Ortstafelstreit: Heute wieder in der Zielgeraden

25. April 2011, 17:41

Entscheidende Runde heute in Klagenfurt

Klagenfurt - Seit 56 Jahren warten die Kärntner Slowenen auf die Erfüllung ihrer im Artikel 7 des Staatsvertrags zugesicherten Volksgruppenrechte. Zwei Regierungskoalitionen scheiterten im letzten Dezennium knapp an einer Lösung der Kärntner Ortstafelfrage. Jetzt scheint es, als wäre man wieder einmal in der Zielgerade. Am Dienstag treffen sich die aktuellen Verhandler zur definitiv letzten "Gesprächsrunde" in Klagenfurt, wie es heißt. Die Eckpunkte sind fixiert: Mehr als maximal 165 Ortstafeln werden es nicht werden, auch über die 17,5 Prozenthürde, ab der zweisprachige Tafeln aufzustellen wären, gibt es keine Diskussion mehr.

Letztere hatte ja insbesondere der Rat der Kärntner Slowenen vehement als zu hoch abgelehnt, während der slowenische Zentralverband und die Gemeinschaft der Slowenen von Anfang an Zustimmung signalisierten und diese sich das auch in einer Urabstimmung unter den Gemeinschaftsmitgliedern mit überwältigender Mehrheit bestätigen ließ. Liegt doch die Zahl der nunmehr vorliegenden 165 Ortstafeln über dem seinerzeitigen Gusenbauer-Vorschlag, der nur 163 vorsah. Sowohl Zentralverband als auch die Slowenengemeinschaft hatten damals zugestimmt.

Nach einem unglücklichen und heftig kritisierten Fernsehauftritt des Ratsvorsitzenden Valentin Inzko war der öffentliche Druck auf den Rat immer stärker geworden, dem von Staatssekretär Josef Ostermayer (SPÖ) und Kärntens Landeshauptmann Gerhard Dörfler (FPK) federführend ausgearbeiteten aktuellen Ortstafelvorschlag zuzustimmen. Inzko, der zunächst auf 175 Ortstafeln bestand, was der Logik des Verfassungsgerichtshofes (VfGH) einer Zehnprozenthürde entsprechen würde, hat am Wochenende Einlenken signalisiert.

Jetzt ist nicht mehr von Prozentsätzen die Rede, sondern von der Qualität zweisprachiger Ortstafeln, wobei für die Volksgruppe kulturell oder historisch wichtige Orte gegen kleinere Orte getauscht werden sollen, in denen es fast keine Einwohner mehr gibt oder in denen die deutsche und slowenische Bezeichnung fast gleich lauten. Ein gemeinsames Memorandum haben alle drei Slowenenverbände bereits ans Kanzleramt geschickt.

Trotzdem gibt es noch immer Stolpersteine, etwa bei der Amtssprachenregelung, die wie die Ortstafelverordnung von 1977 vom VfGH gekippt und ebenfalls auf zehn Prozent angesetzt worden war. Einige Orte wie Eberndorf oder Sankt Kanzian am Klopeinersee weigern sich jetzt, die Amtssprachenregelung umzusetzen, weil für sie auch dort jetzt die neue 17,5-Prozent-Hürde gilt. Doch Staatssekretär Ostermayer lässt keinen Zweifel daran, dass die VfGH-Erkenntnisse bezüglich zweisprachiger Ortstafeln und Amtssprache umzusetzen sind.

Knackpunkt Finanzpaket

Weitere Knackpunkte sind ein komplettes Finanzierungspaket für Kultureinrichtungen wie etwa die slowenische Musikschule, aber auch ein "Petitionsrecht" der Gemeinden, das die Aufstellung weiterer zweisprachiger Ortstafeln auf Gemeindegebiet ermöglicht, wenn es im Gemeinderat eine Mehrheit dazu gibt. Die Slowenen-Verbände fordern unisono, dass dieses Recht im neuen Volksgruppengesetz ausdrücklich formuliert wird. Eine Streitbeilegungserklärung, die die Kärntner Slowenen bisher immer vehement abgelehnt haben, dürfte vom Tisch sein. Offen bleibt auch, ob es zu einer wie von FPK und FPÖ geforderten Volksbefragung zum Ortstafelkompromiss kommen wird. Fristmäßig würde sie sich nicht mehr ausgehen, wenn das neue Volksgruppengesetz noch vor der Sommerpause vom Parlament beschlossen werden soll.

Sollten sich die Ortstafelverhandler doch nicht einigen können, würde es für die rot-schwarze Regierung eng werden. Denn Ende September endet die von den Verfassungsrichtern vorgegebene Frist für die Umsetzung zweisprachiger Ortstafeln. Dann könnte der sehr vage formulierte Artikel 7 des Staatsvertrags direkt in Kraft treten. Und das wären dann nicht 165 zweisprachige Ortstafeln, sondern ein Vielfaches davon. (Elisabeth Steiner, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25.4.2011)

Kommentar posten
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Macbook2010
01
26.4.2011, 16:33

Die Kärntner..........ja die haben Probleme.....!!! Also mich wundert es nichtm, dass alle Kärntner die ein wenig Verstand haben schauen das sie von dort weg kommen.

bierdeckel
03
26.4.2011, 15:11
letzter absatz im bericht

... "es könnte eng werden" usw.(!?) journalisten humor pur. aus spö + övp stammen unsere verfassungsrichter. nichts resultiert im vgh ohne einflussnahme aus der politik.

CentralAI
16
26.4.2011, 14:57

Artikel wieder mal nicht gelesen, möchte nur darauf hinweisen, dass das in Anbetracht aller anderen Probleme einfach nur ein peinliches Thema ist.

ozujsko
00
26.4.2011, 14:23

Man sollte einfach die Kosten dieses Streits gleicher maßen auf Befürworter und Gegner aufteilen, dann wäre ratz-fatz eine Lösung am Tisch. Auf kosten des Steuerzahlers finde ich die ganze Debatte etwas egoistisch und lächerlich.

tripediac
04
26.4.2011, 13:58
Karte

Habe eine etwas übersichtlichere Grafik erstellt (die der kleinen Zeitung verdient den Namen ja nicht ganz): http://bit.ly/f6Kcss
und zwar so: http://bit.ly/hZPnmR

Fehler beim automatischen Geocoden leider nicht ausgeschlossen – wer mag, bitte ggf. melden!

hanSteiner
00
26.4.2011, 16:13

Und, sorry, soll nicht besserwisserisch sein, lediglich Hilfe: Sagerberg/Zagorje (Gemeinde Sittersdorf) nicht Sagersberg,
schönen Gruß

hanSteiner
00
26.4.2011, 14:29

Danke, nett.
Gleich einmal, Dellach ist zwar auch im Gailtal, aber das falsche, Dellach/Dole ist südlich vom Presseger See.

Wenn man jetzt als Vergleich die anderen 2000 einsprachig beschilderten Ortschaften in Kärnten dazu hätte wäre es ein schöner Überblick. Aber das sieht man ja beim reinzoomen.

tripediac
00
26.4.2011, 14:48

Danke für den Hinweis, ist korrigiert (hoffentlich richtig).

Wenn es zu diesen 2000 einsprachig beschilderten Orten eine Liste gibt, kein Problem! (Ansonsten schon eher...)

hanSteiner
00
26.4.2011, 16:11

Dank, soweit ich sehen konnte passt es. Mir fiel noch Strajach/Sreje auf, dass wohl Srajach/Sreje sein sollte (Gemeinde St. Jakob).
Liste ist nicht so leicht, auf die schnelle fällt mir nur
http://www.innweb.at/map/index.php ein, da kann man eine Ortsdatenbank (downloadbar als zip) verwenden. Ob hier eine Auswahl für Kärnten usw. möglich ist, weiss ich aber leider nicht und das ist den Aufwand wohl nicht wert...
Aber interessante Arbeit und feines script, ciao.

chaim54
02
26.4.2011, 14:24
danke

für die karte
nur 2-3x gehört "ves" (duaf) durch "vas" (dorf) ersetzt. sonst sehr übersichtlich und schön, und erschreckend, wie erfolgreich die gailtaler slowenen wegassimiliert wurden. das war einmal die wiege der ktn. slowenen, mit wunderschönem dialekt, altertümlich, mit ergreifenden liedern und hochinteressanten bräuchen. jetzt kriegen sie als dank 3-4 ortstaferln, nicht einmal in orten, in denen eine menge slowenen wohnen, die halt nur durch den rost gefallen sind... (feistritz z.b.)

tripediac
00
26.4.2011, 14:51
bitte gerne

Sind diese Orte dann in der Kleinen-Zeitung-Liste auch falsch angegeben? Dort kommt ein paar mal "ves" vor.

Und: Ja, traurig ist diese ganze Geschichte.

asdf 1234
00
26.4.2011, 20:07
Ich werds als Tiroler einfach nicht verstehen wollen:

(auch wenn ich die Sache verfolgt habe) Warum ist die Republik Österreich nicht fähig, in Kärnten landesweit zweisprachige Ortstafeln aufzustellen? Zumal ich der Meinung bin, dass selbst Italien dies in Südtirol fertigbrachte und imho nicht eine solche gute Verfassung hat, wie wir. Freilich, Wir müssen nicht:-(( Die Italiener mussten auch nicht zweistellige Ortstafeln aufstellen, so sie nicht eingewilligt hätten.
Sind wir aus der Sicht der Kärntner Slowenen vielleicht noch sturer, als es Mussolini aus Sicht der Südtiroler war?

chaim54
01
26.4.2011, 14:58
ves oder vas

ja, auch in der kl.ztg. - die ganze sache ist eine prinzipielle: akzeptiert man, dass es sich bei den dialekten um slowenische dialekte handelt, dann sollte man die ortsformen in der hochsprache angeben, so wie eben auch nicht "klognfuat" oder "födkiachn" oben steht, sondern klagenfurt und feldkirchen.
"dorf" heißt im slowenichen "vas", in den meisten kärntner dialekten allerdings "ves", so wie es auch "dober den" statt "dober dan" heißt. aber pikanterweise hat man gerade in einersdorf "nonca ves" geschrieben, obwohl es gerade dort im dialekt ohnehin "vas" heißt. m.erachtens zeugt die wahl von "ves" nur davon, dass man den ktn. slowenen keine standardsprache zugestehen will und ihre sprache nicht als vollwertig anerkennt, windisch eben.

divis
 
00
26.4.2011, 17:10
Jein.

Das kommt teilweise auch von slowenischer Seite selber.

Auch bei bairischen Ortsnamen gibt es Bruck neben Brücke, heißt es Egg und nicht Eck, -ham und nicht -heim.

Dasselbe Problem existiert auch im Friaul, wo die Resianer darauf bestanden haben, ihre zweisprachigen Ortstafeln italienisch/resianisch und nicht slowenisch auszuführen (da steht z.B. Lïpaväz statt Lipovec: http://tinyurl.com/3z484ne ) und sich generell eher dagegen wehren, als Slowenen gesehen zu werden.

Und das ist nicht von außen oktroyiert, sondern dem Selbstempfinden der Volksgruppe geschuldet. Die Resianer sind stolz auf ihren Dialekt.

Eine ähnliche Situation, ganz ohne Volksgruppenproblematik, gibt es hier:

http://tinyurl.com/6yebrql

chaim54
00
26.4.2011, 17:34
Die windischen Resianer

Der Vergleich hinkt: diejenigen, die in Ktn. Ortstafeln (und nicht nur diese) wollen, empfinden sich als SlowenInnen. Und die wollen kein Clouc (Klognfuat), sondern Celovec (Klagenfurt). Die Windischen, fast ausgestorben, sind ja - analog den bgld-kroat. Assimilanten - "deutsch orientiert", d.h. ihr Ziel ist es, ihr Volkstum, so vorhanden, aufzugeben. Daher gibt es auch keine windischen Gesangs- und Gebetsbücher, Alpen- und Theatervereine oder deutsch-windische Wörterbücher. Ergo sollte auf den Ortstafeln jene Form stehen, welche jene bevorzugen, die sich zur slowenischen (und nicht windischen) Ethnie zählen. Daher Celovec, Beljak (und nicht Blak), Velikovec (und nicht Blqouc) usw. Ist, glaube ich, stimmig, diese Logik, oder irre ich mich?

divis
 
00
26.4.2011, 18:31
Zusammengefasst:

http://members.chello.at/heinz.poh... chiede.htm

Ein guter Punkt ist, warum Vesca/Dörfl statt Vasica OK ist, ves statt vas aber nicht.

Nennt mich Loretta
00
26.4.2011, 13:47
Mich würd echt interessieren, was das ganze Kasperltheater in Summe bis jetzt den Steuerzahler gekostet hat.

Danke Jörg...für garnix.

deadsoil
00
26.4.2011, 20:05

konsequent erwähnen sie dann aber auch alle landeshauptmänner vor jörg haider und dazu sämtliche bundeskanzler der letzen jahrzehnte.

salvator911
161
26.4.2011, 13:13
Rudolf Vouk

einsperren. Sache erledigt.

asdf 1234
10
26.4.2011, 20:30
Mit Verlaub, aber

Sie müssen schon ein riesengrosses Talent in Sachen iuristischer Vertretung haben, Motto Faustrecht gilt:-(((

Repariertwaseuchkaputtmacht.
10
26.4.2011, 17:00

Sie einsperren und fertig.

richard ratphlat
 
25
26.4.2011, 13:54
einsperren?!?!?

wegen protest zur einhaltung des staatsvertrages?

so tickt kärnten?!?!

salvator911
61
26.4.2011, 14:20
Der Staatsvertrag

ist ein Diktat der Siegermächte, mehr nicht. Und die zehnt Prozent stehen nirgendwo, die hat sich die linksliberale VfGH-Richterschaft aus den Fingern gesaugt...

ludmilla invantil
 
00
17.5.2011, 13:51
genau wegen solch dummer Menschen mache ich mir Sorgen um Österreich und seine Gesetzgebung!

t'pau
00
26.4.2011, 23:44

richtig! es steht nirgendwo was von 10%. denn laut staatsvertrag muss die republik überall ortstafeln aufstellen, wo es eine slowenischsprachige minderheit gibt. also auch in orte mit 1%. insofern hat der vfgh für die reaktionären in kärnten geurteil.

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