daran glauben 31 Prozent, eine relative Mehrheit von 43 Prozent lehnt die Aussage ab. Spindelegger wird also nicht für besser als Pröll gehalten. Nur unter deklarierten ÖVP-Wählern wird der Aussage deutlich zugestimmt.
  •  "Mit der ÖVP wird es unter Spindelegger aufwärts gehen" - diese Aussage wird von 36 Prozent geteilt, von 40 Prozent abgelehnt. ÖVP-Wähler klammern sich stark an diese Hoffnung, aber in den anderen Gruppen von Befragten ist die Erwartung an eine Erholung der ÖVP nicht besonders hoch gesteckt: Männer und höher gebildete Befragte halten mit ihren Zweifeln nicht hinter dem Berg.
  • "Michael Spindelegger kann gut mit Bundeskanzler Faymann arbeiten" - eine Erwartung, die von jedem Zweiten ausdrücklich geteilt wird, nur 15 Prozent meinen, das sei so nicht der Fall. Besonders hohe Erwartungen in die Teamfähigkeit Spindeleggers hegen (neben der eigenen Gefolgschaft) die älteren Befragten und generell jene, die der Regierung ein gutes Zeugnis auszustellen bereit sind.

Spindeleggers gute Verankerung in der Regierung wird insgesamt als starkes Asset gesehen - obwohl nur 29 Prozent meinen, er habe ein gutes Team zusammengestellt (35 Prozent halten das Team für nicht so gut, 37 Prozent sind überfragt).

Allerdings attestieren 58 Prozent Spindelegger, dass er sich rasch durchgesetzt habe.

Die Grafik zeigt: Spindelegger gilt den Österreichern als jener Mann im ÖVP-Team, der am ehesten gute Arbeit für Österreich leisten kann, nur 16 Prozent trauen ihm das nicht zu. Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner kommt auf ähnlich gute Werte, ist aber im eigenen Lager etwas weniger verankert. Als Person und Politiker punktet Spindelegger bei Frauen, bei älteren Befragten - und er genießt einen Vertrauensvorschuss bei erklärten Anhängern der Grünen.

Die anderen Mitglieder im neuen ÖVP-Team bekommen teilweise sehr unterschiedliche Bewertungen in einzelnen Bevölkerungsgruppen: Innenministerin Johanna Mikl-Leitner wird von Frauen beinahe doppelt so gut bewertet wie von Männern, Justizministerin Beatrix Karl punktet dagegen eher bei Männern. Ganz weit hinten - und nur bei einigen jüngeren Befragten und bei der eigenen Partei beliebt - ist (wie berichtet) Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz.

Auch Finanzministerin Maria Fekter wird von unterschiedlichen Gruppen ganz verschieden bewertet: Frauen loben sie deutlich mehr als Männer - und erklärte Sozialdemokraten geben ihr sogar bessere Noten als die Wähler der Volkspartei.

Überhaupt glauben die Österreicher an eine gute Zusammenarbeit in der Koalition, nur 33 Prozent erwarten, dass die SPÖ der ÖVP das Leben schwermachen würde, 51 Prozent glauben das erklärtermaßen nicht. Eher schon glaubt man, dass die Opposition sich auf die ÖVP einschießen wird (60 Prozent teilen diese Erwartung), aber so etwas schweißt ja eine Koalition eher zusammen, als dass es sie trennt. (Conrad Seidl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25.4.2011)

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    "Mit der ÖVP wird es unter Spindelegger aufwärts gehen" - diese Aussage wird von 36 Prozent geteilt, von 40 Prozent abgelehnt.

  • Spindelegger schneidet bei der Umfrage am besten ab, Kurz am schlechtesten.
    grafik: standard

    Spindelegger schneidet bei der Umfrage am besten ab, Kurz am schlechtesten.

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