Japans Autobauern droht Abstufung

26. April 2011, 08:50
35 Postings

Die gebeutelten japanischen Autofirmen stehen ab sofort unter verschärfter Beobachtung der Finanzbranche

Tokio/New York - Die gebeutelten japanischen Autofirmen stehen ab sofort unter verschärfter Beobachtung der Finanzbranche: Die einflussreiche US-Ratingagentur S&P droht damit, die Kreditwürdigkeit von Toyota, Honda, Nissan sowie drei Zulieferern zu senken, wenn sich die Produktionsausfälle nach der Beben- und Tsunami-Katastrophe bis ins kommende Jahr hinzögen. Eine schlechtere Rating-Note bedeutet üblicherweise, dass ein Unternehmen höhere Zinsen für Kredite zahlen muss.

S&P senkte den Ausblick für die Autobauer und -zulieferer am Montag von "stabil" auf "negativ". Die Hersteller leiden seit der Katastrophe unter Teilemangel und Stromknappheit. Auch im Ausland stehen die Werke vielfach still, weil der Nachschub aus der Heimat ausbleibt. Die S&P-Experten schätzen, dass die Produktion in der japanischen Autobranche derzeit nur auf halber Kraft läuft. Erst um den Oktober herum, so schätzen sie, dürften die Probleme weitgehend überwunden sein.

Die Unternehmen stehen laut S&P-Analysten aber finanziell wesentlich solider da als im Krisenjahr 2008; viele hätten soviel Geld in der Kasse wie noch nie zuvor. Zudem sei vor allem in Nordamerika und in den Schwellenländern die Nachfrage nach Autos anhaltend hoch und die Hersteller hätten die Chance, im zweiten Halbjahr bei der Produktion etwas aufzuholen.

Toyota könnte überholt werden

Die Katastrophe in Japan ist dennoch vor allem für Toyota äußerst unerfreulich, denn der weltweite Spitzenplatz des Autobauers ist in Gefahr. Wegen der gewaltigen Produktionsausfälle droht der Konzern heuer von General Motors (GM) und Volkswagen überrundet zu werden. Analyst Koji Endo von Advanced Reasearch Japan geht davon aus, dass GM mit einer Produktion von über acht Millionen Fahrzeugen den ersten Rang übernimmt, VW mit rund sieben Millionen Autos zur Nummer zwei wird und Toyota auf den dritten Platz abrutscht. Damit hätte Europas größter Autobauer Toyota schneller überholt als geplant. Ziel des Wolfsburger Konzerns war bisher, die Japaner bis 2018 vom Thron zu stoßen.

Seit 2008 kann sich Toyota auf die Fahnen schreiben, der weltgrößte Autobauer zu sein. Im vergangenen Jahr verkauften die Japaner 8,42 Millionen Autos, GM 8,39 Millionen und Volkswagen 7,2 Millionen.

Wegen fehlender Teile und unterbrochener Stromversorgung kam Toyota im März auf nur gut ein Drittel der üblichen Produktion. In Japan baute Toyota nur 129.491 Autos - 62,7 Prozent weniger als im Jahr davor. Es war der schwächste Monat seit Beginn der Aufzeichnungen 1988, wie ein Sprecher am Montag erläuterte. Weltweit ging die Produktion um knapp 30 Prozent auf 542.465 Fahrzeuge zurück. Jüngsten Angaben zufolge rechnet der Autobauer erst zum Jahresende mit einer Rückkehr der Produktion auf ein normales Niveau. Rivale Honda äußerte sich am Montag ähnlich zu den Aussichten für die heimische Fertigung. Bis Ende Juni werde diese sich auf lediglich die Hälfte der ursprünglichen Pläne belaufen.(Reuters/rb, derStandard.at, 26.4.2011)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Wegen fehlender Teile und unterbrochener Stromversorgung kam Toyota im März auf nur gut ein Drittel der üblichen Produktion.

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Der gebeutelten Autoindustrie steht allerdings noch eine längere Durststrecke bevor.

Share if you care.