Zehntausende demonstrieren gegen Krieg und Atomkraft

25. April 2011, 16:11
50 Postings

Forderung nach sofortigem Ausstieg - Demonstrationen auch in der Schweiz und in Frankreich - Demo in Wien ab 18 Uhr

Zehntausende Menschen haben zu Ostern in ganz Deutschland gegen Kriegseinsätze und Atomkraft demonstriert. Die traditionellen Ostermärsche für Frieden und Abrüstung waren in diesem Jahr auch von der aktuellen Diskussion um die Kernenergie angesichts der Atomkatastrophe in Japan geprägt. Am Ostermontag hatte die Anti-AKW-Bewegung auch aus Anlass des 25. Jahrestages des Super-Gaus in Tschernobyl an zwölf Atomstandorten zu Demonstration für die sofortige Stilllegung der Anlagen aufgerufen. Auch deutsche Bischöfe mahnten in ihren Osterpredigten einen Ausstieg aus der Atomenergie und Hilfen für die Konfliktregionen in Nordafrika an.

Demonstrationen bei Kraftwerken in Deutschland

Allein am Kernkraftwerk Grohnde in Niedersachsen wurden am Montag 10.000 Demonstranten erwartet. Während die Veranstalter schon von mehr Teilnehmern sprachen, zählte die Polizei etwa 3000. Auch zum AKW Unterweser im Norden des Bundeslandes waren zahlreiche Menschen unterwegs. Im südhessischen Biblis demonstrierten mehrere tausend Menschen für die Abschaltung von Atomkraftwerken. In Unterfranken versammelten sich ebenfalls mehrere tausend Menschen zu einem Sternmarsch zum Atomkraftwerk Grafenrheinfeld. Tausende demonstrieren auch auf den Rheinbrücken zwischen Baden-Württemberg und Frankreich.

Die 80 Ostermärsche, die von Freitag bis Montag stattfanden, führten durch insgesamt 100 Städte. Verglichen mit dem vergangenen Jahr hatten die meisten Ostermärsche nach Angaben der Organisatoren größeren Zulauf. Die Proteste richteten sich gegen den Einsatz der NATO-Truppen in Afghanistan, das militärische Eingreifen in Libyen sowie gegen die weltweiten Rüstungsexporte. Die Teilnehmer forderten statt militärischer Lösungen humanitäre Hilfe und die Aufnahme von Kriegsflüchtlingen.

Am Samstag waren in Berlin nach Veranstalterangaben rund 4000 Menschen auf die Straße gegangen. Die Polizei sprach von rund 1500 Teilnehmern. Durch die Hamburger Innenstadt zogen unter dem Motto "Bundeswehr raus aus Afghanistan! Atomwaffen abschaffen, Atomkraftwerke abschalten" laut Polizei rund 750 Demonstranten. In München waren es nach Veranstalterangaben etwa 900 Menschen, nach Polizeiangaben etwa 450 Teilnehmern.

Demonstration vor Cattenom-Kraftwerk in Frankreich

Mehrere tausend Demonstranten haben sich am Ostermontag nach Veranstalterangaben zu einer Demonstration gegen das französische Atomkraftwerk Cattenom versammelt. "Wir wollen ein klares Zeichen für den Atomausstieg setzen", sagte eine Sprecherin der Initiatoren. Zum Auftakt seien bereits rund 3.000 Teilnehmer in die Nähe der Anlage gekommen, sie erwarte aber noch deutlich mehr. Zahlreiche Busse mit Demonstranten aus dem Saarland, aus Rheinland-Pfalz und Belgien hatten sich nach Auskunft der Internationalen Aktionsgemeinschaft gegen Cattenom (IAC) angekündigt.

2.000 Demonstranten in der Schweiz

Rund 2.000 Personen aus Frankreich, Deutschland und der Schweiz haben am Ostermontag bei der Dreiländerbrücke an der Grenze bei Basel gegen das AKW Fessenheim demonstriert. Sie forderten die Abschaltung des etwa 35 Kilometer nördlich von Basel gelegenen AKW. Ähnliche Aktionen waren laut den Veranstaltern auf weiteren Brücken am Ober- und Hochrhein organisiert worden. An der Kundgebung bei der Dreiländerbrücke machten sich Parlamentarier und Politiker aus allen drei Ländern für einen Ausstieg aus der Atomkraft stark

Ostermarsch gegen Atomkraftwerk in Bulgarien

Ostermarsch gegen Atomkraft auch in Bulgarien: Umweltschützer haben am Montag gegen das Projekt mit Russland für ein neues Atomkraftwerk bei Belene an der Donau protestiert. Von der 15 Kilometer westlicher gelegenen Stadt Swischtow startete eine Autokolonne mit Demonstranten in Richtung Belene, wie die Agentur BTA berichtete. Die Umweltaktivisten forderten, dass das Belene-Projekt abgebrochen und das dafür bestimmte Gelände als eine freie Wirtschaftszone genutzt wird. Sowohl Belene als auch Swischtow liegen in einem Erdbebengebiet.

Nach dem Atomunglück in Fukushima hatte Bulgarien das Belene-Projekt für drei Monate auf Eis gelegt, damit der russische Lieferant die Sicherheit verbessert. Ob es umgesetzt wird, hängt von den Endkosten ab. Bulgarien betreibt bisher das Atomkraftwerk Kosloduj aus kommunistischer Zeit, das weiter westlich an der Donau liegt. Belene wäre das erste von Russen in der EU gebaute Kernkraftwerk.

Demonstration auch in Wien

In Wien fand ab 18:00 ebenfalls eine Anti-Atom-Demonstration statt. Unterstütz wird diese unter anderem von Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ), den Grünen, Caritas-Direktor Michael Landau und Global 2000.

Medwedew gedenkt Tschernobyl

In Russland hat 25 Jahre nach der Atomkatastrophe von Tschernobyl der russische Präsident Dmitri Medwedew der Millionen betroffenen Menschen des Super-GAU gedacht. "Die Havarie war die größte technische Katastrophe des vergangenen Jahrhunderts, durch die Millionen Menschen radioaktiver Strahlung ausgesetzt waren und Hunderttausende ihre Häuser verlassen mussten", so Medwedew.

Er würdigte bei einer Gedenkveranstaltung den "Heldenmut" und die "Selbstaufopferung" der sogenannten Liquidatoren, die damals die Folgen des Reaktorunglücks eingedämmt hatten.

Weißrussland hält an AKW fest

Vor seiner Reise in die Ukraine hatte auch der autoritäre weißrussische Präsident Alexander Lukaschenko erklärt, am geplanten Bau des ersten Atomkraftwerks in seinem Land bis 2017/18 festzuhalten. Aus Angst vor Anti-Atom-Protesten ließ er eine traditionelle Gedenkveranstaltung in Minsk zum Tschernobyl-Jahrestag verbieten. (APA/red)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    In Unterfranken wurde vor dem Atomkraftwerk Grafenrheinfeld demonstriert.

Share if you care.